Hartz-IV-Be­zie­her be­kom­men 2017 mehr Geld

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - WIRTSCHAFT - VON EVA QUAD­BECK

BER­LIN Lang­zeit­ar­beits­lo­se und ih­re Kin­der sol­len im kom­men­den Jahr bes­ser ge­stellt wer­den. Die Bun­des­re­gie­rung will ins­be­son­de­re für Kin­der zwi­schen sechs und 13 Jah­ren die Re­gel­sät­ze er­hö­hen. Sie sol­len künf­tig 21 Eu­ro mehr im Mo­nat er­hal­ten und kä­men dann auf 291 Eu­ro mo­nat­lich, wie es ges­tern aus Re­gie­rungs­krei­sen hieß.

Ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) hat ei­nen ent­spre­chen­den Ge­setz­ent­wurf nun in die Res­sort- ab­stim­mung ge­ge­ben. Ge­plant ist, dass die neu­en Re­gel­sät­ze ab Ja­nu­ar 2017 gel­ten. Mehr­kos­ten: 589 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr.

Die Bun­des­re­gie­rung muss die Be­zü­ge für Hartz-IV-Emp­fän­ger al­le fünf Jah­re über­prü­fen. Grund­la­ge da­für ist ei­ne Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes. Für die Er­mitt­lung der Be­dar­fe stüt­zen sich die Sta­tis­ti­ker auf das Kon­sum­ver­hal­ten von 15 bis 20 Pro­zent der Haus­hal­te mit un­te­rem Ein­kom­men. Die Hartz-IV-Haus­hal­te wer­den nicht ein­ge­rech­net, um „Zir­kel­schlüs­se nach un­ten“zu ver­mei­den, wie es aus dem Ar­beits­mi­nis­te­ri­um hieß.

Wenn die Be­rech­nun­gen des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums in Re­gie­rung und Par­la­ment Zu­stim­mung fin­den, dann er­hal­ten Singles ei­ne Re­gel­satz­er­hö­hung um fünf Eu­ro auf dann 409 Eu­ro mo­nat­lich. Eben­falls fünf Eu­ro mehr und da­mit 311 Eu­ro wür­den die Be­hör­den für Ju­gend­li­che im Al­ter von 13 bis 18 Jah­re zah­len. Paa­re be­kä­men pro Part­ner 368 Eu­ro statt bis­her 364 Eu­ro. Für jun­ge Er­wach­se­ne, die noch bei ih­ren El- tern woh­nen, wür­den drei Eu­ro mehr und da­mit 327 Eu­ro über­wie­sen. Kei­ne Stei­ge­rung be­kä­men El­tern für ihr klei­nen Kin­der - für die Null- bis Sechs­jäh­ri­gen soll der Re­gel­satz bei 237 Eu­ro pro Mo­nat kon­stant blei­ben.

Die ge­plan­ten Stei­ge­run­gen wur­den von So­zi­al­ver­bän­den und Link­s­par­tei scharf als zu nied­rig kri­ti­siert. Die Sät­ze sei­en „in kei­ner Wei­se be­darfs­de­ckend“, er­klär­te der Pa­ri­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band. Lin­ken-Che­fin Kat­ja Kip­ping warf Ar­beits­mi­nis­tern Nah­les vor, sie rech­ne das Exis­tenz­mi­ni­mum mit al­len Tricks klein.

An­ders sieht dies der Vor­sit­zen­de der CDU/CSU-Ar­beit­neh­mer­grup­pe im Bun­des­tag, Pe­ter Weiß (CDU). „Die Neu­be­rech­nun­gen sind si­cher­lich sta­tis­tisch kor­rekt aus­ge­rech­net. Sach­lich sind sie zu recht­fer­ti­gen“, sag­te Weiß un­se­rer Re­dak­ti­on. Ein Pro­blem aber sei der vom Ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­ge­be­ne Stei­ge­rungs­me­cha­nis­mus. Er füh­re re­gel­mä­ßig zu po­li­ti­schem Un­frie­den, weil vie­le Bür­ger die­sen nicht nach­voll­zie­hen könn­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.