Schü­ler schil­dern Ein­drü­cke ih­rer Au­schwitz-Rei­se

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON DA­NIE­LA GEFGEN

HARDT Auch nach über 70 Jah­ren ha­ben die grau­sa­men Ge­scheh­nis­se wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern nichts von ih­rem Schre­cken ver­lo­ren. Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Ge­samt­schu­le Hardt prä­sen­tier­ten jetzt ih­re Ein­drü­cke, die sie im März bei ei­ner Fahrt ins pol­ni­sche War­schau ge­sam­melt ha­ben. Für Pau­li­i­na Zdu­n­ek (17) gab es ei­nen Mo­ment, der ihr be­son­ders in Er­in­ne­rung ge­blie­ben ist: „Als wir uns die Häu­ser in Au­schwitz an­ge­schaut ha­ben, in de­nen die In­sas­sen le­ben muss­ten, gab es da ei­ne Wand aus Glas. Hin­ter ihr wa­ren Men­schen­haa­re. Als ich das ge­se­hen ha­be, war das sehr schlimm für mich.“

Die Schü­ler­grup­pe wur­de auf ih­rer Rei­se von drei Leh­re­rin­nen be­glei­tet, ei­ne von ih­nen war Ber­na­det­te Schmitz (59). Für sie war die Er­fah­rung eben­falls sehr in­ten­siv. „Wenn man mit so jun­gen Men­schen un­ter­wegs ist, muss man sen­si­bel sein. Die Ein­drü­cke gin­gen nicht spur­los an ih­nen vor­bei.“Auch die Schü­ler er­zähl­ten wäh­rend ih­rer Prä­sen­ta­ti­on, dass es vie­le Trä­nen gab. Ver­zweif­lung und Fas­sungs­lo­sig­keit mach­ten sich un­ter der Grup­pe breit, an­ge­sichts der un­vor­stell­ba­ren Grau­sam­kei­ten, de- nen die Men­schen in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern aus­ge­setzt wa­ren. „Es ist ein rie­si­ger Un­ter­schied, ob man das Ge­sche­he­ne nur aus dem Ge­schichts­un­ter­richt kennt oder es vor Ort in Au­schwitz prä­sen­tiert be­kommt“, sagt Pau­li­i­na Zdu­n­ek.

An dem Prä­sen­ta­ti­ons­abend in dem voll be­setz­ten Fo­rum der Ge­samt­schu­le zeig­ten die Schü­ler, auf wel­che Wei­se sie das Er­leb­te ver­ar­bei­tet ha­ben. So gab es bei­spiels­wei­se von Pau­li­i­na ein Ge­dicht, Me­lis­sa Ren­nett (17) spiel­te auf dem Flü­gel das The­ma des Films „Schind­lers Lis­te“, und es wur­de ei­ne sehr ein­dring­li­che Prä­sen­ta­ti­on vor­ge­führt. In die­ser wa­ren die vor­ge­le­se­nen Er­in­ne­run­gen ei­nes Über­le­ben­den des Ho­lo­causts zu hö­ren, hin­ter­legt mit der ato­na­len Mu­sik von Ar­nold Schön­berg.

Bei ih­rem Gang durch das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger wur­den die Schü­ler durch ei­ni­ge Din­ge be­son­ders er­schüt­tert. Da­zu ge­hör­ten die aus­ge­stell­ten Be­sitz­tü­mer der In­sas­sen, die nach der Be­frei­ung ge­fun­den wur­den. Schu­he, Töp­fe, Käm­me und Klei­der ha­ben aus den vie­len Na­men Per­so­nen mit ei­ner Iden­ti­tät ge­macht. Auch die ge­zeig­ten Kin­der­zeich­nun­gen aus Au­schwitz ha­ben die Schü­ler un­end­lich trau­rig ge­macht. „Die­je­ni­gen, die sich nicht an die Ge­schich­te er­in­nern, sind ge- zwun­gen, sie er­neut zu durch­le­ben.“Die­ses Zi­tat von Ge­or­ge de San­ta­ya­na stell­ten die Schü­ler ih­ren Über­le­gun­gen vor­an, ob die Ge­sell­schaft et­was aus den Ge­scheh­nis­sen des Zwei­ten Welt­krie­ges ge­lernt hat. Das Er­geb­nis ist ih­rer Mei­nung nach nie­der­schmet­ternd: Rechts­ex­tre­mis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus in Deutsch­land, die Flücht­lings­kri­se in Eu­ro­pa – all das lässt die Schü­ler dar­an zwei­feln, dass es ei­nen Lern­pro­zess ge­ge­ben hat.

Im nächs­ten Jahr soll es wie­der ei­ne Fahrt nach War­schau ge­ben. Ge­för­dert wird sie durch das Erz­bis­tum Köln und die Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung.

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