Skep­sis bei Dür­reh­il­fen für Bau­ern

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE -

ge­sagt, Bund und Län­der müss­ten den Not­stand aus­ru­fen und we­gen sich ab­zeich­nen­der Schä­den exis­tenz­be­droh­ten Land­wir­ten fi­nan­zi­ell hel­fen. Im Durch­schnitt sei­en Ern­te­aus­fäl­le in Hö­he von 20 Pro­zent zu be­fürch­ten – in Re­gio­nen vor al­lem im Nor­den und Os­ten des Lan­des bre­che die Ern­te aber um bis zu 70 Pro­zent ein. Wür­de der Not­stand aus­ge­ru­fen, könn­ten Be­trie­be, de­ren Ern­te­er­trä­ge 30 Pro­zent un­ter dem Schnitt der ver­gan­ge­nen fünf Jah­re lie­gen, di­rek­te Li­qui­di­täts­un­ter­stüt­zung er­hal­ten. Ruk­wied stellt sich ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro an staat­li­chen Sub­ven­tio­nen vor.

NRW-Um­welt­mi­nis­te­rin Ur­su­la Hei­nen-Es­ser (CDU) äu­ßer­te sich zu­rück­hal­tend zu mög­li­chen Hil­fen für die Land­wir­te. Sie sei­en nur in ex­tre­men Aus­nah­me­si­tua­tio­nen zu recht­fer­ti­gen – wie bei ei­nem Er­trags­rück­gang um 30 Pro­zent. „Ob das auf Be­trie­be in NRW zu­trifft, kön­nen wir ak­tu­ell noch nicht si­cher ein­schät­zen“, sag­te sie un­se­rer Re­dak­ti­on. „Leicht an­zie­hen­de Er­zeu­ger­prei­se, ins­be­son­de­re bei Ge­trei­de, wir­ken der­zeit scha­dens­min­dernd.“Sie füg­te aber hin­zu, Kli­ma­ex­per­ten gin­gen da­von aus, dass sol­che „Ex­trem­wet­ter­la­gen in Zu­kunft häu­fi­ger auf­tre­ten wer­den“.

Auch die Ar­beits­ge­mein­schaft bäu­er­li­che Land­wirt­schaft er­klär­te: „Es ist zu ein­fach, jetzt vor dem Bund-Län­der-Agrar­tref­fen in Ber­lin staat­li­che Hil­fen ein­zu­for­dern.“Was den Be­trie­ben schnell hel­fen kön­ne, sei­en „fai­re Er­zeu­ger­prei­se“für ge­sun­de Le­bens­mit­tel. Der Frei­bur­ger Um­welt­ex­per­te Fe­lix Mat­thes for­der­te von der Bun­des­re­gie­rung ei­nen drei­stu­fi­gen An­satz. „Wir brau­chen ers­tens kurz­fris­ti­ge Not­hil­fen für Bau­ern, die exis­ten­zi­ell be­droht sind. Zwei­tens brau­chen wir Um­stel­lungs­hil­fen, um die Land­wirt­schaft kli­ma­freund­li­cher zu ma­chen – und drit­tens brau­chen wir lang­fris­ti­ge An­pas­sungs­pro­gram­me, mit de­nen sich die Land­wirt­schaft auf den Kli­ma­wan­del ein­stel­len kann.“

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter for­dert ein kom­plet­tes Um­den­ken. „Die Dür­re muss ein Weck­ruf sein für ei­nen grund­le­gen­den Kurs­wech­sel in der Agrar­po­li­tik“, sag­te Ho­frei­ter mit Blick auf den Bau­ern­ver­band. „Pau­scha­les Hand­auf­hal­ten von Lob­by­ver­bän­den ist we­nig hilf­reich, vor al­lem wenn der for­dern­de Ver­band gleich­zei­tig für ein po­li­ti­sches Wei­ter-so steht“, sag­te Ho­frei­ter mit Blick auf den Bau­ern­ver­band. „Die Mil­li­ar­den­gel­der, die in die Land­wirt­schaft flie­ßen, soll­ten in Zu­kunft nur noch an sol­che Be­trie­be ge­hen, die mit der Na­tur ar­bei­ten, da­mit auch kli­ma­freund­li­che und öko­lo­gi­sche­re Be­trie­be ge­zielt un­ter­stützt wer­den.“Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer Was­ser/Ab­was­ser des Bun­des­ver­bands der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft, Mar­tin Weyand, sag­te, trotz der Hit­ze­re­kor­de kä­me es nicht zu Eng­päs­sen bei der Was­ser­ver­sor­gung. „Nie­mand muss auf ei­ne küh­len­de Du­sche oder ein küh­len­des Bad ver­zich­ten.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.