Woh­nen auf Pro­be

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON EVA BA­CHES

Die KoKoBe in Mön­chen­glad­bach be­rät Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten und mehr­fa­chen Be­hin­de­run­gen, wenn sie von zu Hau­se oder dem Wohn­heim aus­zie­hen möch­ten. Da­zu hat sie ein Pro­jekt ins Le­ben ge­ru­fen.

RHE­YDT Die Räu­me der Woh­nung sind hell und mit al­lem aus­ge­stat­tet, was man zum Wohl­füh­len braucht. Drei ge­räu­mi­ge Zim­mer, zwei Bä­der und ei­ne Kü­che – und all das mit­ten in der Rhe­ydter Ci­ty. Jetzt hat sie wie­der ei­nen neu­en Be­woh­ner. Horst Pe­ter Weber. Er ar­bei­tet in ei­ner Werk­statt der Evan­ge­li­schen Stif­tung He­pha­ta und wohnt ei­gent­lich in ei­ner Wohn­ge­mein­schaft des

Horst Pe­ter Weber St.-Jo­sefs-Hau­ses. Doch er woll­te ein­mal wis­sen, wie es ist, al­lei­ne zu woh­nen, und ob es ei­ne Wohn­form ist, mit der er zu­recht­kommt.

„Ich ha­be von ei­ner Freun­din von dem Pro­be­woh­nen er­fah­ren“, er­zählt er. Zu­sam­men mit sei­ner Be­treue­rin, Ni­na Pi­pers hat er dann sei­nen in­di­vi­du­el­len Hil­fe­plan er­stellt, in­dem fest­ge­hal­ten wird, bei wel­chen Din­gen er noch Un­ter­stüt­zung be­nö­tigt und wie oft die Be­treue­rin ihn in sei­ner Woh­nung be­su­chen wird. 2009 star­te­te die KoKoBe (Ko­or­di­nie­rungs-, Kon­takt­und Be­ra­tung) zu­sam­men Ver­tre­tern der Werk­stät­ten, dem Lan­des­ver­band und den För­der­schu­len das Pro­jekt. „Wir such­ten nach ei­ner Mög­lich­keit, wie man das be­treu­te Woh­nen för­dern und an­schau­lich ma­chen kann“, sagt Christopher Micha von der KoKoBe Mön­chen­glad­bach, Stand­ort Rhe­ydt.

Horst Pe­ter Weber hat sich in­zwi­schen in der Woh­nung ein­ge­lebt und kommt gut mit den all­täg­li­chen Auf­ga­ben zu­recht. „Das Ge­fühl ist schön“, sagt er und lacht. In die­ser Zeit hat er viel an Selbst­stän­dig­keit da­zu ge­won­nen. „Auch mit dem Put­zen klappt es gut. Ich ru­he mich erst et­was aus und dann put­ze ich“, er­gänzt er. In sei­ner Frei­zeit ist er viel un­ter­wegs, geht zum Sport oder be­sucht Freun­de in der Stadt, al­les mit dem Bus und kom­plett ei­gen- stän­dig. Er kann sich nach sei­ner Zeit in der Pro­be­woh­nung gut vor­stel­len, die Ge­mein­schaft zu ver­las­sen und ei­ne ei­ge­ne Woh­nung zu be­zie­hen. Jen­ny Can­ta­nia und Man­de­ep Gho­tra be­su­chen die Förderschule an der Dah­le­ner Stra­ße und ha­ben das Pro­be­woh­nen als Wohn- ge­mein­schaft für sich ge­tes­tet. „Mein Bru­der hat das auch schon ein­mal aus­pro­biert und ich woll­te das auch“, er­zählt Jen­ny. Man­de­ep ist be­reits in ei­nem be­treu­ten Wohn­pro­jekt. Jen­ny wohnt noch bei ih­ren El­tern. „Wir ha­ben zu­sam­men über­legt, ob es et­was für mich ist, und ich fand es von An­fang an gut“, er­zählt er. „Ich ha­be es un­ter­stützt. Mein Ziel als Be­rufs­be­treu­er ist es, mei­nen Schütz­lin­gen bei der Ver­selbst­stän­di­gung zu hel­fen“, be­tont

„Ich ha­be von ei­ner Freun­din von die­sem An­ge­bot er­fah­ren“

Neu­er Be­woh­ner

„Es ist schön, die Fort­schrit­te

zu se­hen“

Ni­na Pi­pers

Be­treue­rin

Tan­ja Os­ma­no­vic. Sie ist die ge­setz­li­che Be­treue­rin von Jen­ny Ca­ta­nia. Am An­fang muss­ten die bei­den ei­ni­ge Ab­spra­chen tref­fen, die zum WG­Le­ben da­zu­ge­hö­ren: Wer putzt wann was? Wer geht ein­kau­fen? Wie ma­chen wir das mit dem Haus­halts­geld? Sie ha­ben sich gut ar­ran­giert. „Wir hat­ten ei­ne ge­mein­sa­me Kas­se“, er­zählt Jen­ny, und Man­de­ep er­gänzt: „Frei­tags sind wir dann zu­sam­men ein­kau­fen ge­gan­gen.“Bei­de sind stolz, dass sie die Zeit, ne­ben der Schu­le und Prak­ti­kum, so gut ge­meis­tert ha­ben. „Ich ma­che jetzt mehr zu Hau­se als vor­her“, er­zählt Man­de­ep. Ni­na Pi­pers ist von dem Pro­jekt über­zeugt: „Es ist ein er­folg­rei­ches Ar­bei­ten. Es ist schön zu se­hen, wel­che Fort­schrit­te nach der Zeit ent­stan­den sind.“

FO­TO: BA­CHES

Initia­to­ren und Be­woh­ner freu­en sich über das ge­lun­ge­ne Pro­jekt: Mar­got Heinke-Be­cker, KokoBe Mön­chen­glad­bach, Ni­na Pi­pers, St.-Jo­sefs-Haus, Horst Pe­ter Weber, Jen­ny Can­ta­nia, Man­de­ep Gho­tra, Christopher Micha, KoKoBe Mön­chen­glad­bach/Rhe­ydt, An­ne Münch, Förderschule Dah­le­ner Stra­ße, und Tan­ja Os­ma­no­vic, Be­treue­rin (von rechts).

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