Kur­haus bald wie­der in Weiß und Gold

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON MAT­THI­AS GRASS

Ab kom­men­den Mon­tag wer­den die Ge­rüs­te ab­ge­baut, dann er­strahlt Kle­ves Kur­haus-Denk­mal in neu­em Glanz. Die ver­an­schlag­ten Re­stau­rie­rungs­kos­ten von 290.000 Eu­ro wur­den ein­ge­hal­ten, der Zeit­plan auch.

KLE­VE Jes­si­ca Roeloffs ist zu­frie­den: Wo­chen­lang hat sie teils al­lein, teils im Team an der Fas­sa­de des Mu­se­um Kur­haus ge­ar­bei­tet. Die Ma­ler­meis­te­rin hat Ris­se ver­spach­telt, um gol­de­ne Let­tern her­um ge­malt und Och­sen­blut­far­be auf den rich­ti­gen Ton ge­bracht. Sie hat die Fas­sa­de mit Mi­ne­ral­far­be in ei­nem ab­ge­tön­ten Weiß ge­stri­chen, die Fens­ter­lai­bun­gen in Sand­stein­far­ben. Au­ßer­dem hat­ten die Ma­ler mit zwei We­s­pen­nes­tern und „ganz ganz vie­len Spin­nen“zu kämp­fen. Der Wald ist eben so na­he am Ge­bäu­de, dass die Äs­te bis an die Fas­sa­de und ins Ge­rüst reich­ten.

Jetzt nä­hert sich ihr Werk dem En­de zu: Am kom­men­den Mon­tag wer­den die Ge­rüs­te rund um das Kur­haus-En­sem­ble an der Wald­sei­te und an der Stadt­sei­te ab­ge­baut. Ei­ne Wo­che spä­ter folgt der Ab­bau an der Tier­gar­ten­stra­ße und schließ­lich nach ei­ner drit­ten Wo­che der an der Wan­del­hal­le.

Ei­ne Punkt­lan­dung: Die ver­an­schlag­ten Kos­ten wur­den eben­so ein­ge­hal­ten wie der Zeit­plan. Für das gro­ße Fest der Mu­se­ums­freun­de zum 20-jäh­ri­gen Be­ste­hen des Kul­tur­ver­eins am 15. Sep­tem­ber prä­sen­tiert sich das Mu­se­um Kur­haus wie­der vor­zeig­bar.

Rund 290.000 Eu­ro hat die Sa­nie­rung der Fas­sa­de von Kle­ves Mu­sen­tem­pel ge­kos­tet, rund 30.000 Eu­ro hat die Deut­sche Stif­tung Denk­mal­schutz bei­ge­steu­ert. Schließ­lich galt die Sa­nie­rung dem städ­ti­schen Denk­mal Kur­haus, das auf­wen­dig re­stau­riert wur­de und in dem seit 20 Jah­ren das Mu­se­um re­si­diert. Die Sa­nie­rung war fäl­lig: Das Haus war stark ver­schmutzt, die vom Wald und dem ge­gen­über­lie­gen­den Park ins Ge­mäu­er krie­chen­de Feuch­tig­keit hat­te dem Putz zu­ge­setzt, eben­so wie die ste­ten Er­schüt­te­run­gen durch den Ver­kehr auf der stark be­fah­re­nen Bun­des­stra­ße 9 zu Ris­sen im Putz führ­ten, er­klärt Ar­chi­tek­tin In­grid van Hül­len. Van Hül­len hat­te be­reits die Kur­hausEr­wei­te­rung durch das Fried­richWil­helms­bad be­glei­tet und be­kam jetzt auch den Zu­schlag für die Sa­nie­rung von Kur­ho­tel und Wan­del­hal­le. In Zu­sam­men­ar­beit mit Ar­chi­tekt Al­f­red Jan­sen vom Ge­bäu­de­ma­nage­ment der Stadt Kle­ve sei die Sa­nie­rung rei­bungs­los über die Büh­ne ge­gan­gen, sagt sie.

Vor al­lem der So­ckel­be­reich des Hau­ses sei durch Streu­salz­ein­wir- kung stark an­ge­grif­fen ge­we­sen. Auch hat­te van Hül­len mit der Feuch­tig­keit, die durch die Fu­gen der erst 1997 auf­ge­bau­ten Dach­ter­ras­se in die Wand zog, zu kämp­fen: „Wir ha­ben sie ab­ge­dich­tet. Für die Au­ßen­fas­sa­de wird das rei­chen“, sagt sie. Ob man da­mit auch die Feuch­tig­keit, die in die In­nen­wand zieht und dort aus­blüht, in den Griff be­kommt, blei­be ab­zu­war­ten. Mög­li­cher­wei­se ist das sonst der nächs­te Sa­nie­rungs­schritt, über­legt Ha­rald Kun­de, Di­rek­tor des Mu­se­ums Kur­haus. Zu­mal auch die Feuch­tig­keit vom 1997 nicht sa­nier­ten Kel­ler des gut 150 Jah­re al­ten Ge­bäu­des in die Wän­de zieht.

Ab­ge­stimmt mit dem Denk­mal­schutz wur­de die Fas­sa­de mit Mi­ne­ral­far­be sa­niert. Hier müs­sen die Farb­pig­men­te zwölf St­un­den vor dem An­strich an­ge­setzt und „ein­gesumpft“wer­den, er­zählt Roeloffs. Mi­ne­ral­far­be wer­de heu­te, auch we­gen der Kos­ten, vor­nehm­lich bei Denk­mä­lern oder öf­fent­li­chen Ge­bäu­den ver­wandt und kön­ne nur auf­ge­bracht wer­den, wenn vor­her nicht mit ei­ner an­de­ren Far­be ge­ar­bei­tet wur­de, er­gänzt sie.

Roeloffs ist Meis­te­rin beim 35Mit­ar­bei­ter star­ken Fach­be­trieb „Kohl Ma­ler und Re­stau­ra­tor“. Der Be­trieb un­ter Lei­tung der staat­lich ge­prüf­ten Re­stau­ra­to­rin Bri­git­te Schnei­der be­kam den Zu­schlag für die Ma­ler­ar­bei­ten, die fast 80 Pro­zent der zu ver­ge­ben­den Ge­wer­ke aus­mach­te.

Roeloffs und ih­re Kol­le­gen muss­ten zu­dem di­ver­se Kunst­wer­ke, die un­ter an­de­rem auf die Wand ge­malt sind, be­rück­sich­ti­gen. Die gro­ße In­stal­la­ti­on „In­sek­ten­haus“des bay­ri­schen Künst­lers Micha­el Sail­stor­fer vor dem Haus wur­de ex­tra ab­ge­baut. „Wir ha­ben sie dann auch rei­ni­gen las­sen und wer­den sie na­tür­lich, so­bald das Ge­rüst ab­ge­baut ist, wie­der an­brin­gen“, sagt Ha­rald Kun­de. Der mit Blatt­gold auf die Wand ge­brach­te Schrift­zug „Mu­se­um“konn­te er­hal­ten blei­ben: Jes­si­ca Roeloffs mal­te um die Gold­blätt­chen her­um. Die rück­wär­ti­ge Sei­ten­wand mit dem Kunst­werk von Lothar Baum­gar­ten brauch­te nicht ge­stri­chen zu wer­den.

RP-FO­TOS: GOTT­FRIED EVERS

Jes­si­ca Roeloffs am gol­de­nen Mu­se­ums-Schrift­zug mit dem Aus­zu­bil­den­den Da­vid Wal­ter und Mit­ar­bei­ter Jo­hann Pu­scha­low­ski.

Noch ist das Kur­haus ver­hüllt. Ab Mon­tag wer­den die Ge­rüs­te ab­ge­baut.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.