Das war der ers­te Mu­sik-Ma­ra­thon

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON THO­MAS GRULKE, CHRIS­TI­AN LIN­GEN UND DIE­TER WE­BER

Selbst­ge­mach­te Zi­tro­nen­li­mo­na­de, feuch­te Tü­cher für die Stirn, Er­fri­schen­des aus dem Gar­ten­schlauch: Beim ers­ten Santan­der-Ma­ra­thon gab’s viel Hil­fe für die Sport­ler.

Er schwenk­te sei­ne Kap­pe und freu­te sich, als hät­te er ge­ra­de den Santan­der-Ma­ra­thon ge­won­nen. Doch als Manfred Kreis ins Ziel kam, war es be­reits kurz nach 22 Uhr, und die Stopp­uhr über dem Ziel­bo­gen zeig­te ei­ne Zeit von 5:35 St­un­den an. Den 58-jäh­ri­gen NEW-Mit­ar­bei­ter in­ter­es­sier­te die End­zeit nicht. „Das sind mehr als zwei St­un­den über mei­ner Best­zeit. Aber das ist heu­te mein 161. Ma­ra­thon, und den bin ich in mei­ner Hei­mat­stadt ge­lau­fen. Nur das zählt“, sag­te er.

Kurz vor ihm war Andre­as Grund­mann mit ei­nem Lauf­freund ins Ziel ge­kom­men. Sehn­lichst er­war­tet von Part­ne­rin Son­ja Gräu­el. Als er sie im Ziel­kor­ri­dor be­grüß­te, wur­de klar, war­um er so lan­ge brauch­te: Der Sie­ge­ner lallt. „Wir ha­ben un­ter­wegs ei­ni­ges ge­trun­ken: Jä­ger­meis­ter und ein paar Glä­ser Bier. Ihr habt ja hier ei­ni­ge Lo­ka­le auf der Stre­cke“, sag­te Grund­mann. Gräu­el lach­te Trä­nen: „Das ist sein 71. Ma­ra­thon. Aber der ers­te, bei dem er be­sof­fen ins Ziel ge­kom­men ist.“

Zwei von zahl­rei­chen Epi­so­den, die deut­lich ma­chen: Der Santan­der-Ma­ra­thon will kei­ne Lauf­ver­an- stal­tung sein, bei der Spit­zen­läu­fer Best­zei­ten lau­fen und al­le an­de­ren Teil­neh­mer nur Staf­fa­ge sind. In Glad­bach ste­hen der „Nor­mal­läu­fer“und die „Nor­mal­läu­fe­rin“im Mit­tel­punkt. Den mehr als 3500 Teil­neh­mern ging es nicht um Spit­zen­zei­ten: Sie star­te­ten auf un­ter­schied­li­chen Stre­cken, woll­ten Spaß ha­ben, das Flair ei­nes Mu­sik­ma­ra­thons ge­nie­ßen und den ei­ge­nen Schwei­ne­hund, der oft als Brem­ser mit un­ter­wegs war, in die Schran­ken ver­wei­sen. Und das ge­lang.

Da mach­ten vie­le Er­fah­run­gen wie OB Hans Wil­helm Rei­ners: Sei­ne Fa­mi­lie hat­te sich auf der Stre­cke pos­tiert, und En­kel Paul spritz­te mit der Was­sers­pis­to­le den Opa nass, der die Er­fri­schung ge­noss. Gun­nar Merz lob­te die fa­mi­liä­re At­mo­sphä­re: „In Wind­berg hol­ten die Kin­der die Schläu­che raus und sorg­ten für Er­fri­schung. Rich­tig klas­se war die Trom­mel-Kom­bo vor dem Was­ser­turm.“Clau­dia Hurt­manns dank­te ei­ner Zu­schaue­rin, die feuch­te Tü­cher für die Stirn ver­teil­te: „Herr­lich!“Mar­kus Wein­gartz hat­ten es die pri­va­ten Hots­pots an­ge­tan: „Die wa­ren ein­fach toll!“

Bet­ti­na Krings und Bir­git Neun­zig freu­ten sich über An­feue­rungs­Ru­fe, die mit­hal­fen, die 21,1 Ki­lo­me- ter des Halb­ma­ra­thons zu schaf­fen. Auch Mar­kus Adolf war voll des Lo­bes: „Die Zu­schau­er an der Stre­cke wa­ren gran­di­os.“Kat­ja Bon­ger­sLoch lob­te ei­ne Fa­mi­lie, die den Teil­neh­mern „selbst­ge­mach­te Zi­tro­nen­li­mo­na­de“an­bot: „Das zu se­hen und zu er­le­ben, gab mir im­mer Auf­trieb, wei­ter zu lau­fen, ob­wohl ich bei dem Wet­ter sehr ge­lit­ten ha­be.“Und Jörg Lang­ner er­füll­te sich so­gar ei­nen Traum: „Ich bin in Mön­chen­glad­bach mei­nen ers­ten Ma­ra­thon ge­lau­fen. Wow! Ich bin mäch­tig stolz. Ins­ge­samt war es ei­ne pri­ma Ver­an­stal­tung!“

Bern­hard Ko­tul­la war eben­falls be­geis­tert. „Die spä­te Start­zeit ist et­was un­ge­wöhn­lich, doch die Mu­sik sorgt für zu­sätz­li­che Mo­ti­va­ti­on“, sag­te der 52-Jäh­ri­ge, der be­reits zwei­mal den Ber­lin-Ma­ra­thon ge­lau­fen ist. Mu­sik gab es auch reich­lich am Schil­ler­platz, der den Sport­lern ei­ne Sta­di­on-At­mo­sphä­re bot. Auf ih­rer Drei­vier­tel­run­de um den Platz her­um wur­den die Ak­ti­ven auch von Mar­git Rüt­ten (62) an­ge­feu­ert, die seit 40 Jah­ren in Ei­cken lebt. „Der Mix aus Sport und Mu­sik ist klas­se. Und ich fin­de es fas­zi­nie­rend, was die Teil­neh­mer leis­ten. Des­we­gen ist es toll, dass ich die Läu­fer mehr­mals se­he“, sag­te sie.

Eng wur­de es vor dem Min­to. Auf den Trep­pen­stu­fen knub­bel­ten sich zeit­wei­se die Zu­schau­er und feu­er­ten die Läu­fer laut­stark an. Ein gro­ßer bun­ter Tor­bo­gen rag­te über die Hin­den­burg­stra­ße, und DJs sorg­ten für Mu­sik. Die Läu­fer lie­ßen sich an­spor­nen, reck­ten die Ar­me in die Hö­he und klatsch­ten im Takt der Mu­sik mit. Da­für er­hiel­ten die Star­ter be­son­ders viel Ap­plaus, was noch ein­mal Ansporn für den Rest der Stre­cke war. Wei­te­re Fo­tos und ein Vi­deo vom Ma­ra­thon un­ter www.rp-on­li­ne.de/mo­en­chen­glad­bach.

RP-FO­TOS: ISABELLA RAUPOLD/DIE­TER WE­BER

Mehr als 3500 Teil­neh­mer wag­ten sich beim Santan­der-Ma­ra­thon auf die un­ter­schied­li­chen Dis­tan­zen, das Gros lief Halb­ma­ra­thon.

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