NRW will „her­ren­lo­se“Kon­ten auf­spü­ren

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

Ban­ken sol­len Kon­ten, de­ren Be­sit­zer sich lan­ge nicht mel­de­ten, zen­tral mel­den. Das kann dem Land Geld brin­gen.

DÜS­SEL­DORF Lan­des­fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD) will die Geld­häu­ser Deutsch­lands zwin­gen, die Kon­to­da­ten von De­pots of­fen­zu­le­gen, die seit vie­len Jah­ren nicht mehr be­wegt wur­den. Da­mit soll es nicht län­ger Zehn­tau­sen­de Kon­ten ge­ben, die trotz des To­des ih­rer Be­sit­zer noch „her­ren­los“bei den Ban­ken lie­gen. Als Op­ti­on zu ei­ner bun­des­wei­ten Re­form könn­te es auch ei­nen au­to­ma­ti­schen Ab­gleich zwi­schen ei­nem zen­tra­len Ster­be­re­gis­ter und ei­nem zen­tra­len Kon­to­ver­zeich­nis ge­ben.

Nach Schät­zung des Lan­des wür­den so bun­des­weit rund zwei Mil­li­ar­den Eu­ro auf­ge­spürt, die den Ban­ken der­zeit als qua­si si­che­re Rück­la- gen zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Geld­häu­ser hal­ten we­nig von dem Vor­schlag. Da­ge­gen un­ter­stützt der Ver­band Deut­scher Er­be­nermitt­ler (VDEE) die Idee. Es gä­be in vie­len Län­dern Eu­ro­pas be­reits ein Mel­de­sys­tem für sol­che Kon­ten, er­klär­te der VDEE-Spre­cher. Im Mo­ment sei es Er­ber­mitt­lern oder Nach­lass­pfle­gern nicht mög­lich, si­che­re In­for­ma­tio­nen über den Um­fang von Ver­mö­gen bei Ban­ken zu er­hal­ten.

Der Ban­ken­ver­band sieht es an­ders: Er­ben ei­ner Per­son könn­ten sich je­der­zeit an den Ban­ken­ver­band als Zu­sam­men­schluss der Pri­vat­ban­ken, den Spar­kas­sen und Gi­ro­ver­band so­wie an den Bun­des­ver­band der Volks- und Raiff­ei­sen­ban­ken wen­den. Sie wür­den über die­se drei­fa­che An­fra­ge er­fah­ren, ob der Ver­stor­be­ne bei ei­nem der vie­len hun­dert Geld­in­sti­tu­te ein Kon­to hat­te. „Die Vor­la­ge des Erb­schei­nes ist not­wen­dig“er­klärt Spre­cher Lars Ho­fer. „Dann er­hal­ten die Er­ben die In­for­ma­tio­nen.“

Dem Land NRW geht es aber nicht um Trans­pa­renz be­züg­lich ty­pi­scher Erb­fäl­le. Her­ren­lo­ses Ver­mö­gen gel­te es auf­zu­spü­ren, um den Gläu­bi­gern von To­ten bes­ser zu ih­rem Recht zu ver­hel­fen. So ar­gu­men­tiert Wal­ter-Bor­jans in ei­ner Vor­la­ge für den Land­tag. Denn es kommt oft vor, dass Erb­schaf­ten we­gen Über­schul­dung aus­ge­schla­gen wer­den – aber nicht al­le Bank­kon­ten wer­den dann auch zur Be­glei­chung au­to­ma­tisch ge­fun­den.

Gleich­zei­tig wür­de das Land sel­ber von ei­nem zen­tra­len Re­gis­ter pro­fi­tie­ren: Bei Men­schen, bei de­nen es kei­nen Er­ben gibt, fällt das Ei­gen­tum dem Bun­des­land zu, in dem der Ver­stor­be­ne sei­nen letz­ten Wohn­sitz hat­te. 2012 ka­men so 6,6 Mil­lio­nen Eu­ro aus 977 „Fis­ka­lerb­schaf­ten“zu­sam­men – die Ten­denz ist stark stei­gend, weil im­mer mehr Bür­ger kei­ne Kin­der ha­ben.

Die po­li­ti­sche Be­wer­tung des Vor­gan­ges ist für Wal­ter-Bor­jans klar: „Es kann nicht sein, dass die Ban­ken Geld bun­kern, das ih­nen nicht zu­steht.“Der Ban­ken­ver­band meint, je­des Kre­dit­in­sti­tut wür­de Nach­for­schun­gen an­stel­len, wenn Post ei­nes In­ha­bers nicht zu­ge­stellt wer­den kann. Das Ver­mö­gen für die Er­ben wür­de im­mer „er­hal­ten“.

Der Bun­des­fi­nanz­hof be­wer­te­te den Vor­gang ein­deu­tig, be­rich­tet der Ban­ken­ver­band: Wenn ein Kon­to 30 Jah­re prak­tisch nicht be­wegt wird und der In­ha­ber nicht zu fin­den ist, muss die Bank das Geld als Ge­winn ver­steu­ern.

FO­TO: DPA

NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­terBor­jans.

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