Au­to­die­be bun­kern Fahr­zeu­ge in Den Hey­berg

Rheinische Post Kevelaer - - AUS DEM GELDERLAND - VON SE­BAS­TI­AN LATZEL

Vor dem Land­ge­richt in Berlin müs­sen sich vier Män­ner und ei­ne Frau we­gen ban­den­mä­ßi­gem Au­to­dieb­stahl ver­ant­wor­ten.

TWISTEDEN / BERLIN Es ist ein Pro­zess, der in Berlin ge­ra­de für Schlag­zei­len sorgt. Dort muss sich ei­ne Ban­de von mut­maß­li­chen Au­to­die­ben vor dem Land­ge­richt ver­ant­wor­ten. An­ge­klagt sind vier Män­ner und ei­ne Frau im Al­ter von 27 bis 44 Jah­ren. Sie sol­len Wa­gen im Wert von rund 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro ge­stoh­len und teil­wei­se ins Aus­land ge­bracht ha­ben. Als Ba­sis für ih­re Raub­zü­ge soll die Ban­de ei­nen Bun­ker auf der An­la­ge in Den Hey­berg be­nutzt ha­ben. Die Tä­ter stam­men al­le aus Gdansk (Po­len).

Am 3. Fe­bru­ar 2017 wur­den die mut­maß­li­chen Tä­ter in Berlin-Lich­ten­berg fest­ge­nom­men. Vier von ih­nen sit­zen noch in Un­ter­su­chungs­haft, dar­un­ter die Frau. Sie sol­len zu ei­ner gut or­ga­ni­sier­ten Tä­ter­grup­pie­rung ge­hö­ren, die selbst Au­tos ent­wen­de­ten oder ge­stoh­le­ne Fahr­zeu­ge von an­de­ren ab­kauf­ten, so sieht es die An­kla­ge.

In Keve­la­er sol­len die An­ge­klag­ten ei­nen Bun­ker auf der An­la­ge Den Hey­berg in Twisteden an­ge­mie­tet ha­ben. Sie sol­len auf Raub­zü­gen im gan­zen Rhein­land un­ter­wegs ge­we­sen sein und die Fahr­zeu­ge an­schlie­ßend in dem Bun­ker un­ter­ge­stellt ha­ben. Bei der Durch­su­chung der Hal­le konn­te die Po­li­zei teil­wei­se nur noch die Kenn­zei­chen der Au­tos si­cher­stel­len.

Nach bis­he­ri­gen Er­mitt­lun­gen be­gann die Die­bes­tour rund um Keve­la­er am 22. März 2016 in Mo­ers. Dort soll die Ban­de ei­nen Por­sche 911 ge­stoh­len ha­ben, der so­fort in den Bun­ker ge­bracht wur­de. Auch in die­sem Fall fand die Po­li­zei spä­ter nur noch die Kenn­zei­chen. Der Wa­gen war be­reits weg­ge­bracht wor­den.

Si­cher­ge­stellt wur­den da­ge­gen ein Ci­tro­ën DS 5 und DS 4 (ge­stoh­len in Hagen) und zwei Wohn­mo­bi­le (ge­stoh­len in Puhl­heim und Mo­ers). An­sons­ten wur­den im Bun­ker Kenn­zei­chen, Ty­pen­schil­der und Ver­kaufs­schil­der wei­te­rer Wa­gen ent­deckt, dar­un­ter ein Por­sche Car­re­ra 2 und wei­te­re Wohn­mo­bi­le. Der Bun­ker, in dem die Au­to­die­be die Beu­te la­ger­ten, bis sie wohl mit ge­fälsch­ten Kenn­zei­chen wei­ter­ver­kauft wur­den, liegt im hin­te­ren Ab­schnitt von Den Hey­berg, dem so ge­nann­ten Stall­be­reich. Mit­te der 80er Jah­re hat­te die Na­to in Twisteden auf ei­nem 150 Hekt­ar gro­ßen Wald­stück 325 Bun­ker ge­baut und die­se als mo­der­nes Mu­ni­ti­ons­de­pot ge­nutzt. Nach­dem die Sol­da­ten 1992 ab­zo­gen, stand das rie­si­ge Ge­län­de leer. Jetzt wird es un­ter an­de­rem für Fe­ri­en­woh­nun­gen, als Wohn­mo­bil­ha­fen und ver­schie­de­nes Ge­wer­be ge­nutzt. Die Bun­ker kön­nen ge­mie­tet wer­den. Das ha­ben die mut­maß­li­chen Au­to­die­be auch ge­tan.

Auch in Berlin-Kö­pe­nick hat­te die Ban­de kon­spi­ra­tiv ei­nen Ga­ra­gen­kom­plex an­ge­mie­tet. Ins­ge­samt soll das Quar­tett zwi­schen De­zem­ber 2014 und sei­ner Fest­nah­me im Fe­bru­ar die­ses Jah­res 48 Straf­ta­ten be­gan­gen ha­ben. Zu den Beu­te­fahr­zeu­gen ge­hör­ten meh­re­re Por­sche 911, Ja­gu­ar, Ran­ge Ro­ver, Fia­tW­ohn­mo­bi­le und Iveco-Last­wa­gen. Die Fahr­zeu­ge gin­gen nach Ost­eu­ro­pa. Es geht um 30 Fahr­zeu­ge mit ei­nem Ge­samt­wert von mehr als 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro. Ab­züg­lich der si­cher­ge­stell­ten Wa­gen wird der Ge­samt­scha­den auf mehr als 600.000 Au­tos be­zif­fert.

Für das auf­wän­di­ge Ver­fah­ren sind bis­lang 15 Ver­hand­lungs­ta­ge an­ge­setzt. Das Ur­teil wird erst An­fang des kom­men­den Jah­res er­war­tet.

RP-FO­TO: ZEL

In ei­nem die­ser Bun­ker in Twisteden wur­den die Fahr­zeu­ge ver­steckt.

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