ANA­LY­SE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

Trump brüs­kiert die west­li­chen Staa­ten wie kein US-Prä­si­dent zu­vor. Doch schon vor ihm drif­te­te die wich­tigs­te Wer­te­ge­mein­schaft der Er­de aus­ein­an­der. Ei­ne ge­fähr­li­che Un­ord­nung macht sich breit.

schlag ge­tarn­ten An­griffs­krieg be­tei­li­gen soll­te. Der da­ma­li­ge US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Do­nald Rums­feld sprach vom „al­ten“und vom „neu­en Eu­ro­pa“und der „Ko­ali­ti­on der Wil­li­gen“. Der so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Kanz­ler Gerhard Schrö­der wie­der­um re­de­te ei­nem „deut­schen Weg“das Wort und be­schimpf­te sei­nen wich­tigs­ten Ver­bün­de­ten, die USA, auf dem Markt­platz von Gos­lar als „Aben­teu­rer“. Er über­nahm da­mit exakt die Wort­wahl so­wje­ti­scher Staats- und Par­tei­füh­rer, wenn sie von den USA spra­chen.

Nur müh­sam kit­te­ten sei­ne Nach­fol­ge­rin Mer­kel und der neue ame­ri­ka­ni­sche Hoff­nungs­trä­ger Ba­rack Oba­ma die Scher­ben. Doch trotz der neu­en An­nä­he­rung war klar, dass sich die USA eher für den Pa­zi­fik­raum und die neue Groß­macht Chi­na in­ter­es­sier­ten als für ih­re al­ten Ver­bün­de­ten.

In Eu­ro­pa wur­de über­dies die do­mi­nie­ren­de Stel­lung Deutsch­lands zu­neh­mend als drü­ckend emp­fun­den, vor al­lem, weil das Land den Schuld­ner­staa­ten ei­nen har­ten Kurs zur Sa­nie­rung ih­rer Fi­nan­zen auf­drück­te. Statt zu­sam­men­zu­rü­cken, streb­te die Eu­ro­päi­sche Uni­on aus­ein­an­der. Nicht nur in Fi­nanz­fra­gen, son­dern auch bei der Jahr­hun­der­t­her­aus­for­de­rung Flücht­lin­ge. Der bis­lang größ­te Schlag für die EU war schließ­lich das Vo­tum der Bri­ten, aus der Ge­mein­schaft aus­zu­tre­ten. Nach dem Br­ex­it vom 23. Ju­ni 2016 war klar, dass die Idee Eu­ro­pa die Völ­ker des Kon­ti­nents nicht mehr zu­sam­men­hält.

Der un­er­war­te­te Sieg Trumps bei den US-Wah­len ver­stärk­te die Flieh­kräf­te. Der Vor­marsch von Pro­tek­tio­nis­mus und eng­stir­ni­gem Na­tio­na­lis­mus auch in an­de­ren Län­dern des Wes­tens wie Po­len oder Un­garn, aber auch in den Nie­der­lan­den und Frank­reich, selbst teil­wei­se in Deutsch­land, macht die Kri­se und den Ver­fall des Wes­tens deut­lich. Noch küm­mert sich im Land des neu­en Wirt­schafts­wun­ders nie­mand so rich­tig um die Fol­gen. Es könn­te ein bö­ses Er­wa­chen ge­ben. Of­fen­bar muss Mer­kel, soll­ten sie und ih­re Par­tei am 24. Sep­tem­ber aber­mals ge­wählt wer­den, ih­re größ­te Be­wäh­rungs­pro­be erst noch be­ste­hen.

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