Hoff­nung für im Heim ge­trenn­tes Paar

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - POLITIK - VON SA­BI­NE KRICKE

Nach 62 Ehe­jah­ren muss ein Paar in Ka­na­da in ver­schie­de­ne Al­ters­hei­me. Ein Fo­to der bei­den ging um die Welt. Jetzt scheint ein Hap­py End mög­lich.

VAN­COU­VER „Das ist das trau­rigs­te Fo­to, das ich je­mals ge­macht ha­be“, schreibt Ash­ley B. auf ih­rer Face­book-Sei­te. Dar­un­ter ver­öf­fent­lich­te die jun­ge Frau aus Ka­na­da das Bild ei­nes al­ten Ehe­paars. Der Mann sitzt in ei­nem Roll­stuhl, die Frau auf ei­ner Bank. Vor ihr steht ein Rol­la­tor. Bei­de wi­schen sich mit ei­nem Ta­schen­tuch Trä­nen aus dem Ge­sicht. Fast 5000 Mal wur­de das Bild welt­weit ge­teilt.

Bei dem Ehe­paar han­delt es sich um die Groß­el­tern von Ash­ley, Ani­ta und Wolf G. Laut der En­ke­lin soll das Ehe­paar aus Es­sen und Ehrang kom­men und lan­ge in Düs­sel­dorf ge­wohnt ha­ben, aber seit über 50 Jah­ren in Ka­na­da le­ben. Sie schreibt, dass ihr Groß­va­ter in ei­nem Heim für Men­schen un­ter­ge­bracht ist, die auf ei­nen Platz in ei­ner Al­ters­re­si­denz war­ten. Sei­ne Frau muss­te in ein an­de­res Heim zie­hen. Mit der Ver­öf­fent­li­chung des Bil­des woll­te die En­ke­lin auf das Schick­sal ih­rer Groß­el­tern auf­merk­sam ma­chen.

„Nach 62 Jah­ren Ehe sind bei­de seit acht Mo­na­ten ge­trennt von­ein­an­der“, er­klärt die En­ke­lin. Die Schuld dar­an gibt sie dem Ge­sund­heits­sys­tem. Auch von der Ver­si­che­rung ha­be die Fa­mi­lie bis­lang kei­ne Hil­fe er­hal­ten. Ash­ley B.: „Sie wei­nen je­des Mal, wenn sie sich se­hen. Das zer­reißt mir das Herz.“

Nicht nur die Tat­sa­che, dass die Groß­el­tern von Ash­ley B. seit 62 Jah­ren nie ge­trennt von­ein­an­der wa­ren, macht die Ge­schich­te so tra­gisch. Der 83-jäh­ri­ge Wolf G. lei­det an De­menz und Krebs. Die Fa­mi­lie fährt nun je­den zwei­ten Tag in das rund 30 Mi­nu­ten ent­fern­te Über­gangs­heim des Groß­va­ters. „Wir ha­ben Angst, dass sei­ne Er­in­ne­rung an Omi ver­blasst, wenn sie sich län­ger nicht se­hen“, schreibt Ash­ley.

Doch nun kommt Be­we­gung in die Sa­che. „Wir ha­ben uns am Mon­tag mit Fra­ser He­alth (ei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung, Anm. der Re­dak­ti­on) ge­trof­fen, und man hat uns meh­re­re Op­tio­nen vor­ge­stellt, wie un­se­re Groß­el­tern schnellst­mög­lich wie­der ver­eint wer­den“, schrieb Ash­ley B. un­se­rer Re­dak­ti­on auf Fa- ce­book. Man ha­be ent­schie­den, dass Wolf G. in das Se­nio­ren­heim „Ro­se­ma­ry Heights“ver­legt wer­de. Da­mit woh­ne er zwar im­mer noch nicht in der glei­chen Un­ter­kunft wie sei­ne Ehe­frau, je­doch sei ihr Al­ten­heim nur we­ni­ge Blocks von sei­nem Do­mi­zil ent­fernt.

Bei dem neu­en Al­ten­heim han­de­le es sich um ei­ne kom­ple­xe­re Pfle­ge­ein­rich­tung als das Über­gangs­heim, in dem er vor­her acht Mo­na­te ge­lebt hat. „So wird Opa gut ver­sorgt, wäh­rend er auf ei­nen Platz bei mei­ner Oma war­tet“, sagt die En­ke­lin. „Wir ha­ben da­mit ei­nen Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung ge­macht“, ist sich die jun­ge Frau si­cher. Wolf G. sei au­ßer­dem auf Platz 1 der War­te­lis­te, um in das glei­che Al­ten­heim ver­legt zu wer­den wie sei­ne Frau.

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