IN­TER­VIEW THO­MAS OP­PER­MANN „Mit je­dem CDU-Mi­nis­ter ist es schlim­mer ge­wor­den“

Rheinische Post Krefeld-Land - - POLITIK -

Die Lin­ke will die Si­cher­heit der Bür­ger in öf­fent­li­chen Räu­men durch mehr Per­so­nal schüt­zen. Ei­ne bür­ger­na­he Po­li­zei müs­se die Rech­te et­wa von Mi­gran­ten und lin­ken De­mons­trie­ren­den schüt­zen und gleich­zei­tig für die Men­schen er­reich­bar, im Stadt­bild prä­sent und da­mit an­sprech­bar sein. Die Lin­ke will die Po­li­zei von der Ver­fol­gung von Ba­ga­tell­de­lik­ten ent­las­ten und nennt hier ins­be­son­de­re il­le­ga­le Ein­rei­se, Schwarz­fah­ren und Dro­gen­ge­nuss. Die An­ti­ter­ror­ge­setz­ge­bung der ver­gan­ge­nen 15 Jah­re soll auf den bür­ger- Herr Op­per­mann, die SPD liegt weit hin­ter der Uni­on und dringt mit ih­ren The­men nicht durch. War­um? OP­PER­MANN Wir lie­gen mit un­se­ren The­men je­den­falls gold­rich­tig. Das er­le­be ich im Wahl­kampf, und das zei­gen al­le Um­fra­gen. Die Men­schen in­ter­es­sie­ren sich für glei­che Bil­dungs­chan­cen, ge­rech­te­re Steu­ern und die Ver­hin­de­rung von Al­ters­ar­mut. Und da­für ha­ben wir auch Kon­zep­te. So rich­tig konn­te sich die SPD da­mit aber nicht von der Uni­on ab­set­zen. Mit wel­chem The­ma wol­len Sie ei­ne Kon­tro­ver­se aus­lö­sen und den Wahl­kampf span­nend ma­chen? OP­PER­MANN Al­lein der Um­stand, dass wir für In­hal­te ste­hen, grenzt uns von der Uni­on ab. Da­ne­ben gibt es ei­ne kla­re Kon­tro­ver­se bei der Auf­rüs­tung. Wir brau­chen ei­ne star­ke und ein­satz­fä­hi­ge Bun­des­wehr ... recht­li­chen Prüf­stand ge­stellt wer­den. Ge­heim­diens­te be­trach­tet die Par­tei als Fremd­kör­per der De­mo­kra­tie, des­halb ge­hör­ten der Ver­fas­sungs­schutz und per­spek­ti­visch auch al­le an­de­ren Ge­heim­diens­te ab­ge­schafft. Als Ers­tes will die Lin­ke den Ein­satz von In­for­man­ten durch Po­li­zei und Ver­fas­sungs­schutz be­en­den. Der Waf­fen­be­sitz soll stren­ger re­gle­men­tiert und in Pri­vat­haus­hal­ten wei­test­ge­hend un­ter­sagt wer­den. ... ein Ur­the­ma der Uni­on ... OP­PER­MANN ... bei dem sie aber ver­sagt. Die SPD ist auch in der Re­gie­rung. OP­PER­MANN Wir stel­len seit zwölf Jah­ren nicht mehr den Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter. Mit je­dem neu­en CDU-Mi­nis­ter ist es schlim­mer ge­wor­den statt bes­ser. Jetzt ver­sucht Frau von der Ley­en mit gi­gan­ti­schen Auf­rüs­tungs­plä­nen zu glän­zen. Die Uni­on will die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben bis 2024 um 30 Mil­li­ar­den Eu­ro auf­wach­sen las­sen. OP­PER­MANN Das hal­te ich für falsch. Es wä­re die größ­te Auf­rüs­tung in Eu­ro­pa seit Jahr­zehn­ten. Ein neu­es Wett­rüs­ten wä­re die Fol­ge. Das macht un­ser Land nicht si­che­rer. Das ver­langt aber US-Prä­si­dent Trump. Nur so sei das Na­to-Ziel zu er­rei­chen, zwei Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts für Ver­tei­di­gung aus­zu­ge­ben. OP­PER­MANN Da müs­sen wir Trump wi­der­spre­chen. Der Na­to ging es dar­um, den Trend sin­ken­der Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben zu stop­pen. Das ist auch rich­tig. Wir wol­len die best­mög­li­che Aus­rüs­tung für die Bun­des­wehr, des­we­gen ha­ben wir jetzt auch der Er­hö­hung des Etats um 2,7 Mil­li­ar­den Eu­ro zu­ge­stimmt. Aber wir wol­len nicht die größt­mög­li­che Auf­rüs­tung. Die SPD will die Gra­tis-Aus­bil­dung von der Ki­ta bis zum Stu­di­um oder Meis­ter­brief. War­um ge­ben Sie 3,8 Mil­li­ar­den Eu­ro, die wohl­ha­ben­de El­tern zah­len, leicht­fer­tig auf? OP­PER­MANN Ki­tas müs­sen staat­lich fi­nan­zier­te Bil­dungs­ein­rich­tun­gen sein – ge­büh­ren­frei und of­fen für al­le, ge­nau­so wie Schu­len. Die Ki­ta- Aus AfD-Sicht hängt Kri­mi­na­li­tät in Deutsch­land vor al­lem mit Aus­län­dern zu­sam­men. Sie sol­len schon bei klei­ne­ren Ver­ge­hen „zwin­gend“aus­ge­wie­sen wer­den. Den Er­werb der deut­schen Staats­bür­ger­schaft will die AfD mas­siv er­schwe­ren. Die Voll­stre­ckung von Haft­stra­fen ge­gen Aus­län­der will die AfD ins Aus­land ver­le­gen. Sämt­li­che Grenz­über­gän­ge sol­len wie­der ge­schlos­sen, je­der Ein- und Aus­rei­sen­de soll über­prüft wer­den. An der grü­nen Gren­ze will die AfD Zäu­ne er­rich­ten und zur Grenz­si­che­rung Wehr­pflich­ti­ge ein- be­ru­fen. DNA-Ma­te­ri­al von Tat­ver­däch­ti­gen will die AfD auch auf Hin­wei­se auf ih­re kon­ti­nen­ta­le Her­kunft un­ter­su­chen las­sen. Die Straf­mün­dig­keit will sie auf zwölf Jah­re sen­ken, ab 18 Jah­ren nach Er­wach­se­nen­straf­recht ur­tei­len. Für den Mes­se­r­ein­satz bei Kör­per­ver­let­zun­gen soll die Min­dest­stra­fe auf zwölf Mo­na­te ver­dop­pelt wer­den. Auf der an­de­ren Sei­te will die AfD, dass sich Bür­ger künf­tig leich­ter ei­ge­ne Waf­fen zu­le­gen kön­nen. ge­büh­ren tref­fen am här­tes­ten die Mit­tel­schicht. Wir wol­len da­ge­gen den El­tern si­gna­li­sie­ren: Wer Kin­der groß­zieht, soll nicht ex­tra da­für be­zah­len. Ih­nen feh­len noch sechs bis acht Pro­zent­punk­te, um das selbst­ge­steck­te Ziel „30 Pro­zent plus x“zu er­rei­chen. Bringt das TV-Du­ell zwi­schen Mer­kel und Schulz den Um­schwung? OP­PER­MANN Beim TV-Du­ell wer­den die Un­ter­schie­de deut­lich. Mar­tin Schulz hat ei­nen Plan und kon­kre­te Vor­schlä­ge für die Zu­kunft die­ses Lan­des. Wir wol­len Deutsch­land mo­der­ner, si­che­rer und ge­rech­ter ma­chen. Nach zwölf Jah­ren im Amt ist die Mer­kel-CDU aus­ge­brannt, oh­ne Am­bi­tio­nen und oh­ne Kon­zep­te.

Der SPD-Frak­ti­ons­chef kri­ti­siert die Ver­tei­di­gungs- und Rüs­tungs­po­li­tik der Uni­on und er­war­tet deut­li­che Vor­tei­le für Schulz beim TV-Du­ell.

Wir woll­ten wis­sen, ob es den Um­schwung zu Schulz ein­lei­tet. OP­PER­MANN Wenn es ei­ne of­fe­ne Aus­ein­an­der­set­zung um die bes­se­ren Kon­zep­te gä­be, wür­de Mer­kel auf je­den Fall ver­lie­ren. Sie tut da­ge­gen al­les, um ei­ner sol­chen Dis­kus­si­on aus dem Weg zu ge­hen. Am liebs­ten wür­de sie wie in ih­ren Youtu­be-Vi­de­os kon­trol­lier­te Bot­schaf­ten un­ters Volk streu­en. Ich bin ge­spannt, ob Kanz­le­rin Mer­kel sich beim TV-Du­ell aus der De­ckung wagt. Herr Schulz kann beim TV-Du­ell an­grei­fen. Nie­mand ver­bie­tet ihm das Wort. OP­PER­MANN Mar­tin Schulz wird sei­ne Mög­lich­kei­ten nut­zen. Ich freue mich auf das Du­ell. Für die Wäh­ler ist es scha­de, dass An­ge­la Mer­kel ei­ne zwei­te Run­de ver­hin­dert hat. MICHA­EL BRÖ­CKER UND MAR­TIN KESS­LER FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

FO­TO: KREBS

Tho­mas Op­per­mann.

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