Frei­spruch: Atta­cke auf die ei­ge­ne Oma war nicht zu be­wei­sen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON IN­GRID KRÜ­GER

Ge­las­sen nahm der dun­kel­haa­ri­ge Mönchengladbacher ges­tern auf der An­kla­ge­bank Platz. Da­bei ent­hielt die An­kla­ge, die an­schlie­ßend von der Staats­an­wäl­tin ver­le­sen wur­de, ei­nen be­son­ders häss­li­chen Vor­wurf. Der Ar­beits­lo­se, der seit Jah­ren von Hartz IV lebt, soll am 23. De­zem­ber 2016, al­so ei­nen Tag vor Weih­nach­ten, sei­ner 83-jäh­ri­gen Oma in de­ren Woh­nung auf­ge­lau­ert, sie at­ta­ckiert, zu Bo­den ge­bracht und drin­gend Geld von ihr ge­for­dert ha­ben. Doch die Groß­mut­ter gab ihm kein Geld. An­schlie­ßend soll der En­kel der Oma die Woh­nungs­schlüs­sel ab­ge­nom­men und die 83-Jäh­ri­ge ein­ge­schlos­sen ha­ben. Doch die Frau hat­te of­fen­bar ei­nen Zweit­schlüs­sel, weil sie spä­ter dem Va­ter des An­ge­klag­ten die Woh­nungs­tür öff­ne­te. Sie hat­te den 60-Jäh­ri­gen per Te­le­fon „von ei­ner schlim­men Ge­schich­te mit dem En­kel“be­rich­tet. Der 60-Jäh­ri­ge hat­te dann die Po­li­zei ver­stän­digt.

Doch der An­ge­klag­te, der im­mer­hin zehn Ein­tra­gun­gen in sei­nem Vor­stra­fen­re­gis­ter hat­te, war sich kei­ner Schuld be­wusst. Da­mals ha­be er ein gu­tes Ver­hält­nis zur Groß­mut­ter ge­habt. Er sei bei ihr auf­ge­wach­sen. Er ha­be sie nur an die Schul­ter ge­fasst. „Die Oma hat mir ei­nen Schlag ver­setzt“, ver­tei­dig­te sich der An­ge­klag­te sicht­lich em­pört. An dem De­zem­ber­tag sei er doch ex­tra in die Woh­nung ei­ne Eta­ge tie­fer ge­gan­gen, weil der Mie­ter so laut ge­schrien ha­be. „War­um schreist du denn so?“, ha­be er den Mie­ter ge­fragt.

Der 60-jäh­ri­ge Sohn er­in­ner­te sich in sei­ner Zeu­gen­aus­sa­ge, dass ihm die Groß­mut­ter von ei­ner Atta­cke er­zählt ha­be. Aber de­tail­liert konn­te sich der Mann nicht mehr er­in­nern.

Dann be­trat die Haupt­per­son des fa­mi­liä­ren Dra­mas, die 83-Jäh­ri­ge, den Ge­richts­saal. Doch die Auf­klä­rung der häss­li­chen Ge­schich­te lie­fer­te die Rent­ne­rin nicht. „Ich will gar nichts sa­gen. Ich will mei­ne Ru­he ha­ben.“Da­bei brach die al­te Da­me fas­sungs­los und im­mer wie­der in Trä­nen aus.

So en­de­te der Pro­zess vor dem Mönchengladbacher Amts­ge­richt für den An­ge­klag­ten ges­tern mit ei­nem Frei­spruch auf Staats­kos­ten. Die Auf­zeich­nun­gen bei der Po­li­zei reich­ten als Be­weis nicht aus. Es fehl­te die Aus­sa­ge der Oma.

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