Stil­ler Pro­test mit Ku­schel­tie­ren

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON GA­BI PE­TERS

Der nied­li­che Zoo am Stock­holt­weg hat ei­nen erns­ten Hin­ter­grund. Feu­er­wehr­leu­te im 24-St­un­den-Di­enst müs­sen dort in Con­tai­nern ru­hen, die im Som­mer un­er­träg­lich heiß, im Win­ter ei­sig sind. Da­bei ist ein Neu­bau seit sechs Jah­ren zu­ge­sagt.

Mit Schla­fen ist das so ei­ne Sa­che bei Feu­er­wehr­leu­ten in der Wach­ab­tei­lung. Kaum ist man zur Ru­he ge­kom­men, folgt schon der nächs­te Ein­satz. Wer als Ret­ter am Stock­holt­weg im 24-St­un­den-Di­enst ist, hat es be­son­ders schwer. Dort dür­fen sich die Ein­satz­kräf­te in Stahl­con­tai­nern aus­ru­hen. Und das ist nicht an­ge­nehm. „Im Som­mer wirst du ge­grillt und im Win­ter schock­ge­fros­tet“, be­rich­tet ei­ner, der es wis­sen muss, aber an­onym blei­ben will. Zwar ge­be es in den Con­tai­nern ei­ne Hei­zung, aber es fin­de kei­ne Warm­luft­zir­ku­la­ti­on statt. „Wenn du nach ei­ner St­un­de von ei­nem nächt­li­chen Ein­satz zu­rück­kommst, ist die Ma­trat­ze eis­kalt.“Aus­ru­hen? Na­he­zu un­mög­lich. Und das ist kei­ne gu­te Vor­aus­set­zung für Men­schen, die sich oft in ge­fähr­li­che Si­tua­tio­nen ge­ben müs­sen, um an­de­re zu ret­ten. Ein Neu­bau soll­te Ab­hil­fe schaf­fen. Der wur­de auch vor sechs Jah­ren be­schlos­sen, doch seit­dem ist nichts ge­sche­hen. Rein gar nicht.

Des­halb ent­schie­den sich Feu­er­wehr­leu­te am Stock­holt­weg zu ei­ner spon­ta­nen Ak­ti­on. Das ein­ge­zäun­te, brach­lie­gen­de Ge­län­de an der Ecke Stock­holt­weg/ Kepp­ler­stra­ße, auf dem der Neu­bau mit Ru­he- und Schu­lungs­räu­men ent­ste­hen soll­te, wur­de zu­nächst zu ei­ner Pfer­de­kop­pel mit ei­nem ein­sa­men Stoff­tier- Pferd um­funk­tio­niert. Feu­er­wehr­leu­te, die den stil­len Pro­test un­ter­stütz­ten, stell­ten wei­te­re Ku­schel­tie­re hin­zu, und so ent­stand der klei­ne Strei­chel­zoo. „Das ist ein ech­ter Selbst­läu­fer ge­wor­den“, sagt ein Feu­er­wehr­mann.

Doch da­mit ist jetzt Schluss. Ges­tern kam die An­wei­sung „von oben“, den klei­nen Zoo, der zum Lieb­ling der vor­bei­zie­hen­den Kin- der­gar­ten­grup­pen wur­de, un­ver­züg­lich ab­zu­räu­men. Bas­ta!

Im Rat­haus woll­te je­doch ges­tern auf Nach­fra­ge kei­ner die Räu­mungs-Or­der ge­ge­ben ha­ben. Da­für wur­den Feh­ler ein­ge­räumt. War­um im De­tail das be­schlos­se­ne Neu­bau­vor­ha­ben am Stock­holt­weg bis heu­te nicht um­ge­setzt wor­den sei, wis­se man nicht so ge­nau, sag­te Wolf­gang Speen, Lei­ter der städ­ti- schen Pres­se­stel­le. Es ha­be vie­le Per­so­nal­wech­sel in den zu­stän­di­gen De­zer­na­ten ge­ge­ben. Au­ßer­dem sei­en ja auch die Kos­ten zu se­hen. In Zu­sam­men­hang mit dem ge­plan­ten neu­en Rat­haus sei der Sa­nie­rungs­be­darf al­ler städ­ti­scher Im­mo­bi­li­en er­mit­telt wor­den. „Und die be­tra­gen im­mer­hin 70 Mil­lio­nen Eu­ro“, sagt Speen. Das Pro­blem an der Feu­er­wa­che Stock­holt­weg sei aber jetzt er­kannt – so­wohl vom Tech­ni­schen Bei­ge­ord­ne­ten als auch vom Feu­er­wehr­de­zer­nen­ten, ver­si­chert der Stadt­spre­cher und kün­digt an: „Jetzt kommt Schwung in die Sa­che.“Nach der Som­mer­pau­se soll ei­ne Be­ra­tungs­vor­la­ge mit ei­nem Ge­samt­pa­ket für Sa­nie­rungs- und Neu­bau­pro­jek­te für meh­re­re Feu­er­wehr­ge­bäu­de im Stadt­ge­biet in die Po­li­tik ge­hen. Die Stadt ste­he zwar vor der schwie­ri­gen Si­tua­ti­on, im kom­men­den Jahr ei­nen aus­ge­gli­che­nen Haus­halt vor­le­gen zu müs­sen, doch man sei be­müht, in ir­gend­ei­ner Art ei­ne ge­eig­ne­te Lö­sung zu fin­den.

Bis da­hin wer­den die Feu­er­wehr­leu­te wohl noch ei­ni­ge hei­ße Näch­te ha­ben – auch ganz oh­ne Brän­de.

FOTO: ISA­BEL­LA RAUPOLD

Jetzt herrscht wie­der gäh­nen­de Lee­re auf dem Platz, auf dem der Neu­bau für die Feu­er­wehr ent­ste­hen soll­te und den Ret­ter zum „stil­len Pro­test“in ei­nen Ku­schel­tier-Zoo um­ge­wan­delt hat­ten.

FOTO: PE­TERS

Bis Mitt­woch er­freu­te er noch die Kin­der: der klei­ne Zoo.

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