ANA­LY­SE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

Ei­ne Mut­ter darf nicht in das Face­book-Kon­to ih­rer ver­stor­be­nen Toch­ter schau­en, weil sich das so­zia­le Netz­werk plötz­lich auf Da­ten­schutz be­ruft. Ein Ge­richts­ur­teil aus Berlin stellt die Fra­ge nach dem di­gi­ta­len Er­be ganz neu.

ge­hän­digt. Dass Face­book jetzt plötz­lich den Da­ten­schutz für sich ent­deckt, passt in­des zu der Bi­got­te­rie des Un­ter­neh­mens, des­sen Grün­der Mark Zu­cker­berg die um­lie­gen­den Grund­stü­cke ne­ben dem ei­ge­nen Haus ge­kauft ha­ben soll, um sei­ne Ru­he zu ha­ben. Face­book dreht und wen­det das deut­sche Recht mehr und mehr, wie es ihm ge­fällt. Und ein wich­ti­ges deut­sches Ge­richt gibt dem Un­ter­neh­men recht.

In der De­bat­te um Hass­bot­schaf­ten und Fal­sch­mel­dun­gen im Netz et­wa hat­te Face­book in ei­ner Stel­lung­nah­me har­sche Kri­tik am Ge­setz­ent­wurf von Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) ge­übt. Der Rechts­staat dür­fe die ei­ge­nen Ver­säum­nis­se und die Ver­ant­wor­tung nicht auf pri­va­te Un­ter­neh­men ab­wäl­zen, hieß es. Die fin­di­gen Ju­ris­ten ar­gu­men­tier­ten so­gar, dass der Bund für das Ge­setz gar nicht zu­stän­dig sei, son­dern die Län­der. Die Er­fah­run­gen zei­gen aber, dass Face­book sich nur auf­grund von po­li­ti­schem oder ju­ris­ti­schem Druck be­wegt. Je­der Fort­schritt muss müh­sam er­kämpft wer­den. So muss­te bei­spiels­wei­se der Ös­ter­rei­cher Max Schrems vor ei­ni­gen Jah­ren als Stu­dent ge­gen Face­book kla­gen, um sei­ne per­sön­li­chen Da­ten ein­se­hen zu kön­nen. Er setz­te sich durch. Die per­sön­li­chen Da­ten der Nut­zer sind Face­book hei­lig, sie sind das Ka­pi­tal. Um sie zu schüt­zen, be­ruft sich das Un­ter­neh­men zur Not auch auf den deut­schen Da­ten­schutz, den es sonst gern mit Fü­ßen tritt.

Ste­pha­nie Her­zog, Rechts­an­wäl­tin aus Wür­se­len, die sich auf Er­brecht spe­zia­li­siert hat, fin­det die Ber­li­ner Ent­schei­dung „furcht­bar“. Sie sagt: „Das Ur­teil ist sehr be­denk­lich und in­halt­lich falsch.“Es fal­le hin­ter die vor­he­ri­ge Ent­schei­dung zu­rück. Das Land­ge­richt hat­te sich in ers­ter In­stanz noch für die Mut­ter ent­schie­den. Die Face­boo­kNach­rich­ten sei­en wie Brie­fe, die laut Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt selbst­ver­ständ­lich zum Nach­lass ge­hö­ren. „Ich hof­fe, dass die El­tern den Bun­des­ge­richts­hof an­ru­fen“, sagt Ste­pha­nie Her­zog. Es wä­re der Mut­ter der 15-Jäh­ri­gen aus Berlin zu wün­schen, dass sie dann end­gül­tig die Ge­wiss­heit be­kommt, die sie sich er­hofft.

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