Die Ren­ten­kas­se zahlt auch ins Aus­land

Ru­he­stand un­ter Pal­men? Für die Ren­ten­ver­si­che­rung ist das kein Pro­blem. Doch Steu­ern fal­len auch hier an. Und der Kran­ken­schutz kann für deut­sche Rent­ner im Aus­land teu­er wer­den.

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON UWE SCHMIDT-KASPAREK

DÜS­SEL­DORF Rent­ner ha­ben große Frei­hei­ten: Wer das Mit­tel­meer liebt oder die Hö­hen­luft in den Schwei­zer Al­pen ge­nie­ßen will, kann an sei­nem Traum­ziel „über­win­tern“oder gar sess­haft wer­den. Je­der kann frei wäh­len, wo er sei­nen Le­bens­abend ver­brin­gen möch­te. „Ren­ten wer­den nicht nur in Deutsch­land, son­dern grund­sätz­lich in al­le Län­der welt­weit ge­zahlt“, be­stä­tigt Dirk Man­they von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV).

Ren­te im Aus­land

Wer sei­nen Wohn­sitz in ei­nen an­de­ren Staat ver­le­gen möch­te, soll­te das der Ren­ten­ver­si­che­rung aber früh­zei­tig mit­tei­len. Es gibt ei­ne ge­setz­li­che Mit­tei­lungs­pflicht. Der­zeit zahlt die DRV welt­weit in 150 deut­sche Län­der Ren­ten aus. Wäh­rend ei­nes Aus­lands­auf­ent­halts kann die Ren­te wahl­wei­se auf ein ei­ge­nes Kon­to bei ei­ner Bank im Aus­land oder auf ein ei­ge­nes Kon­to für Be­zie­her von Er­werbs­min­de­rungs­ren­ten. So wer­den die Ren­ten we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung nicht nur al­lei­ne aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den ge­zahlt, son­dern weil Be­trof­fe­ne auf dem deut­schen Ar­beits­markt kei­nen Job fin­den. Bei ei­nem dau­er­haf­ten Um­zug ins Aus­land ent­fällt der An­spruch auf die­se Ren­te, und es be­steht nur noch An­spruch auf die ge­rin­ge­re Ren­te we­gen teil­wei­ser Er­werbs­min­de­rung.

Steu­ern auf Ren­ten

Auch im Aus­land le­ben­de Rent­ner un­ter­lie­gen grund­sätz­lich der Be­steue­rung. Be­trof­fen sind ge­setz­li­che Ren­ten, die ins Aus­land ge­zahlt wer­den, aber auch die Rü­rup-Ren­te, Be­triebs­ren­ten, pri­va­te Ren­ten­ver­si­che­run­gen und Er­werbs­min­de­rungs­ren­ten. Aus­schlag­ge­bend da­für, ob Deutsch­land die Ren­te be­steu­ern darf, ist der ak­tu­el­le Wohn­sitz-Staat. Be­steht ein Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men, kann Deutsch­land an der Be­steue­rung der Ren­te ge­hin­dert sein.

Ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung

Ver­legt der Rent­ner sei­nen Wohn­sitz in ein EU-Land, bleibt er wei­ter in sei­ner ge­setz­li­chen Kran­ken­und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Ge­setz­lich kran­ken­ver­si­chert, je­doch nicht pfle­ge­ver­si­chert sind Rent­ner, die nach Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na, Ko­so­vo, Ma­ze­do­ni­en, Mon­te­ne­gro, Ser­bi­en, in die Tür­kei oder nach Tu­ne­si­en zie­hen. Un­si­cher­hei­ten gibt es künf­tig für Groß­bri­tan­ni­en, wenn der Aus­tritt aus der EU wirk­sam wird. An­sprü­che ha­ben Rent­ner oh­ne­hin nur auf Leis­tun­gen, die das Ge­sund­heits­sys­tem im neu­en Hei­mat­land vor­sieht. Zu­zah­lun­gen kön­nen un­ter Um­stän­den deut­lich hö­her als in Deutsch­land aus­fal­len.

Wer sich au­ßer­halb von Eu­ro­pa nie­der­lässt, hat oh­ne­hin ein Pro­blem. Er muss meist ei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung in der neu­en Hei­mat ab­schlie­ßen. Rai­ner Els­mann vom Ver­si­che­rungs­mak­ler Wal­ter, Ex­per­te für in­ter­na­tio­na­len Kran­ken­schutz, emp­fiehlt et­wa die An­bie­ter Ci­gna, Foy­er, Glo­ba­li­ty und Al­li­anz World­wi­de Ca­re. Grund­sätz­lich ist es sinn­voll, zu­sätz­lich ei­ne Aus­lands­rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung ab­zu­schlie­ßen. Die ge­setz­li­che Kran­ken­kas­se kommt nie für ei­nen Kran­ken­rück­trans­port nach Deutsch­land auf, auch nicht in­ner­halb Eu­ro­pas. Oh­ne Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung kann ein Rück­flug mit ei­nem Am­bu­lanz­jet Tau­sen­de Eu­ro kos­ten.

Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung

Für Aus­wan­de­rer mit ei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung gel­ten an­de­re Re­geln. Sie ge­nie­ßen oft welt­wei­ten Schutz. Man soll­te den Ver­si­che­rer fra­gen, wel­che Leis­tun­gen er im

Aus­land über­nimmt. Rent­ner, die im Aus­land le­ben, er­hal­ten in der Re­gel kei­nen Zu­schuss zu ih­rer pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung.

Haft­pflicht-Ver­si­che­rung

Welt­wei­ten Schutz bie­tet auch ei­ne in Deutsch­land ab­ge­schlos­se­ne pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Gu­te Ta­ri­fe gel­ten bis zu fünf Jah­re. In der Re­gel ist aber ein Bank­kon­to in Deutsch­land für den Schutz Pflicht.

Wich­ti­ge Adres­sen

Bei Fra­gen zur Ren­te im Aus­land hilft die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung wei­ter. Te­le­fon: 0800-10004800.

Hil­fe zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung gibt die Deut­sche Ver­bin­dungs­stel­le Kran­ken­ver­si­che­rung Aus­land. Te­le­fon: 0228-95300, Mail: post@dv­ka.de.

Steu­er­in­fos er­teilt das Fi­nanz­amt Neu­bran­den­burg, das für al­le Ren­ten­emp­fän­ger mit Wohn­sitz im Aus­land zu­stän­dig ist. Te­le­fon: 0395-4422247000, Mail: ria@fi­nanz­amt-neu­bran­den­burg.de.

Über die Ver­le­gung des Wohn­sit­zes soll­ten Rent­ner zwei Mo­na­te vor­her in­for­mie­ren, da­mit die Ren­te recht­zei­tig um­ge­stellt wer­den kann: Deut­sche Post AG, Nie­der­las­sung Ren­ten­ser­vice, 13496 Ber­lin, Te­le­fon: 0221-569 2777.

QU­EL­LE: DEUT­SCHE REN­TEN­VER­SI­CHE­RUNG; LÄN­DER, IN DE­NEN REN­TEN AN „DEUT­SCHE STAATSANGEHÖRIGE“GE­ZAHLT WER­DEN | GRA­FIK: C. SCHNETTLER

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