Plan­bar

Rheinische Post Mettmann - - LESERBRIEFE -

Zu „Mi­nis­te­rin sucht hän­de­rin­gend Leh­rer“(RP vom 20. Sep­tem­ber): Die Idee von Frau Ge­bau­er, der NRW-Schul­mi­nis­te­rin, hal­te ich für we­nig sinn­voll. Die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die an wei­ter­füh­ren­den Schu­len ar­bei­ten oder ar­bei­ten möch­ten, ha­ben sich ganz be­wusst für die­se Schul­form ent­schie­den. Die Grün­de sind si­cher­lich viel­fäl­tig: äl­te­re Schü­ler­schaft, bes­se­re Be­zah­lung. Die­se nun für zwei Jah­re in der Grund­schu­le ein­zu­set­zen, be­deu­tet, dass Lehr­kräf­te ge­gen ih­re Über­zeu­gung in ei­ner Schul­form ar­bei­ten sol­len, in der sie nicht ar­bei­ten möch­ten und al­le Grund­schul­kol­le­gi­en sie mü­he­voll ein­ar­bei­ten müs­sen. Man kann nicht ein­fach von Gym­na­si­um oder Ge­samt­schu­le auf Grund­schu­le um­schal­ten und das auch noch oh­ne die Per­spek­ti­ve, in Zu­kunft den Grund­schul­kin­dern er­hal­ten zu blei­ben. Die Grund­schu­len sind durch ei­nen ex­trem ho­hen Frau­en­an­teil und die da­mit ver­bun­de­nen El­tern­zei­ten, Teil­zei­ten, schlech­te­re Be­zah­lung, ge­rin­ge Auf­stiegs­chan­cen so­wie­so schon in ei­ner schwie­ri­gen Per­so­nal­si­tua­ti­on. We­nig ist so plan­bar wie Schul­po­li­tik. Sechs Jah­re im Vor­aus weiß man, wie vie­le Kin­der ein­ge­schult wer­den, da soll­te es doch mög­lich sein, für die Bil­dung der Kin­der ver­nünf­tig und recht­zei­tig zu sor­gen, da­mit uns Lehrer­man­gel und Leh­rer­schwäm­me er­spart blei­ben. Verena Kel­ler Lan­gen­feld Grup­pie­rung zu­zu­ord­nen, stim­me al­so mit Herrn Mi­chels sons­ti­gen Kom­men­ta­ren nur manch­mal über­ein. Hier ist ihm aber ein ab­so­lu­ter Voll­tref­fer ge­lun­gen. Wenn Horst See­ho­fer und An­ge­la Mer­kel zu­rück­tre­ten wür­den, kä­me das ei­ner po­si­ti­ven Er­fri­schung gleich, und der be­reits vom da­ma­li­gen Prä­si­den­ten Ro­man Her­zog an­ge­spro­che­ne Ruck wür­de tat­säch­lich Deutsch­land end­lich aus der „ver­krus­te­ten Lethar­gie“we­cken! Es tä­te so­wohl der CDU als auch der CSU gut, und Deutsch­land erst recht. Udo Rauch­städt Ra­tin­gen Zu „Wann es Zeit ist zu ge­hen“(RP vom 29. Sep­tem­ber): In Ih­rer Ko­lum­ne tref­fen Sie den Na­gel auf den Kopf! Ich den­ke, wenn im Ka­bi­nett Mer­kel mehr un­kon­ven­tio­nell den­ken­de Men­schen, mehr Non­kon­for­mis­ten, mehr Qu­er­den­ker, sä­ßen, sä­he die Sa­che an­ders aus. Ur­sel Zo­gal­la per Mail Zu „Nah­les hat dem Volk aus Maul ge­schaut“(RP vom 30. Sep­tem­ber): Dass ge­ra­de Sie Frau Nah­les zum pri­mi­ti­ven Aus­spruch den Arm rei­chen, hät­te ich nie ver­mu­tet. Re­spekt­vol­le und ge­wähl­te Spra­che „lang­wei­lig“zu nen­nen, ent­spricht zwar dem Trend zur Volks­nä­he und Pri­mi­ti­vi­tät, emp­fin­de ich aber als aus­ge­spro­chen „be­lei­di­gend“. Die an­ge­nehms­ten Leu­te – ob reich, ob arm, er­folg­reich oder auch nicht – sind doch die, die wis­sen, dass Re­spekt und „An­stand“Vor­aus­set­zun- gen zum gu­ten Um­gang mit­ein­an­der sind. Al­les an­de­re ge­hört ins Ka­ba­rett zur Klä­rung! O. Vel­ten per Mail Zu „Nah­les hat dem Volk aufs Maul ge­schaut“(RP vom 30. Sep­tem­ber): Ei­ne sol­che Wort­wahl ei­ner füh­ren­den po­li­ti­schen Per­son im Grund­satz rich­tig zu fin­den, ge­hört si­cher nicht als Stand­punkt in ei­ne se­riö­se Zei­tung. Die Wor­te der Gos­se als kurz­wei­lig zu be­zeich­nen und so­mit das meis­te Ih­rer Zei­tung als lang­wei­lig ab­zu­tun, wird auch nicht da­durch bes­ser, dass sie Mar­tin Lu­ther um Un­ter­stüt­zung be­mü­hen. Her­bert Rech per Mail Zu „Nah­les hat dem Volk aufs Maul ge­schaut“(RP vom 30. Sep­tem­ber): Es ist ab­so­lut un­sin­nig, dass die ra­bia­te Aus­drucks­wei­se der Frau Nah­les dem nor­ma­len Um­gangs­ton der Be­völ­ke­rung ent­spre­chen soll. Das ist ein­deu­tig Gos­sen-Jar­gon und wenn den heu­ti­gen Par­la­ments­de­bat­ten der hohe Un­ter­hal­tungs­und Auf­merk­sam­keits­wert frü­he­rer par­la­men­ta­ri­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen fehlt, dann ist die vul­gä­re Aus­drucks­wei­se kein Weg da­hin, wie das nun fälsch­lich pro­pa­giert wird. Frü­he­re Po­li­ti­ker wie Weh­ner, Bar­zel oder Hel­mut Schmidt konn­ten kraft­voll aus­tei­len und wa­ren sprach­lich ori­gi­nell, oh­ne ins Or­di­nä­re ab­zu­rut­schen! Und dass Lu­ther ei­ne raue Spra­che sprach, lag am da­mals üb­li­chen Um­gangs­ton und Lu­ther lieb­te auch die sprach­li- Zu „Nah­les hat dem Volk aufs Maul ge­schaut“(30. Sep­tem­ber): „Dem Volk aufs Maul schau­en . . .“zu­nächst möch­te ich sa­gen, dass ich ge­spannt war, wie lan­ge es dau­ert, bis die­ses Ar­gu­ment ins Feld ge­führt wird. Dass es ge­schah, ist ge­ra­de­zu un­ver­meid­lich. Es war nicht rich­tig, was Frau Nah­les ge­tan hat, die­ses Wie­der­ho­len ei­nes an­geb­li­chen Wit­zes, der schon hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren schlecht war. Aber Lu­ther war ein Mann des Wor­tes, der trotz sei­ner Grob­heit wuss­te, dass man mit Wor­ten auch Scha­den an­rich­tet – und dass dies zum fal­schen Zeit­punkt un­ter­sagt ist. Wenn man über­haupt Frau Nah­les mit Lu­ther in ei­nem Atem­zug nen­nen will, dann soll­te man doch eher an ih­re in­stink­ti­ve Furcht den­ken, auf gar kei­nen Fall als fein­geis­tig und in­tel­lek­tu­ell beim Pu­bli­kum zu wir­ken – so wie einst Lu­thers Zeit­ge­nos­se Eras­mus von Rot­ter­dam. Der ei­ne pol­tert laut und be­grün­det ei­ne his­to­ri­sche Epo­che, der an­de­re denkt epo­chal und wird aber nur Na­mens­stif­ter ei­nes aka­de­mi­schen Aus­tausch­pro­gramms. Kei­ne Sor­ge, es wird kei­ne Nah­les-Epo­che ge­ben. Ul­rich Koch Kre­feld

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