„Mer­ke! Hass muss weg“

Rheinische Post Krefeld - - STADTPOST -

Es gibt sie noch – die Hel­din­nen und Hel­den des All­tags. Ei­ne sol­che Hel­din ist Ir­me­la Men­sah-Schramm. Was sie macht? Sie ist ei­ne Raum­pfle­ge­rin der be­son­de­ren Art. Sie ent­fernt Hass­pa­ro­len, die sie auch fo­to­gra­fisch do­ku­men­tiert, und kämpft da­mit ge­gen den all­täg­li­chen Ras­sis­mus.

Mit ei­nem Cer­an­feld-Scha­ber aus­ge­stat­tet, kratzt sie so Auf­kle­ber von Stra­ßen­schil­dern ab oder über­tüncht frem­den­feind­li­che Pa­ro­len auf Haus­wän­den oder Mau­ern. Nach ei­ge­nen An­ga­ben hat sie bis­lang über 100.000 Hass­sprü­che ent­fernt. 1986 fing sie mit ei­nem Auf­kle­ber mit dem Slo­gan „Frei­heit für Ru­dolf Hess“an. Ar­beit ist ihr lei­der bis heu­te nicht aus­ge­gan­gen. Auch nicht Är­ger. So et­wa ge­riet sie im letz­ten Jahr in die Schlag­zei­len, weil sie die Hass-Pa­ro­le „Mer­kel muss weg“an ei­ner Tun­nel­mau­er in „Mer­ke! Hass muss weg“über- bzw. um­sprüh­te, und des­halb die Staats­an­walt­schaft in Berlin son­der­ba­rer­wei­se ein Straf­ver­fah­ren ge­gen sie ein­lei­te­te, das erst in die­sem Jahr ein­ge­stellt wur­de.

Dass ih­re Ar­beit (le­bens)ge­fähr­lich ist, muss wohl lei­der nicht wei­ter be­tont wer­den. Doch ge­ra­de in Zei­ten, in de­nen sich ei­ni­ge Po­li­ti­ker laut­stark für ei­ne Ent­sor­gung der deut­schen Ge­schich­te zwi­schen 1933 und 1945 aus­spre­chen oder gleich Po­li­ti­ker an­de­rer Mei­nung „ent­sor­gen“wol­len, ist Men­sahSchramms Ar­beit wich­ti­ger denn je. Ei­ni­ge be­kla­gen, dass der ak­tu­el­le Bun­des­tags­wahl­kampf lang­wei­lig sei. Wirft man ei­nen Blick auf die vie­len von ihr fo­to­gra­fier­ten Hass­pa­ro­len und die da­rin auf­schei­nen­den ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Al­ter­na­ti­ven, stellt sich die­se Fra­ge so nicht.

Neu­gie­rig ge­wor­den? Von Sonn­tag, 17. Sep­tem­ber, bis zum 15. Ok­to­ber ist die von Ir­me­la Men­sahSchramm kon­zi­pier­te Wan­der­aus­stel­lung „Hass ver­nich­tet – Hass­schmie­re­rei­en fo­to­gra­fiert und ver­nich­tet“zu Gast in der Kir­che „Christ Kö­nig“in Kempen (Öff­nungs­zei­ten: don­ners­tags, frei­tags und sams­tags von 15.30 bis 17 Uhr).

Ein Be­such lohnt sich!

Andre­as Hen­kel­mann, Pas­to­ra­ler Mit­ar­bei­ter, Bü­ro der Re­gio­nal­de­ka­ne

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