Fal­sche Prio­ri­tä­ten bei Ar­muts­be­kämp­fung

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS - VON JAN DREBES VON THO­MAS REISENER VON REIN­HARD KOWALEWSKY EU WILL APP­LES STEU­ER-PRI­VI­LEG KIP­PEN, SEI­TE B 1

Die Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung sind grund­sätz­lich gut, mit mehr Geld mehr Hil­fe für die so­zia­len Brenn­punk­te die­ser Re­pu­blik zu or­ga­ni­sie­ren. 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro, über vier Jah­re ver­teilt, sol­len nach Marxloh, Neu­kölln und an­ders­wo flie­ßen und dort en­ga­gier­te Bür­ger­meis­ter, Leh­rer, So­zi­al­ar­bei­ter und Eh­ren­amt­ler un­ter­stüt­zen. Für zahl­rei­che be­ste­hen­de Pro­jek­te sind manch­mal be­reits Sum­men jen­seits der 5000 Eu­ro viel Geld. In­so­fern ist die Hoff­nung der Bun­des­re­gie­rung nicht völ­lig ver­fehlt, mit 300 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr an der ei­nen oder an­de­ren Stel­le tat­säch­lich et­was be­we­gen zu kön­nen.

Um je­doch tat­säch­lich ver­hin­dern zu kön­nen, dass sich an­ge­sichts ver­mehr­ter Mi­gra­ti­on und der da­mit nö­ti­gen In­te­gra­ti­on neue Brenn­punk­te ent­wi­ckeln, wä­ren weit­aus mehr Mit­tel nö­tig. Wie­der ein­mal wird deut­lich, dass bei der Be­kämp­fung von Ar­mut und so­zia­ler Un­ge­rech­tig­keit fal­sche Prio­ri­tä­ten ge­setzt wer­den. Ei­ne fai­re Ent­loh­nung von Ar­beit, ziel­ge­rich­te­te Bil­dung von Kin­dern in Schu­len, ein Ab­bau so­zia­ler Schran­ken beim Aus­bil­dungs- und Be­rufs­ein­stieg und vie­le an­de­re Maß­nah­men wä­ren wir­kungs­voll. Nun ent­steht aber der Ein­druck, die neue Stra­te­gie sol­le sehr al­te Sym­pto­me lin­dern. BE­RICHT BUND GIBT 1,2 MIL­LI­AR­DEN . . ., TITELSEITE

So­li ist trotz­dem falsch

Nach et­li­chen Nie­der­la­gen geht die Lan­des­re­gie­rung in Müns­ter doch noch mal als Sie­ger vom Platz: Das Ver­fas­sungs­ge­richt hält den Kom­mu­nal-So­li für nicht an­greif­bar. Jetzt kann man trotz­dem auf die Lan­des­re­gie­rung schimp­fen, weil der Kom­mu­nal-So­li ei­ne ord­nungs­po­li­ti­sche Sün­de ist: Er be­straft Kom­mu­nen, die spa­ren, und be­lohnt sol­che, die schlecht haus­hal­ten. Des­halb setzt der So­li fal­sche An­rei­ze und ge­hört weg.

Aber jen­seits die­ser Bin­se müs­sen auch die So­liGeg­ner an­er­ken­nen: Rein hand­werk­lich ist dem zu­stän­di­gen NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) mit dem Kom­mu­nal-So­li ein be­mer­kens­wer­ter po­li­ti­scher Er­folg ge­lun­gen. Denn das Pro­blem der fi­nan­zi­ell über­for­der­ten Kom­mu­nen über­zieht die ge­sam­te Re­pu­blik. Aber NRW ist es als ers­tem Bun­des­land über­haupt ge­lun­gen, mit dem Kom­mu­nal-So­li ein neu­es In­stru­ment da­ge­gen zu ent­wi­ckeln und trotz mas­si­ver Wi­der­stän­de auch durch­zu­set­zen. Das war mehr als ein Im­mer­hin. Das war ge­schickt. Scha­de ist nur, dass Jä­ger sein po­li­ti­sches Ta­lent nicht für ver­nünf­ti­ge­re Zie­le ein­setzt. BE­RICHT RICH­TER BIL­LI­GEN KOM­MU­NAL-SO­LI, TITELSEITE

Kei­ne Furcht vor App­le

Gut, dass die EU-Kom­mis­si­on nun ge­gen die Steuertricks von App­le vor­geht. Bei al­ler Lie­be zum iPho­ne – es ist nicht ak­zep­ta­bel, wenn der am bes­ten ver­die­nen­de Kon­zern der Welt auf sein Eu­ro­pa­ge­schäft prak­tisch kei­ne Ge­winn­steu­ern zahlt. Es ist skan­da­lös, wenn Er­trä­ge mit Tricks in die Steu­er­oa­se Ir­land ver­la­gert wer­den, wäh­rend Ge­win­ne der Län­der­ge­sell­schaf­ten in Deutsch­land, Frank­reich oder Spa­ni­en durch über­höh­te in­ter­ne Ver­rech­nungs­prei­se her­un­ter­ma­ni­pu­liert wer­den.

Da­bei kann die Atta­cke ge­gen App­le nur Teil ei­ner Of­fen­si­ve für fai­re­re Steu­er­re­geln sein. Die EU soll­te durch­set­zen, dass bei glo­ba­len Kon­zer­nen Ge­win­ne an­nä­hernd an­hand ih­rer lo­ka­len Wert­schöp­fung ver­teilt und ver­steu­ert wer­den. Dies hät­te den Ef­fekt, dass On­li­ne-Gi­gan­ten wie Goog­le, Ama­zon oder Face­book Ein­nah­men nicht mehr ge­schickt von Han­dels­fir­men in Steu­er­oa­sen ver­steu­ern las­sen, ob­wohl das Geld in Wahr­heit aus den gro­ßen Staa­ten kommt.

Auch App­le müss­te dann hö­he­re Steu­ern zah­len – vor­ran­gig in Eu­ro­pa, aber auch in den USA, wo ja die In­no­va­tio­nen des Kon­zerns her­kom­men. BE­RICHT

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