Far­ben­fro­he Wall­fahrt der Ta­mi­len

Rheinische Post Goch - - GOCH / UEDEM - VON CHRIS­TOPH KELLERBACH

Über 7000 Be­su­cher aus der gan­zen Welt wa­ren in der Ma­ri­en­stadt. Ein Bi­schof aus Sri Lan­ka, knapp zwei Dut­zend Pries­ter und vie­le Pil­ger aus ver­schie­de­nen Na­tio­nen sorg­ten für ein re­li­giö­ses Fest der Kul­tu­ren.

KEVE­LA­ER Das trü­be Wetter mit Nie­sel­re­gen tauch­te die Wall­fahrt­stadt in graue Far­ben. Ge­nau die rich­ti­ge Um­ge­bung, da­mit die wun­der­bar far­ben­fro­hen Klei­der der über 7000 Ta­mi­len am Sams­tag die Stadt in ein bun­tes Meer der Kul­tu­ren ver­wan­del­ten: gold­be­stick­te Ge­wän­der, fein­ge­schnit­te­ne An­zü­ge und mehr. Denn für die aus Deutsch­land, den Nie­der­lan­den, Sri Lan­ka und an­de­ren Län­dern stam­men­den Ka­tho­li­ken und Hin­dus ist die Ma­ri­en­wall­fahrt im­mer et­was ganz Be­son­ders.

„Das ist für uns hier in Keve­la­er wie ein gro­ßes Fa­mi­li­en­fest“

Ru­me­sh Vi­ma­len­dran

Wall­fah­rer aus Stutt­gart

„Wir kom­men we­gen der Fei­er und der Kir­che be­reits seit sechs Jah­ren hier­her und es ist je­des Mal schön“, er­in­ner­te sich Ru­me­sh Vi­ma­len­dran aus Stutt­gart. „Wir fah­ren früh los, su­chen uns ein Ho­tel zum Über­nach­ten, und heu­te am Sams­tag ist es dann wie ein gro­ßes Fa­mi­li­en­fest.“Sei­ne Schwes­ter Mi­laa­ni führ­te wei­ter aus, „dass es ein tol­les Wie­der­se­hen mit vie­len Men­schen ist, die man sonst sel­ten oder gar nicht sieht. Dann ist da na­tür­lich auch noch der re­li­giö­se Aspekt, mit dem man sich sonst viel­leicht nicht so sehr be­schäf­tigt.“Was ist bei all dem die größ­te Er­in­ne­rung, die sie im­mer mit der Wall­fahrt nach Keve­la­er ver­bin­den? Mi­laa­ni Vi­ma­len­dran schmun­zel­te: „Es ge­hört auf je­den Fall da­zu, dass man stun­den­lang Schlan­ge steht, um schließ­lich tra­di­tio­nell ei­ne Ker­ze auf­stel­len zu kön­nen.“Die­ses Jahr fand zu­dem die 30. Wall­fahrt statt. Die beim letz­ten Be­such der Ta­mi­len in der Ma­ri- en­stadt be­reits an­ge­kün­dig­ten Über­ra­schun­gen und Ak­tio­nen fan­den, ab­ge­se­hen vom Ver­kauf spe­zi­el­ler Ju­bi­lä­ums­ker­zen, nicht statt. Laut Or­ga­ni­sa­to­ren­team woll­te man sich lie­ber auf das kon­zen­trie­ren, was bis­lang im­mer zum Ge­lin­gen des Fes­tes bei­trug: die Si­cher­heit und die rich­tig­ge­hend fa­mi­liä­re At­mo­sphä­re. Be­reits im letz­ten Jahr wur­de ein neu­es Si­cher­heits­kon­zept um­ge­setzt und auch die­ses Mal war wie­der zahl­rei­ches Se­cu­ri­ty-Per­so­nal vor Ort. Den Tag über blieb es fried­lich. Den­noch hat­ten die Auf­pas­ser al­le Hän­de voll zu tun, denn wie im­mer war in der ge­sam­ten In­nen­stadt so gut wie kein Park­platz mehr zu fin­den. Die Au­tos wa­ren oft so eng ge­parkt, dass die Se­cu­ri­ty­Leu­te als Raus­fahr-Hel­fer kon­se­quent im Ein­satz wa­ren. Frei­tag­nach­mit­tag ka­men über 1000 Ta­mi­len bei ei­ner gro­ßen Fuß­pro­zes­si­on in der Ma­ri­en­stadt an und am Sams­tag be­gann die ei­gent­li­che Wall­fahrt. Vor­mit­tags fand im Fo­rum Pax Chris­ti der gro­ße Haupt­got­tes­dienst statt mit Bi­schof Jus­tin Gn­ana­pra­ga­sam aus der Diö­ze­se Jaff­na in Sri Lan­ka. Zu­dem wa­ren knapp zwei Dut­zend Pries­ter an­we- send. Wäh­rend der Mes­se gab es ta­mi­li­sche Tän­ze zu se­hen, die aber­mals die fan­tas­ti­sche Far­ben­pracht der Klei­dung der Wall­fah­rer vor Au­ge führ­ten. Ein wei­te­rer Hin­gu­cker war der gro­ße Markt, der tra­di­tio­nell auf dem Ba­si­li­ka-Park­platz Ta­mi­len wie Keve­lae­rer glei­cher­ma­ßen an­lock­te. Von bun­ten Frucht­drinks und le­cke­ren Kn­ab­be­rei­en, über präch­ti­ge Ket­ten und fein be­stick­te Ge­wän­der konn­te man dort viel ent­de­cken.

Nach ei­ner And­acht am Nach­mit­tag stell­ten sich der Bi­schof, die Pries­ter und Hun­der­te Ta­mi­len für ih­re prunk­vol­le Pro­zes­si­on auf. Wäh­rend die­ses Hö­he­punk­tes der Wall­fahrt wur­de ei­ne Ma­ri­en­sta­tue durch den Orts­kern ge­tra­gen. Am Nach­mit­tag und Abend fei­er­ten noch vie­le der Be­su­cher gut­ge­launt mit­ein­an­der, be­vor sie am Sonn­tag­vor­mit­tag be­reits wie­der den Heim­weg an­tra­ten. „In den Zei­ten, in de­nen Re­li­gi­on da­zu be­nutzt wird, um Kra­wall und Ge­walt zu er­schaf­fen, ist es wun­der­bar, die Chris­ten und Hin­dus hier zu­sam­men zu se­hen“, mein­te Bür­ger­meis­ter Do­mi­nik Pich­ler. „Ta­ge wie die­se zei­gen, dass es eben auch an­ders geht.“

RP-FOTO: GOTT­FRIED EVERS

Tra­di­tio­nell kom­men die Kom­mu­ni­on­kin­der mit zur Wall­fahrt nach Keve­la­er.

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