Blü­hen­de Pfingst­ro­sen zum Fest­tag

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON VALESKA VON DOLEGA

Kön­nen Kar­tof­felau­gen se­hen? Und wes­halb sind Ro­sen zum Ver­lie­ben? Fra­gen, die bei der vom Rhei­ni­schen Land­wirt­schafts­ver­band or­ga­ni­sier­ten Hö­fe­tour am 18. Ju­ni ge­klärt wer­den. Bei der Sau­se ma­chen auch die Ehe­leu­te Gös­sing mit.

JÜ­CHEN Seit fünf Jah­ren or­ga­ni­siert der Rheinische Land­wirt­schafts­ver­band so et­was wie ei­nen Tag der of­fe­nen Tür für sei­ne zum Ver­bund ge­hö­ren­den Be­trie­be. Erst­mals ist die Ge­mein­de Jü­chen jetzt da­bei. „Von Gub­berath nach Waat, al­les mit dem Rad“lau­tet die Über­schrift der Ver­an­stal­tung. Ei­ne der Sta­tio­nen die­ser Land­par­tie kann bei Ste­pha­nie und Fre­de­rik Gös­sing ge­macht wer­den.

„Lass Blu­men spre­chen“, hat sich der Land­wirt und Gärt­ner zu­sam­men mit sei­ner Frau als Ak­ti­ons­mot­to zur Prä­sen­ta­ti­on sei­nes Hofs aus­ge­dacht. Denn wenn es um Frei­land­blu­men und das Drum­her­um ih­rer Auf­zucht und Pfle­ge geht, kennt der Mann sich bes­tens aus. Vor al­lem Pfingst­ro­sen – sie tra­gen ih­ren Na­men, weil sie pünkt­lich zu Pfings­ten ih­re pral­le Schön­heit ent­fal­ten – kennt er aus dem Eff­eff.

„Seit 2002 ge­hört die Frei­luft­ro­se zu un­se­rem Kern­ge­schäft“, er­klärt er. Die­ses Pflan­zen­ex­em­plar aber braucht zwei bis drei Jah­re, ehe die Saat so weit auf­ge­gan­gen ist, dass der Winz­ling aus dem ge­schütz­ten Um­feld des Gar­ten­bau­be­trie­bes un­ter frei­en Him­mel aufs Feld ge­setzt wer­den kann. In Sa­chen Be­treu­ung gilt sie als et­was zi­ckig bis auf­wen­dig und nach den Fro­st­aus­fäl­len in den Jah­ren 2010 bis 2012 wur­den Al­ter­na­ti­ven ge­sucht. Al­so ka­men die um­trie­bi­gen Gös­sings auf die Idee, auch Pfingst­ro­sen in ihr bunt blü­hen­des Sor­ti­ment auf­zu­neh­men. „Die Pfingst­ro­se ist ei­ne Blu­me für Fau­le“, er­klärt Bert­hold Holz­hö­fer, Gärt­ner­meis­ter auf Schloss Dyck und be­ken­nen­der Fan die­ser Gat­tung, gut ge­launt. „Ist sie eta­bliert, blüht sie zehn Jah­re und län­ger.“Na­tür­lich müs­sen auch hier ei­ni­ge Ken­ner­tipps be­rück­sich­tigt wer­den. Als Lieb­lings­platz gilt, der „nor­ma­le, gut ge­pfleg­te Lehm­bo­den“. Torf ist ver­bo­ten, sit­zen die Wur­zeln tief, ver­sorgt sie sich „blen­dend, ist des­halb ro­bust und un­ab­hän­gig von Was­ser“, wie der Fach­mann sagt. Im von ihm ver­sorg­ten Schloss­gar­ten blü­hen knapp 40 Sor­ten, „man­che hat­ten un­ter der ex­tre­men Hit­ze ge­lit­ten“, an­de­re lie­ßen im pras­seln­den Ge­wit­ter die Köp­fe hän­gen und ver­lo­ren ih­re Blü­ten. Dass in der Dyck­schen Park­an­la­ge so vie­le Pfingst­ro­sen wach­sen, geht üb­ri­gens auf den eins­ti­gen Schloss­herrn Fürst Jo­seph zu­rück, „sie wa­ren eins sei­ner Lieb­lings­the­men“.

In ih­rer Hei­mat Chi­na wer­den Strauch-Pfingst­ro­sen seit mehr als 2000 Jah­ren kul­ti­viert – we­gen ih­rer blu­tungs­hem­men­den Wir­kung üb­ri­gens zu­nächst als Heil­pflan­zen. Im Lau­fe ei­ni­ger Jahr­hun­der­te blieb der Zier­wert der Pflan­ze nicht un­ent­deckt und es ent­stan­den durch in­ten­si­ve Züch­tung bin­nen kür­zes­ter Zeit über 1000 Sor­ten. Die Päo­ni­en gal­ten als kai­ser­li­ches Sta­tus­sym­bol und mach­ten prompt auch in Ja­pan Kar­rie­re „Sie strah­len ei­ne ge­wis­se Herr­lich­keit aus“, schwärmt Ste­pha­nie Gös­sing. „Und man­che se­hen nicht nur groß­ar­tig aus, son­dern duf­ten auch noch.“Sa­rah Bern­hardt heißt ei­ne der Vor­zei­ge­blu­men, be­nannt nach der le­gen­dä­ren fran­zö­si­schen Schau­spie­le­rin. Sie blüht in ei­nem leich­ten Ro­sé­ton mit si­gni­fi­kan­tem Strei­fen in Pink. Red Charme ist ei­ne tief rot leuch­ten­de Va­ri­an­te, na­he­zu rein­weiß kommt Du­ch­es­se de Ne­mours da­her und Ma­rie Le­moi­ne chan­giert vom Wei­ßen ins Zi­tro­nig­gel­be. Vom Feld ge­schnit­ten ge­hen die Blu­men in die so­ge­nann­te Auf­be­rei­tung. Von Hand wer­den dann über­schüs­si­ge Sten­gel und Blät­ter ent­fernt, um als lo­cker ge­bün­del­te Sträu­ße in den Ver­kauf zu kom­men. Die Blu­me als Mit­bring­sel soll wie­der idea­ler­wei­se so aus­se­hen, als hät­te man sie ge­ra­de eben beim Spa­zier­gang ge­pflückt. So wie von sei­nen Fel­dern. „Wir pro­du­zie­ren für den Han­del, nicht für End­ver­brau­cher“, nennt Ste­pha­nie Gös­sing ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um. Sich ein­fach mit dem Mes­ser an den We­ges­rand zu stel­len, um das ei­ne oder an­de­re Blüm­chen ab­zu­sä­beln, ist ver­bo­ten. „Das ist Dieb­stahl“, aber beim Hof­fest, bei dem al­les Wis­sens­wer­te über Pfingst­ro­sen und ih­re Ver­wandt­schaft er­läu­tert wird, gibt es fei­ne Sträuß­chen zum mit­neh­men.

FOTOS (2): VON DOLEGA

Bun­te Sträu­ße, von Hand vom Ge­strüpp be­freit und ge­bun­den, gibt es auch.

Traum in Schnee­weiß – die­se Pfingst­ro­sen schmü­cken je­de Braut , ma­chen sich eben­so schön in der Va­se.

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