Sol­da­ten sol­len uni­for­miert Zug fah­ren

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - POLITIK - VON GRE­GOR MAYNTZ UND EVA QUAD­BECK FO­TO: IM­A­GO

Da­mit will die Uni­ons­frak­ti­on mehr Si­cher­heits­ge­fühl ver­brei­ten. Der Vor­stoß ge­hört zu ei­ner gan­zen Rei­he von Maß­nah­men.

BER­LIN Als Re­ak­ti­on auf den of­fen­bar is­la­mis­tisch mo­ti­vier­ten An­schlag auf Bahn­rei­sen­de na­he Würz­burg will die Uni­on Sol­da­ten mit­tels Frei­fahr­ten zwi­schen Hei­mat- und Dienst­ort da­zu mo­ti­vie­ren, häu­fi­ger in Uni­form mit dem Zug zu rei­sen. „Die Prä­senz von Sol­da­ten in Uni­form kann das Si­cher­heits­ge­fühl in Zü­gen stär­ken“, heißt es in ei­nem un­se­rer Re­dak­ti­on vor­lie­gen­den Be­schluss­pa­pier für die Klau­sur­ta­gung des Uni­ons­frak­ti­ons­vor­stan­des an die­sem Don­ners­tag.

Si­cher­heits­ex­per­ten der Frak­ti­on ver­wie­sen er­gän­zend dar­auf, dass die Sol­da­ten auf der Grund­la­ge des Rechts der all­ge­mei­nen Not­hil­fe und des all­ge­mei­nen Fest­nah­me­rech­tes „im Not­fall kon­kret hel­fen“könn­ten. Die Po­li­ti­ker be­zo­gen sich da­bei auf Pa­ra­graf 127 der Straf­pro­zess­ord­nung, wo­nach auf fri­scher Tat je­der­mann zu ei­ner Fest­nah­me be­rech­tigt ist.

Der Vor­stoß ge­hört zu ei­ner gan­zen Rei­he von Maß­nah­men zur in­ne­ren und äu­ße­ren Si­cher­heit Deutsch­lands. Nach­dem ei­ne For­sa-Um­fra­ge 65 Pro­zent Zu­stim­mung zu ei­nem Ein­satz der Bun­des­wehr in­ner­halb Deutsch­lands er­gab, um Ter­ror­an­schlä­ge zu ver­hin­dern und Ord­nung wie­der­her­zu­stel­len, greift auch die Uni­ons­frak­ti­on die­sen in­ner­halb der Ko­ali­ti­on um­strit­te­nen Aspekt er­neut auf. „Wir set­zen uns für die Aus­ar­bei­tung ei­nes de­tail­lier­ten Ein­satz­kon­zep­tes ein, das für Klar­heit bei der Zu­sam­men­ar­beit und den Zu­stän­dig­kei­ten sorgt, so­dass wir im Ernst­fall nicht auf Im­pro­vi­sa­ti­on an­ge­wie­sen sind“, heißt die Be­schluss­emp­feh­lung. „Wir be­für­wor­ten ei­ne klar­stel­len­de Re­ge­lung im Grund­ge­setz zum Ein­satz der Bun­des­wehr im In­nern“, lau­tet die er­neu­te An­kün­di­gung der Uni­on. Hier hat­te sie in den Ver­hand­lun­gen über das Weiß­buch zur Si­cher­heits­po­li­tik mit der SPD kei­ne Ei­ni­gung er­zie­len kön­nen.

Die Uni­on setzt sich zu­dem in ei­nem Zwölf-Punk­te-Pro­gramm für ei­nen „wirk­sa­men Schutz der Bin­nen­gren­ze“ein. Wer sich nicht aus­wei­sen kön­ne und auch nicht zur Iden­ti­täts­klä­rung bei­tra­ge soll künf­tig „be­son­de­ren Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen“zu­ge­führt wer­den, heißt es un­ter der Über­schrift „Mit Ent­schlos­sen­heit und Här­te ge­gen den is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus“. Die Si- cher­heits­po­li­ti­ker wol­len zu­dem ei­ne „kla­re Rechts­grund­la­ge, um er­ken­nungs­dienst­li­che Maß­nah­men zwangs­wei­se durch­zu­set­zen“. Da­zu soll­ten auch Mo­bil­te­le­fo­ne leich­ter aus­ge­le­sen wer­den kön­nen. Zu­dem will die Uni­on die Schlei­er­fahn­dung künf­tig nicht nur in Grenz­re­gio­nen, son­dern auch auf Ver­kehrs­we­gen von in­ter­na­tio­na­ler Be­deu­tung und im Um­feld von Bahn­hö­fen und Flug­hä­fen ver­stär­ken.

„Mas­siv er­hö­hen“will die Uni­on den Druck auf is­la­mis­ti­sche Ex­tre­mis­ten. „Ins­be­son­de­re nach Ter­ror­an­schlä­gen im Aus­land, bei ge­wich­ti­gen Ter­ror­hin­wei­sen oder aku­ten Ter­ror­la­gen in Deutsch­land wer­den wir sie in­ten­siv über­wa­chen und ih­re Be­we­gungs­frei­heit ein­schrän­ken“, heißt es in dem Pa­pier. Da­für soll­ten In­stru­men­te wie Mel­de­auf­la­gen, Nä­he­rungs­ver­bo­te, elek­tro­ni­sche Fuß­fes­seln oder auch Droh­nen ge­nutzt wer­den und wo nö­tig auch für po­li­zei­li­che Ein­sät­ze die recht­li­chen Grund­la­gen ge­schaf­fen wer­den.

Im deutsch-tür­ki­schen Streit um Be­suchs­mög­lich­kei­ten auf der tür­ki­schen Luft­waf­fen­ba­sis In­cir­lik dis­tan­ziert sich die Uni­on von Dro­hun­gen mit ei­nem Ab­zug der Bun­des­wehr, wie sie jüngst auch Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er an­deu­te­te. Die Frak­ti­on ver­weist auf Ar­ti­kel 3 des Na­to-Ver­tra­ges, wo­nach sich die Part­ner zu wech­sels­ei- ti­ger Un­ter­stüt­zung ver­pflich­tet hät­ten. „Da­mit un­ver­ein­bar ist die Hal­tung der tür­ki­schen Re­gie­rung, Mit­glie­dern des Deut­schen Bun­des­ta­ges den Zu­gang zu deut­schen Sol­da­ten zu ver­wei­gern“, heißt es in dem Pa­pier. Der Zu­gang sei für Ab­ge­ord­ne­te wie Jour­na­lis­ten „un­ver­zicht­bar“. Es sei aber „über­zo­gen“mit dem Ab­zug oder der Ver­le­gung der Sol­da­ten zu dro­hen.

Auch der Vor­sit­zen­de des Aus­wär­ti­gen Aus­schus­ses des Bun­des­ta­ges, Nor­bert Rött­gen (CDU) warn­te da­vor, den Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­liz IS zu be­schä­di­gen. Es ma­che „kei­nen Sinn, ei­nen tür­ki­schen Feh­ler mit ei­nem deut­schen Feh­ler zu be­ant­wor­ten“, sag­te Rött­gen un­se- rer Re­dak­ti­on. Der Ein­satz deut­scher Auf­klä­rungs­tor­na­dos sei Teil des Kamp­fes von über 60 Staa­ten ge­gen den IS und dar­um rich­tig und wich­tig. „Das fal­sche Ver­hal­ten der tür­ki­schen Re­gie­rung darf nicht durch un­ser Ver­hal­ten zu noch mehr Scha­den füh­ren“, so Rött­gen.

Auch Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir warn­te da­vor, die IS-Be­kämp­fung mit der Dis­kus­si­on um die Ar­me­ni­en­re­so­lu­ti­on zu ver­mi­schen, wie es An­ka­ra ge­tan hat­te, um das Be­suchs­ver­bot zu be­grün­den. Al­ler­dings kommt er zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Er hof­fe auf ein Ein­len­ken An­ka­ras und droh­te: „An­dern­falls müs­sen wir un­se­re Sol­da­ten in letz­ter Kon­se­quenz lei­der ab­zie­hen.“

Bun­des­wehr­sol­da­ten, wie die­se am Haupt­bahn­hof Er­furt, sol­len mit Frei­fahr­ten mo­ti­viert wer­den, in Uni­form zu rei­sen.

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