Wenn es am Bau Män­gel gibt

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - BERUF KARRIERE & -

Tre­ten Bau­män­gel auf, hat der Auftraggeber di­ver­se Ge­währ­leis­tungs­rech­te. Ne­ben Scha­dens­er­satz oder et­wa Wer­klohn­min­de­rung kann selbst­ver­ständ­lich auch die Man­gel­be­sei­ti­gung ge­for­dert wer­den. Wird dem Bau­un­ter­neh­mer ein Man­gel an­ge­zeigt und die­ser kommt sei­ner Be­sei­ti­gungs­pflicht nicht frist­ge­recht nach, so kann der Bau­herr sein Glück selbst in die Hand neh­men: Er darf die Män­gel­be­sei­ti­gung auf Kos­ten des Un­ter­neh­mers durch Drit­te ver­an­las­sen. Das wird dem Bau­herrn nicht sel­ten ge­le­gen kom­men, ist doch in die­sem Sta­di­um häu­fig das Ver­trau­en in Leis­tungs­wil­le und Leis­tungs­fä­hig­keit des Bau­un­ter­neh­mers da­hin.

Nun ist der Bau­herr be­rech­tigt, von dem Bau­un­ter­neh­mer ei­nen Vor­schuss in Hö­he der po­ten­zi­el­len Be­sei­ti­gungs­kos­ten zu ver­lan­gen. Das wie­der­um führt in al­ler Re­gel zu der Fra­ge, wel­che Hö­he hier an­ge­mes­sen ist. Die Recht­spre­chung, zu­letzt durch das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf (Az.: 22 U 134/16), kommt dem Bau­herrn ent­ge­gen. Er darf ei­nen Geld­be­trag for­dern, der aus Sicht ei­nes ver­nünf­ti­gen, wirt­schaft­lich den­ken­den Auf­trag­ge­bers aus­reicht, um die vor­aus­sicht­li­chen Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten zu de­cken. Der Auftraggeber muss we­der sach­ver­stän­di­ge Be­ra­tung in An­spruch neh­men noch Kos­ten­vor­an­schlä­ge ein­ho­len. Er darf die Kos­ten an­hand greif­ba­rer An­halts­punk­te lai­en­haft schät­zen.

Das er­scheint ge­recht, ist doch der Auf­trag­neh­mer dop­pelt ver­trags­brü­chig: Wer zu­nächst ei­nen Man­gel pro­du­ziert und so­dann auch noch sei­ne Be­sei­ti­gungs­pflicht ver­wei­gert, der muss mit lai­en­haf­ten Schät­zun­gen le­ben.

Ger­hard Fries Der Au­tor ist Part­ner der So­zie­tät Krö­mer, Ste­ger, West­hoff.

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