Ve­red­lungs­kunst

Rheinische Post Goch - - GOTT UND DIE WELT - MICHA­EL TERHOEVEN, PAS­TOR IN DEN ORT­SCHAF­TEN KRANENBURGS

Ger­ne sit­ze ich auf mei­ner Ter­ras­se und schaue in den Gar­ten. Da taucht in mei­nen Ge­dan­ken mein Va­ter auf, der die­sen Gar­ten sehr lieb­te. Ich se­he ihn, wie er mit ei­nem klei­nen schar­fen Mes­ser an ei­nem jun­gen Stamm schnei­det. Er hat ei­nen klei­nen dün­nen Zweig in der Hand; den pfropft er dem Stämm­chen auf. Mein Va­ter konn­te gut oku­lie­ren. Wenn der neue Trieb ein­ge­wach­sen war und spä­ter Blü­ten und Früch­te trug, war er sehr stolz.

El­tern pflan­zen ih­ren Kin­dern ih­re gan­ze Für­sor­ge und Lie­be ein. Sie freu­en sich, wenn sie zu tüch­ti­gen und le­bens­fro­hen Men­schen her­an­wach­sen. Al­le, die aus­bil­den und leh­ren, pfrop­fen ihr Wis­sen und Kön­nen mit Ge­schick und Ge­duld jun­gen Men­schen ein, so­dass sie sich wei­ter ent­wi­ckeln kön­nen.

Gott pflanzt je­den Men­schen in die Zeit­ge­schich­te und Le­bens­si­tua­ti­on ein. Er freut sich, wenn er sich mit Zeit und Raum ver­bin­det und auf­blüht und Frucht bringt in sei­nem un­ver­wech­sel­ba­ren Le­ben. Aber Gott tut noch mehr. Gott pflanzt sich selbst in ei­ne je­de und ei­nen je­den von uns ein. Er ver­edelt uns mit sei­ner Lie­be. Gott kann gut oku­lie­ren. Es kommt dar­auf an, dass wir die­se neue Ver­bin­dung be­ja­hen und zu­las­sen, dass wir uns auf sei­ne Lie­be ein­las­sen. Dar­aus er­wächst die Kraft, dass un­ser Le­ben trotz al­ler Schwä­chen, Fehl­schlä­ge und Ent­täu­schun­gen auf­blü­hen und frucht­bar sein kann. Trost und Freu­de wach­sen so im­mer wie­der als neue Trie­be.

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