ANA­LY­SE

Rheinische Post Krefeld - - STIMME DES WESTENS -

Be­rich­te über den Ver­kauf jun­ger Män­ner in Li­by­en ent­set­zen die EU von Mer­kel bis Ma­cron. Für Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen ist das Heu­che­lei. Aber die Kanz­le­rin hat ein Druck­mit­tel beim EU-Afri­ka-Gip­fel.

Ent­wick­lungs­hil­fe. Seit Jah­ren bleibt auch Deutsch­land hin­ter sei­nen selbst­ge­steck­ten Zie­len zu­rück.

Der DDR-Bür­ger­recht­ler und Afri­kaBe­auf­trag­te der Kanz­le­rin, Gün­ter Noo­ke, ist auch im hei­ßen Abidjan. Er kri­ti­siert die Ideo­lo­gie der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on WTO scharf, nach der Eu­ro­pa für sei­ne Öff­nung der Märk­te für Afri­ka um­ge­kehrt frei­en Markt­zu­gang zu dem Nach­bar­kon­ti­nent be­kom­men hat. Ge­stützt durch ho­he Agrar­sub­ven­tio­nen wirft Eu­ro­pa dann et­wa Milch­pul­ver und Hähn­chen­schen­kel auf den afri­ka­ni­schen Markt und ver­hin­dert so, dass sich die oh­ne­hin schwa­che Wirtschaft in ar­men Län­dern über­haupt erst ein­mal ent­wi­ckeln kann.

„Afri­ka braucht ei­nen ge­schütz­ten Raum“, for­dert Noo­ke. Ei­nen Frei­han­del, ei­ne In­te­gra­ti­on in den Welt­han­del, aber eben noch nicht mit der bru­ta­len markt­wirt­schaft­li­chen Kon­kur­renz der sta­bi­len und rei­chen Staa­ten. Aber Afri­ka tra­ge auch selbst Ver­ant­wor­tung. Vie­le Staa­ten ha­ben dort durch­aus die Frei­heit, Pro­duk­te für ih­ren Markt zu sper­ren. „Sie dür­fen ein­fach kei­ne Hähn­chen­schen­kel mehr lie­fern las­sen“, sagt Noo­ke. Und in Eu­ro­pa müss­ten end­lich die Agrar­sub­ven­tio­nen ab­ge­baut wer­den.

Mer­kel hat mit ih­rer Will­kom­mens­kul­tur in der Flücht­lings­kri­se 2015 Deutsch­land po­la­ri­siert, die Uni­on ver­lor vie­le Stim­men bei der Bun­des­tags­wahl. Ihr Auf­tritt 5500 Ki­lo­me­ter von zu Hau­se ent­fernt ist ei­ne Dop­pel­bot­schaft an die ei­ge­nen Bür­ger: Zum ei­nen soll die Zu­wan­de­rung ge­steu­ert und ge­ord­net wer­den. Mit den Her­kunfts­län­dern soll es Rück­füh­rungs­ab­kom­men ge­ben, da­mit sie ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber wie­der auf­neh­men und nicht im­mer wie­der ver­schwun­de­ne Pa­pie­re das ver­hin­dern. Man­che Staa­ten kön­nen sich da­für die Ein­füh­rung bio­me­tri­scher Päs­se vor­stel­len. Aber auch das kos­tet Geld. Zum an­de­ren will Mer­kel die Men­schen da­von über­zeu­gen, dass an In­ves­ti­tio­nen in die Be­kämp­fung von Flucht­ur­sa­chen kein Weg vor­bei­geht, wenn Afri­ka ein sta­bi­ler Kon­ti­nent wer­den und es nie wie­der Skla­ve­rei ge­ben soll.

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