Chris­ten, Bud­dhis­ten und Mus­li­me tau­schen sich aus

Rheinische Post Langenfeld - - LANGENFELD - VON CHRIS­TOPH BLECK­MANN

Evan­ge­li­scher Lan­gen­fel­der Pfar­rer Chris­toph Bleck­mann nahm an Vor­trä­gen zu Hei­li­gen Schrif­ten teil und be­rich­tet.

LAN­GEN­FELD/LE­VER­KU­SEN Unter dem Ti­tel „Ver­ste­hen und ge­nie­ßen“hat der Rat der Re­li­gio­nen Le­ver­ku­sen über Hei­li­ge Schrif­ten dis­ku­tiert. Auch der Evan­ge­li­sche Kir­chen­kreis Le­ver­ku­sen, dem Lan­gen­feld und Mon­heim an­ge­hö­ren, nahm dar­an teil. Da­bei wur­de deut­lich: Die im ge­nann­ten Gre­mi­um ver­tre­te­nen Ge­mein­schaf­ten le­sen und lie­ben ih­re Hei­li­gen Schrif­ten.

So sind in den bud­dhis­ti­schen Schrif­ten Wor­te des Bud­dha (563482 v.Chr.) über­lie­fert. Sei­ne Schü­ler ha­ben sie auf­ge­schrie­ben. Bud­dhis­ti­sche Kon­zi­len ha­ben die Zu­sam­men­stel­lung der Lehr­re­den be­schlos­sen. Sie be­ste­hen aus phi­lo­so­phi­schen Tex­ten und Re­geln für Mön­che und Non­nen. „Es ist aber kein hei­li­ger Text“, er­klär­te Ma­ri­on Gen­rai Lu­kas, or­di­nier­te bud­dhis­ti­sche Non­ne und Vor­sit­zen­de des Ver­eins Zalt­ho Sang­ha, ei­ner ja­pa­ni­schen ZEN-Rich­tung. „Re­flek­tie­re die Tex­te für dich selbst“, riet sie.

Über die hei­li­gen Schrif­ten der Chris­ten in­for­mier­ten Schul­pfar­re­rin Gerlinde An­ders (Ev. Kir­chen­kreis Le­ver­ku­sen), der ka­tho­li­sche Stadt­de­chant Heinz-Pe­ter Tel­ler und Pries­ter Ste­fan Vis (Neu­apos­to­li­sche Kir­che Opladen). Ei­nig wa­ren sie, dass der ers­te Teil der christ­li­chen Bi­bel vom Ju­den­tum über­nom­men ist. To­ra, pro­phe­ti­sche Bü­cher und Schrif­ten bil­den das Al­te Tes­ta­ment der Chris­ten. „Die Bi­bel hat für uns Chris­ten enor­me Be­deu­tung“, sag­te Pries­ter Vis, „in je­dem Got­tes­dienst, in je­der Pre­digt ist sie Aus­gangs­punkt für die Ver­kün­di­gung.“Die meis­ten Pries­ter, auch Ste­fan Vis, sind Lai­en­pre­di­ger und er­hal­ten von der Neu­apos­to­li­schen Kir­che für ih­ren Di­enst Leit­ge­dan­ken mit Bi­bel­aus­le­gun­gen, an de­nen sie sich bei der Ver­kün­di­gung im Got­tes­dienst ori­en­tier­ten. In der neu­apos­to­li­schen Kir­che wer­de die Bi­bel wort­wört­lich ernst ge­nom­men. Da in bi­bli­scher Zeit nur Män­ner Amts­trä­ger der christ­li­chen Kir­che ge­we­sen sei­en, ha­be die wört­li­che Aus­le­gung zur Fol­ge, dass dies auch heu­te in der neu­apos­to­li­schen Kir­che so sei.

„Die Bi­bel ist nicht vom Him­mel ge­fal­len“, be­ton­te Stadt­de­chant Tel­ler, da­her kann sie als „Got­tes­wort im Men­schen­wort“in je­de Spra­che über­setzt wer­den und muss in je­der Zeit aus­ge­legt wer­den. Die bi­bli­schen Tex­te sind zwi­schen 1000 v.Chr. und 130 n.Chr. ent­stan­den durch münd­li­che, dann schrift­li­che Über­lie­fe­rung. Heu­te, so Tel­ler mit Wor­ten des Va­ti­can­ums II., sei der „Tisch des Wor­tes Got­tes reich ge­deckt“.

Auch Pfar­re­rin Gerlinde An­ders, die an der Rhein­dor­fer Kä­the-Koll­witz-Ge­samt­schu­le Evan­ge­li­sche Re­li­gi­on un­ter­rich­tet, er­klär­te, dass die Bi­bel wie li­te­ra­ri­sche Tex­te ana­ly­siert wer­den. Ei­ne wortört­li­che Aus­le­gung neh­me die Bi­bel nicht ernst. Sach­ge­rech­te Aus­le­gung müs­se das Vor­ver­ständ­nis of­fen­le­gen. Der Pro­zess des Ver­ste­hens set­ze an der „Mehr­deut­lich­keit“der Bi­bel an und sei ei­ne im­mer­wäh­ren­de Auf­ga­be. In ih­rer per­sön­li­chen Bi­bel hat Gerlinde An­ders vie­le Stel­len an­ge­stri­chen und mit An­mer­kun­gen ver­se­hen. „Mein Va­ter hat sie für mich in Le­der ein­ge­bun­den, und sie ist zum Teil mei­ner Le­bens­ge­schich­te ge­wor­den.“

Ähn­lich be­geis­tert zeig­ten sich Imam Mu­ha­med Mer­ma­ri und Is­malj Me­mi­shi (Rat der Is­la­mi­schen Ge­mein­schaf­ten Le­ver­ku­sen) von ih­rer Hei­li­gen Schrift, dem Koran. Die 114 Su­ren ent­hal­ten nach ih­ren Wor­ten das un­ver­fälsch­te Wort Got­tes, das bis zum Jüngs­ten Tag sei­ne Gül­tig­keit be­hält. Für Mus­li­me sei der Koran Zu­sam­men­fas­sung und Über­bie­tung al­ler hei­li­gen Bü­cher, auch der Ju­den und Chris­ten. Er ent­hält Re­geln und Ge­bo­te, wie man Gu­tes tun und Schlech­tes ver­mei­den kön­ne. Den Koran im­mer wie­der zu le­sen, wer­de nie lang­wei­lig. Imam Mer­ma­ri: „Ge­nie­ße es!“

FO­TOS (3): KIR­CHEN­KREIS

Imam Mu­ha­med Mer­ma­ri (v.l.), die evan­ge­li­sche Pfar­re­rin Gerlinde An­ders und der ka­tho­li­sche Pfar­rer Heinz-Pe­ter Tel­ler hiel­ten Vor­trä­ge.

FO­TO: VER­AN­STAL­TER

Tol­le Klet­ter­mög­lich­kei­ten gibt es auch in der Re­gi­on.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.