Au­to­fah­re­rin ver­klag­te ein Au­to­haus und VW und ge­wann

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON IN­GRID KRÜ­GER

Im Zi­vil­pro­zess um den Kauf ei­nes mit der Schum­mel­soft­ware aus­ge­stat­te­ten VW-Golf hat die 10. Zi­vil­kam­mer des Mön­chen­glad­ba­cher Land­ge­richts die­se Wo­che ein Ur­teil ver­kün­det. Be­klag­te sind ein Mön­chen­glad­ba­cher Au­to­haus und die VW AG. Die Be­klag­te ist ei­ne VWVer­trags­händ­le­rin. Die Klä­ge­rin kauf­te am 14. Ju­li 2014 bei Wald­hau­sen und Bür­kel ei­nen ge­brauch­ten VW Golf Va­ri­ant für 13.360 Eu­ro. Jetzt hat die 10. Zi­vil­kam­mer des Land­ge­richts die Be­klag­ten ge­samt­schuld­ne­risch zur Zah­lung von 13.360 Eu­ro und Zin­sen von fünf Pro­zent seit dem 5. Ja­nu­ar 2016 an die Klä­ge­rin ver­ur­teilt. Das soll Zug um Zug ge­gen die Über­eig­nung und Her­aus­ga­be des Pkw VW Golf Va­ri­ant er­fol­gen. Au­ßer­dem muss die Klä­ge­rin den Ki­lo­me­ter­stand des Fahr­zeugs seit dem 27. April 2017 mit­tei­len. Zu Pro­zess­be­ginn war der ak­tu­el­le Ki­lo­me­ter­stand des VW Golfs näm­lich nicht be­kannt­ge­wor­den. Die an­walt­li­che Ver­tre­te­rin der Klä­ge­rin konn­te die­se wich­ti­ge Fra­ge da­mals nicht be­ant­wor­ten.

Am ers­ten Gü­te- und Ver­hand­lungs­ter­min hat­te die Rich­te­rin ei­ne Ei­ni­gung ver­geb­lich vor­ge­schla­gen. Der ge­brauch­te VW Golf Va­ri­ant war ein Lea­sing­rück­läu­fer, der da­mals be­reit mehr als 100 000 Ki­lo­me­ter ge­lau­fen war. Im Wa­gen war ein 1,6Li­ter-Die­sel­mo­tor ein­ge­baut, des­sen Mo­tor­soft­ware er­kennt, ob sich der Pkw auf ei­nem tech­ni­schen Prüf­stand oder im üb­li­chen Stra­ßen­ver­kehr be­fin­det. So wer­den auf dem Prüf­stand ge­rin­ge­re Stick­oxid­wer­te er­zielt, was bei der Ab­gas­norm ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spielt. Die Klä­ge­rin hielt das für ei­nen Man­gel. Im nor­ma­len Fahr­be- trieb hal­te der Golf die Eu­ro-5-Ab­gas­norm nicht ein. Im De­zem­ber 2015 er­klär­te die Klä­ge­rin den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag.

Doch die Be­klag­te mein­te: „Das Fahr­zeug ist nicht man­gel­haft“. Sie for­der­te vor der Zi­vil­kam­mer, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Im Ge­richts­saal wur­den die zahl­rei­chen Rechts­fra­gen des Fal­les dis­ku­tiert. VW ha­be der Kun­din ei­ne Nach­bes­se­rung am Fahr­zeug an­ge­bo­ten. Aber das ak­zep­tier­te die­se als nicht zu­mut­bar. 2015 sei nicht er­kenn­bar ge­we­sen, wann ei­ne Nach­bes­se­rung statt­fin­den soll­te. Man ha­be die Kun­din lan­ge im Un­ge­wis­sen ge­las­sen. Wür­den die Pro­ble­me nicht ge­löst, könn­te auch die Be­triebs­er­laub­nis für die Die­sel­fahr­zeu­ge er­lö­schen. So hieß es be­reits am ers­ten Gü­te­ter­min. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt die Klä­ge­rin zu 25 Pro­zent und die Be­klag­te zu 75 Pro­zent.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.