„Schleich­weg-Ra­ser“ner­ven die An­woh­ner in Jü­chen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - WIRTSCHAFT - VON CHRIS­TI­AN KANDZORRA

JÜ­CHEN Bis Sonn­tag war die Welt für die An­woh­ner der Kel­zen­ber­ger Stra­ße in Jü­chen noch in Ord­nung: Kei­ne Bau­stel­le im Orts­zen­trum, kein über­mä­ßi­ger Ver­kehr in „ih­rer“ver­kehrs­be­ru­hig­ten Zo­ne, kein Lärm, kei­ne Ra­ser. Doch mit der Idyl­le ist jetzt Schluss: Vie­le Orts­kun­di­ge wei­chen we­gen der Sper­rung der Orts­durch­fahrt B 59 auf klei­ne Sei­ten­stra­ßen aus – dar­un­ter auch auf die Wey­er­stra­ße, die Fal­ler­stra­ße und den Kur­zen Weg. Auch die Mit­glie­der des Haupt­aus­schus­ses der Ge­mein­de Jü­chen be­schäf­tig­ten sich jetzt mit der Pro­ble­ma­tik.

Wenn die Fahrt ein­mal frei ist, drü­cken ei­ni­ge Fah­rer or­dent­lich aufs Gas­pe­dal. Das är­gert vor al­lem die An­woh­ner der Kel­zen­ber­ger Stra­ße, denn die ist größ­ten­teils ver­kehrs­be­ru­higt: Au­tos dür­fen dort nur Schritt­ge­schwin­dig­keit fah­ren. Vie­le Nut­zer des Schleich­wegs, die nicht die groß­zü­gi­gen Um­lei­tun­gen fah­ren wol­len, miss­ach­ten die Ver­kehrs­re­geln und fah­ren in den Ab­schnit­ten zwi­schen den Bo­den­wel­len Ge­schwin­dig­kei­ten, die das Schritt­tem­po deut­lich über­stei­gen.

Bei den An­woh­nern trifft das auf Un­ver­ständ­nis. „Wir er­war­ten, dass sich die Fah­rer an die Re­geln hal­ten“, sagt et­wa An­woh­ne­rin Uta Stem­mer. Erst am Di­ens­tag sei sie von ei­nem Fah­rer an­ge­hupt wor­den, der sie dann auch noch be­schimpf­te. Doch auch un­ter den Fah­rern selbst kom­me es hin und wie­der zu Kon­flik­ten. „Ich ha­be des­halb auch schon die Po­li­zei ge­ru­fen“, be­rich­tet An­woh­ner Jens Nau­wart­hat, des­sen Kin­der nun we­gen der Ge­fahr durch zu schnell fah­ren­de Au­tos nicht mehr auf der Stra­ße spie­len dür­fen.

Of­fen­bar ganz oh­ne Acht­sam­keit wa­ren kürz­lich erst Li­ni­en­bus­se über die viel zu en­ge Kel­zen­ber­ger Stra­ße ge­fah­ren, um ei­ne Ab­kür­zung zu neh­men. „Ei­ner hat sich so fest­ge­fah­ren, dass gar nichts mehr ging.“Dass man­che Bus­fah­rer of­fen­sicht­lich ih­re An­wei­sun­gen igno­riert ha­ben, är­ger­te auch Bür­ger­meis­ter Ha­rald Zil­li­kens im Haupt­aus­schuss. Er zeig­te sich zu­ver­sicht­lich, dass sich die La­ge in den nächs­ten Ta­gen ent­span­nen wird. Zu­dem ver­sprach er die Mon­ta­ge von Tem­po-Mes­s­ta­feln, die Fah­rer auf ih­re Ge­schwin­dig­keit hin­wei­sen sol­len.

Um des Schleich­weg-Pro­blems Herr zu wer­den, schal­tet sich jetzt auch der Lan­des­be­trieb Stra­ßen.NRW ein, der für die Bau­stel­le an der B 59 ver­ant­wort­lich ist. Pro­jekt­lei­ter Klaus Dah­men: „Wir wol­len die Po­li­zei mit ein­bin­den.“Die Be­am­ten soll­ten in den Ne­ben­stra­ßen mehr Prä­senz zei­gen. „Au­ßer­dem wol­len wir uns mit dem Stra­ßen­ver­kehrs­amt des Krei­ses über ein Durch­fahrt-Ver­bot für Lkw in den klei­nen Stra­ßen un­ter­hal­ten“, kün­digt Dah­men an. Er be­tont, dass es sich bei den Ne­ben­stra­ßen nicht um of­fi­zi­el­le Um­lei­tun­gen han­delt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.