Ma­riä Him­mel­fahrt – wie bit­te?

Rheinische Post Goch - - GOTT UND DIE WELT -

Am 15. Au­gust fei­ert die Kir­che von al­ters her das Fest der Him­mel­fahrt Ma­ri­ens. Ge­meint ist da­mit, dass „es bei Ma­ria kei­ne Ver­we­sung des ent­stell­ten Lei­bes gab, son­dern dass sie im Tri­umph dem Tod ent­ris­sen wur­de und wie ihr Sohn in die Herr­lich­keit des Him­mels ein­ging“(Pi­us XII., Kon­sti­tu­ti­on Muni­fi­cen­tis­si­mus Deus, 1958). Die Kir­che be­haup­tet al­so nicht nur, dass Gott Mensch ge­wor­den ist, son­dern auch, dass „ei­ne von uns“mit Haut und Haar, Herz, Darm und Fin­ger­nä­geln le­ben­dig ins Jen­seits ein­ge­gan­gen ist. Im Ernst? Kann man das heu­te noch so sa­gen? Man muss es so­gar!

Der Kern des christ­li­chen Glau­bens ist, dass Gott uns in Je­sus sein mensch­li­ches, gü­ti­ges Ge­sicht ge­zeigt hat und seit­dem auf mensch­lich Art ( et­wa durch die Sa­kra­men­te) mit uns in Kon­takt tritt. Ziel sei­nes Kom­mens ist un­ser Heil. Und die­sem Heil steht als gro­ßer Feind der Tod ge­gen­über. Un­ser Leib ist kei­ne läs­ti­ge Zu­tat, kein „Ge­fäng­nis der See­le“, er ist sein Ge­schöpf, von ihm er­dacht und ge­wollt.

Im Neu­en Tes­ta­ment und im ka­tho­li­schen Be­stat­tungs­ri­tus wird er so­gar als Tem­pel des Hei­li­gen Geis­tes ge­prie­sen. Was al­so be­deu­tet un­se­re Sterb­lich­keit? En­de oder Durch­gang? Was be­deu­tet un­se­re Leib­lich­keit? Last oder Wür­de?

Wenn wir an die Er­lö­sung durch Je­sus Chris­tus glau­ben, wenn wir glau­ben, dass er Got­tes Sohn ist, dann rückt ganz au­to­ma­tisch sei­ne Mut­ter ins Blick­feld: Got­tes Sohn ist durch sie ge­kom­men, von ihr zur Welt ge­bracht. Auf dem Kon­zil von Ephe­sus, das 431 Ma­ria „Got­tes­ge­bä­re­rin“nann­te, ju­belt Cy­rill von Alex­an­dri­en: „Sei ge­grüßt! Du hast in dei­nem Schoß um­fan­gen, den kein Raum zu fas­sen ver­mag. Durch dich wird die Hei­li­ge Drei­fal­tig­keit ver­herr­licht; durch dich wird das kost­ba­re Kreuz auf dem gan­zen Erd­kreis ver­ehrt; dei­net­we­gen ju­belt der Him­mel, dei­net­we­gen freu­en sich die En­gel und Er­z­en­gel; dei­net­we­gen flüch­ten die Dä­mo­nen; dei­net­we­gen fiel der Teu­fel; dei­net­we­gen wird das ge­fal­le­ne Ge­schöpf in den Him­mel auf­ge­nom­men; durch dich ge­lang­te die gan­ze dem Göt­zen­dienst ver­fal­le­ne Schöp­fung zur Wahr­heit; durch dich er­hal­ten die Glau­ben­den die Tau­fe und das Öl der Freu­de; durch dich wer­den die Hei­den zur Um­kehr ge­führt.“

Man spürt in die­sen Wor­ten auch nach 1600 Jah­re noch die „Früh­lings­freu­de“der jun­gen Kir­che, als sie ent­deckt, dass die Ver­eh­rung Ma­ri­ens nichts an­de­res ist als die kon­se­quent durch­buch­sta­bier­te Freu­de über die Er­lö­sung – „Dau­er­weih­nach­ten“so­zu­sa­gen. „Durch dich ge­lang­te die gan­ze dem Göt­zen­dienst ver­fal­le­ne Schöp­fung zur Wahr­heit“– wie steht es da­mit heu­te? Sind die Göt­zen Macht und Geld nicht wie­der auf dem Vor­marsch? Wird die­sen Göt­zen nicht wie­der ge­dient durch Men­schen, die die Wahr­heit ver­las­sen, de­nen ei­ge­ner Ge­winn wich­ti­ger ist als Auf­rich­tig­keit und Ge­rech­tig­keit? Wir blei­ben auf die Ga­ben des Hei­li­gen Geis­tes an­ge­wie­sen – und wir blei­ben auch frei, sie ab­zu­leh­nen. Wir Chris­ten dür­fen uns im Blick auf Ma­ria dar­über freu­en, dass Gott ei­ner von uns ge­wor­den ist, um uns ihm gleich zu ma­chen. Das be­freit vor dem Wahn, durch ei­ge­nes Tun wer­den zu wol­len wie Gott. Das macht er schon – so wie er es an ihr schon ge­macht hat!

Zur Pfle­ge der Freu­de emp­feh­le ich drei Mal täg­lich das An­ge­lus­ge­bet (Got­tes­lob 3,6; im al­ten GL 2,7) – die Glo­cken Ih­rer Kir­che er­in­nern Sie üb­ri­gens kos­ten­los dar­an.

Ul­rich Ter­lin­den

Ul­rich Ter­lin­den, Pfar­rer in Hl. Jo­han­nes der Täu­fer, Bed­burg-Hau.

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