Düs­sel­dorf streicht 60 Flücht­lin­gen Ta­schen­geld

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - NORDRHEIN-WESTFALEN -

ES­SEN/DÜS­SEL­DORF (rky) Dem Land NRW steht ei­ne Rei­he mas­si­ver Aus­ein­an­der­set­zun­gen we­gen der seit 6. Au­gust gel­ten­den Wohn­sitz­auf­la­ge für an­er­kann­te Flücht­lin­ge be­vor. Dies zeich­net sich ab, nach­dem zwei Flücht­lin­ge beim Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen be­reits da­ge­gen Kla­ge ein­ge­reicht ha­ben, dass sie aus ih­rem Wohn­ort Es­sen wie­der weg­zie­hen sol­len. Die Stadt Es­sen hat sie zu dem Weg­zug auf­ge­for­dert, weil die Asyl­an­trä­ge der zwei Flücht­lin­ge in ei­nem an­de­ren Bun­des­land ge­neh­migt wor­den wa­ren – al­so müs­sen sie laut bun­des­wei­ter Rechts­la­ge ei­gent­lich noch drei Jah­re dort blei­ben.

Auch Düs­sel­dorf setzt die Re­gel zu­neh­mend um. So wer­den nach dem 6. Au­gust aus an­de­ren Län­dern hin­zu­ge­zo­ge­ne, an­er­kann­te Flücht­lin­ge dar­auf hin­ge­wie­sen, sie müss­ten die Stadt ver­las­sen. Aus hu­ma­ni- tä­ren Grün­den wur­den die rund 60 Per­so­nen aber doch un­ter­ge­bracht und er­hal­ten Ver­pfle­gung – das Ta­schen­geld von in der Re­gel 143 Eu­ro hat ih­nen das Job­cen­ter aber ge­stri­chen. „Über die­sem Schritt ist Ober­bür­ger­meis­ter Gei­sel si­cher in­for­miert“, heißt es im Pres­se­amt.

Am ra­di­kals­ten scheint Gel­sen­kir­chen vor­zu­ge­hen: Das Job­cen­ter hat auch Flücht­lin­ge auf­ge­for­dert, die Stadt wie­der zu ver­las­sen, die zwi- schen dem ers­ten Ja­nu­ar und 6. Au­gust hin­zu­ge­zo­gen sind. Die­se rück­wir­ken­de An­wen­dung der Re­gel wird vom Ge­setz er­laubt. Nun sol­len 2000 Per­so­nen wie­der die Kof­fer pa­cken. Ei­ni­gen Flücht­lin­gen be­zahl­te das Job­cen­ter die Fahr­kar­ten für den neu­en Um­zug – aber die ka­men zu­rück, weil sie an ih­rem bis­he­ri­gen Wohn­ort kei­ne Auf­nah­me fan­den.

Die Or­ga­ni­sa­ti­on Pro Asyl kri­ti­siert die Zwangs­um­zü­ge scharf. „Das wi­der­spricht der Frei­zü­gig­keit im Grund­ge­setz“, er­gänzt Bir­git Nau­joks vom Flücht­lings­rat NRW. Be­son­ders die rück­wir­ken­de An­wen­dung des Ge­set­zes sei „völ­lig falsch für die doch ge­woll­te In­te­gra­ti­on“, so Nau­joks.

Nicht gut sieht das Land NRW bei dem The­ma aus. Es wird wohl erst En­de des Jah­res ei­ne Ver­ord­nung vor­le­gen, wie die bun­des­wei­ten Vor­ga­ben um­ge­setzt wer­den.

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