Der Ge­schmack fri­scher Erd­bee­ren auf der Zun­ge

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON AN­GE­LA RIETDORF

Pünkt­lich zu Pfings­ten be­ginnt am Nie­der­rhein die Ern­te hei­mi­scher Frei­land-Erd­bee­ren: herr­lich rot, wun­der­bar duf­tend, ein­fach le­cker.

An man­che Din­ge er­in­nert man sich ein Le­ben lang. Zum Bei­spiel dar­an, wie himm­lisch die Erd­bee­ren schmeck­ten, die man als Kind im Gar­ten der Groß­el­tern di­rekt vom Beet ge­nascht hat. Ein Ge­nuss, der nicht zu top­pen war. Und dann sucht man nach die­sem wun­der­ba­ren Ge­schmack und fin­det ihn nicht mehr. Oft se­hen die Erd­bee­ren im Su­per­markt le­cker aus, aber das Aro­ma fehlt. Oder ist die Er­in­ne­rung an ei­nen an­de­ren Ge­schmack nur Nost­al­gie? Nein, das Aro­ma, der Duft, das Ge­fühl des Som­mers las­sen sich wie­der­fin­den – in den Früch­ten, die jetzt auf den Fel­dern am Nie­der­rhein in der Son­ne rei­fen und nicht weit trans­por­tiert wer­den müs­sen, son­dern di­rekt auf dem Tisch des Ver­brau­chers lan­den.

Ge­ra­de recht­zei­tig zu den an­ste­hen­den Pfingst­fei­er­ta­gen hat das war­me und son­ni­ge Wet­ter da­für ge­sorgt, dass die zu den ab­so­lu­ten Lieb­lings­früch­ten der Deut­schen ge­hö­ren­den Erd­bee­ren im Frei­land reif wer­den. Bio-Bau­er Joa­chim Kam­phau­sen vom Len­ßen­hof in Oden­kir­chen ist erst seit ein paar Ta­gen bei der Ern­te. „Wir pflü­cken mor­gens zwei St­un­den von sechs bis acht Uhr“, sagt er. 135 Scha­len kom­men da zu­sam­men und wer­den di­rekt ver­mark­tet. Abends geht´s noch mal auf das re­la­tiv klei­ne Erd­beer­feld. „Ei­ne Erd­bee­re, die im Bo­den wächst, Son­ne und Wär­me be­kommt, ent­wi­ckelt das in­ten­si­ve Aro­ma und auch die wich­ti­gen In­halts­stof­fe.“. Es kommt na­tür­lich auch auf die Sor­te an. Kam­phau­sen baut Co­ro­na an, ei­ne al­te Erd­beer­sor­te, die wun­der­bar schmeckt, aber nicht gut für den Trans­port ge­eig­net ist. Aber trans­por­tiert wird sie auf dem Len­ßen­hof ja auch nur vom Feld in den Hof­la­den und dann nach Hau­se zum Ver­brau­cher. „Erd­bee­ren schme­cken am bes­ten, wenn man sie nicht im Kühl­schrank la­gert, son­dern schnell ver­braucht“, sagt der Bi­o­bau­er. Ern­ten, kau­fen, ge­nie­ßen – am bes­ten al­les an ei­nem Tag, ob­wohl auch die Frei­land­erd­bee­re ein we­nig La­ge­rung ver­trägt. Wich­tig für den Ge­schmack ist und bleibt aber, dass die Erd­bee­re reif ge­ern­tet wird. Ei­ne un­rei­fe Erd­bee­re wird auch in der Scha­le rot, ent­wi­ckelt aber kein Aro­ma.

Tra­di­tio­nell ist der Ju­ni der Erd­beer­mo­nat in Deutsch­land. Weil erst dann hei­mi­sche Frei­land­früch­te zur Ver­fü­gung ste­hen. „Die Kun­den fra­gen mich schon im Mai nach Erd­bee­ren“, sagt Kam­phau­sen. Aber Frei­land-Erd­bee­ren gibt es dann noch nicht, je­den­falls nicht, wenn man, wie auf dem Len­ßen­hof aus öko­lo­gi­schen Grün­den auf Fo­li­en oder Tun­nel ver­zich­tet. „Es wird da­durch sehr viel Ab­fall pro­du­ziert.“Gar nicht zu re­den von den Ener­gie­kos­ten, die in den be­heiz­ten Treib­häu­sern ent­ste­hen. „Ich will das nicht ver­teu­feln, aber ich ma­che es nicht“, er­klärt Kam­phau­sen.

Wenn die Erd­bee­ren im Frei­land rei­fen, dann meist mit Macht. Drei Wo­chen lang wird ge­ern­tet. In di­cken Bü­scheln hän­gen die Früch­te jetzt an den Stau­den. Von der Son­ne durch­wärmt, steigt der ty­pi­sche Erd­be­er­duft aus dem Feld auf. Bei der Ern­te muss man sorg­sam vor­ge­hen, die Erd­bee­ren nur ab­knip­sen, nicht rü­de ab­rei­ßen. Beim Pflü­cken wer­den auch gleich fau­len­de Erd­bee­ren von der Pflan­ze ent­fernt, da­mit sie die an­de­ren Früch­te nicht an­ste­cken. Au­ßer­dem ist der Bo­den ge­gen Fäul­nis mit Stroh ab­ge­deckt.

Aus Erd­bee­ren, die nicht ver­kauft wer­den, ma­chen die Leu­te auf dem Len­ßen­hof Mar­me­la­de. „Wir pü­rie­ren sie und frie­ren sie dann ein“, er­klärt Joa­chim Kam­phau­sen. „Dann kön­nen wir im­mer wie­der fri­sche Mar­me­la­de ko­chen.“Aber ei­gent­lich sind die Erd­bee­ren erst ein­mal viel zu scha­de zum Ein­ko­chen. „Es gibt nichts Schö­ne­res als im Schat­ten zu sit­zen und fri­sche Erd­bee­ren zu es­sen“, schwärmt Kam­phau­sen. Und die meis­ten Men­schen wer­den ihm zu­stim­men. Strit­tig ist nur, ob sie mit Va­nil­le­eis, mit Sah­ne oder pur am bes­ten schme­cken.

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