Hei­meroths flie­ßen­der Über­gang bei Bo­rus­sia

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - SPORT LOKAL - VON JAN­NIK SORGATZ

Der Tor­wart geht in sei­ne zwölf­te Sai­son in Glad­bach und soll in die Rol­le des Ver­mitt­lers zwi­schen Mann­schaft und Klub schlüp­fen.

Wenn ein Blu­men­strauß fehlt, hat das mit­un­ter den glei­chen Nach­rich­ten­wert wie ei­ne Pres­se­mit­tei­lung. Am letz­ten Spiel­tag ge­gen den SV Darm­stadt wur­den Mo Dahoud und Andre­as Chris­ten­sen im Bo­rus­sia-Park of­fi­zi­ell ver­ab­schie­det. Chris­to­fer Hei­meroth hin­ge­gen po­sier­te nicht mit der Ver­eins­füh­rung für die Fo­to­gra­fen, ob­wohl sein Ver­trag En­de Ju­ni aus­ge­lau­fen wä­re. Ges­tern kam dann die Be­stä­ti­gung des­sen, was längst ein of­fe­nes Ge­heim­nis ge­we­sen war: Hei­meroth hängt noch ein Jahr dran, Bo­rus­sia hat den Ver­trag des Er­satz­tor­warts bis 2018 ver­län­gert. Er geht in sei­ne zwölf­te Sai­son in Glad­bach.

An­fang des Jah­res hat­te es noch ge­hei­ßen, dass Hei­meroth im Som­mer sei­ne Kar­rie­re be­en­den und ei­nen Job als Tor­wart­trai­ner im Ju­gend­be­reich über­neh­men wer­de. Doch Bo­rus­sia und ihr dienst­äl­tes­ter Pro­fi ha­ben um­ge­plant. „Zu­nächst wird er noch un­se­rem Tor­hü­ter­team um Yann Som­mer, To­bi­as Sip­pel und Mo­ritz Ni­co­las an­ge­hö­ren. Auf ab­seh­ba­re Zeit wol­len wir mit ihm aber ei­ne Po­si­ti­on im Te­am­ma­nage­ment neu be­set­zen, weil Steffen Ko­rell mit sei­nen Auf­ga­ben als Chef­scout und bei der Ka­der­pla­nung mehr als aus­ge­las­tet ist“, sag­te Sport­di­rek­tor Max Eberl.

Dass Hei­meroth so ei­ne Stel­le zu­sa­gen könn­te, hat er vor an­dert­halb Jah­ren im In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on an­ge­deu­tet. „Ich fän­de es auch in­ter­es­sant, in die ad­mi­nis­tra­ti­ve Ebe­ne zu ge­hen. Spon­so­ring, Mar­ke­ting, so et­was“, sag­te er. Hin­ter „so et­was“ste­cken in Zu­kunft Auf­ga­ben wie die Aus­wahl von Te­am­ho­tels oder Trai­nings­la­gerStand­or­ten. Als der Ver­ein vor Jah­ren bei­spiels­wei­se in die USA flie- gen woll­te und kurz­fris­tig ab­sag­te, be­ruh­te die Ent­schei­dung auf Ko­rells Ein­drü­cken vor Ort. In die Rol­le des Ver­mitt­lers zwi­schen Mann­schaft, Ma­nage­ment und Mar­ke­ting soll Hei­meroth ab Be­ginn des kom­men­den Jah­res lang­sam schlüp­fen.

Schon seit ge­rau­mer Zeit pflegt der 35-Jäh­ri­ge nur noch ei­ne Trai­nings- und Test­spiel-Kar­rie­re. Sein letz­tes Pflicht­spiel mach­te er am 6. De­zem­ber 2012. Das 3:0 bei Fe­ner­bah­ce Istan­bul war ein wür­di­ger Schluss­punkt, der da­mals so nicht zu be­nen­nen war. Und wer weiß, vi­el­leicht hat Bo­rus­sia ih­re sport­li­chen Be­lan­ge am 34. Spiel­tag der kom­men­den Sai­son schon ge­klärt, so dass Hei­meroth noch ei­nen Ab­schieds­ein­satz be­kommt.

79-mal ist er für Bo­rus­sia auf­ge­lau­fen, war in der Auf­stiegs­sai­son 2007/08 Stamm­tor­wart, zu Be­ginn der Sai­son 2008/09 und noch ein­mal 2010/11, als Micha­el Front­zeck ihn für Lo­gan Bail­ly ins Tor stell­te. Dann über­nahm Lu­ci­en Fav­re, und Hei­meroth durf­te ne­ben dem Spiel in Istan­bul nur ein paar Mi­nu­ten beim 0:5 in Dortmund ran, weil sich Marc-An­dré ter Ste­gen ver­letzt hat­te. Da Bo­rus­si­as Tor­hü­ter schein­bar als ein­zi­ge nicht vom Ver­let­zungs­pech ver­folgt wer­den, blieb Hei­meroth in der ab­ge­lau­fe­nen Sai­son le­dig­lich ein­mal ein Platz auf der Bank, im DFB-Po­kal­spiel in Droch­ter­sen. Drei­mal half er bei der U 23 aus. „Nicht zu spie­len und trotz­dem im­mer mo­ti­viert zu sein und auch in­ner­halb der Mann­schaft et­was zu sa­gen zu ha­ben, das muss sich ent­wi­ckeln. Denn nor­ma­ler­wei­se hat ja ei­ner, der im­mer spielt, mehr zu sa­gen als ei­ner, der hin­ten dran ist“, sag­te Hei­meroth, des­sen Platz im Mann­schafts­rat sei­ne Be­deu­tung als Per­sön­lich­keit un­ter­streicht.

Die Per­so­na­lie Hei­meroth ist ei­ne von meh­re­ren Um­struk­tu­rie­run­gen, die ge­plant sind. Ma­na­ger Eberl hat­te bei „Ra­dio 90,1“be­reits an­ge­deu­tet, den me­di­zi­ni­schen Be­reich er­wei­tern zu wol­len. „Es gibt für uns schon Fra­gen, die of­fen sind. Das heißt nicht, dass wir ei­ne schlech­te Qua­li­tät ha­ben. Aber es gibt ge­wis­se Ab­läu­fe, die wir ver­bes­sern müs­sen. Wir sind die­ses Jahr im Grun­de den gan­zen Ver­let­zun­gen hin­ter­her ge­lau­fen und konn­ten ei­gent­lich we­nig vor­be­rei­ten“, sag­te er. Auch ein spe­zi­el­ler Trai­ner soll kom­men. „Ta­len­te wie Bé­nes, Dou­cou­ré, Nden­ge, Si­maka­la müs­sen se­pa­rat ge­führt wer­den. Und da über­le­gen wir, ob wir ei­nen Trai­ner hin­zu­neh­men, der sich spe­zi­ell um die jun­gen Ta­len­te küm­mert“, sag­te Eberl. Im­mer­hin hat Bo­rus­sia in­zwi­schen Pro­fis un­ter Ver­trag, die in der Grund­schu­le wa­ren, als Hei­meroth 2006 vom FC Schal­ke kam.

Hei­meroth im Zei­t­raf­fer: Hier 2006 in sei­nen ers­ten Bo­rus­sia-Ta­gen . . .

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