Tha­na­to­prak­ti­ker bal­sa­mie­ren To­te ein

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - SPORT LOKAL -

Kör­per­flüs­sig­kei­ten aus­tau­schen. Es geht nicht dar­um, ihn kom­plett an­zu­hal­ten: „Es ist ganz nor­mal, dass der mensch­li­che Kör­per ir­gend­wann zer­fällt; wir wol­len ihn nur für ei­ne kur­ze Zeit­span­ne er­hal­ten“, sagt Op­per­mann.

In Deutsch­land sei der Be­ruf nicht so ver­brei­tet wie in Groß­bri­tan­ni­en oder Frank­reich, er­klärt Oli­ver Wirth­mann vom Bun­des­ver­band Deut­scher Be­stat­ter (BDB). Auch in den USA wür­den viel mehr Ver­stor­be­ne tha­na­to­prak­tisch be­han­delt. In Län­dern mit ei­nem we­sent­lich wär­me­ren Kli­ma sei das manch­mal so­gar ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben.

Die Aus­bil­dung zum Tha­na­to­prak­ti­ker teilt sich in ei­nen theo­re­ti­schen und prak­ti­schen Teil und schließt mit ei­ner staat­lich an­er­kann­ten Prü­fung ab. Die Theo­rie lernt man in der Re­gel über vier Wo­chen in Düs­sel­dorf und im Bun­des­aus­bil­dungs­zen­trum in Mün­ner­stadt in der Nä­he von Schwein­furt. Die Aus­bil­dung ha­be es in sich, sagt Op­per­mann: „Das ist wie ein klei­nes Me­di­zin­stu­di­um.“

So be­fasst sie sich im Se­mi­nar et­wa mit dem Auf­bau des mensch­li­chen Kör­pers, mit des­sen Or­ga­nen und Mus­keln. Pflicht sei es, die la­tei­ni­schen Na­men für die Be­stand­tei­le des Kör­pers zu ler­nen. Auch über Krank­hei­ten muss sie Be­scheid wis­sen: „Da­von hängt ab, wie ich bei der Be­hand­lung der To­ten vor­ge­hen muss“, sagt Op­per­mann. Der Lern­auf­wand sei nicht zu un­ter­schät­zen: „Wenn man es ernst nimmt, muss man sich schon je­den Abend nach dem Job ei­ne St­un­de hin­set­zen und ler­nen.“

Um prak­ti­sche Er­fah­rung zu sam­meln, müs­se sich je­der Se­mi­nar­teil­neh­mer ei­nen Men­tor su­chen, er­läu­tert Hei­ko Mä­cher­le, Vor­sit­zen­der des Ver­eins De­a­th­ca­re, dem rund die Hälf­te al­ler in Deutsch­land prak­ti­zie­ren­den Tha­na­to­prak­ti­ker an­ge­hört. „Als Men­tor kann je­der aus­ge­bil­de­te Tha­na­to­prak­ti­ker die­nen“, sagt er.

Die Se­mi­nar­teil­neh­mer schau­en ih­rem Men­tor in der Re­gel bei meh­re­ren Be­hand­lun­gen über die Schul­ter. Die Wei­ter­bil­dung dau­ert un­ge­fähr ein bis an­dert­halb Jah­re und ist in der Re­gel be­rufs­be­glei­tend, er­klärt Mä­cher­le.

Am En­de le­gen an­ge­hen­de Tha­na­to­prak­ti­ker ei­ne Prü­fung bei der Hand­werks­kam­mer in Düs­sel­dorf ab, auch ei­ne prak­ti­sche Übung ge­hört zur Prü­fungs­leis­tung. Nicht zu un­ter­schät­zen sei die psy­chi­sche Be­las­tung durch den in­ten­si­ven Kon­takt mit To­ten, sagt Op­per­mann. „Man darf das nicht zu nah an sich her­an­las­sen.“

Auch wenn es in Deutsch­land nur et­wa 100 aus­ge­bil­de­te Tha­na­to­prak­ti­ker gibt, sei die

Ani­ka Op­per­mann Qua­li­fi­ka­ti­on nicht un­be­dingt ge­sucht, sagt Hei­ko Mä­cher­le. „Nur et­wa vier bis fünf Pro­zent der Ver­stor­be­nen wer­den in Deutsch­land ein­bal­sa­miert.“Den­noch kön­ne die Wei­ter­bil­dung bei der Job­su­che von Vor­teil sein: „Je­der Ar­beit­ge­ber ist froh, wenn er ei­nen sol­chen Fach­mann im Hau­se hat.“Die Qua­li­fi­ka­ti­on als Be­stat­ter ste­he aber im Vor­der­grund: „Kein Be­stat­tungs­un­ter­neh­men ver­kauft täg­lich ei­ne tha­na­to­prak­ti­sche Ver­sor­gung.“

Grund­sätz­lich wer­de in Deutsch­land je­der Ver­stor­be­ne hy­gie­nisch ver­sorgt, be­vor er auf­ge­bahrt und da­nach be­er­digt oder ver­brannt wird, sagt Wirth­mann. Tha­na­to­prak­tisch wer­de er nur auf aus­drück­li­chen Wunsch der An­ge­hö­ri­gen ver­sorgt – oder aber dann, wenn er in ein be­stimm­tes Land über­führt wer­den muss, des­sen Ge­set­ze ei­ne sol­che Be­hand­lung vor­schrei­ben.

Im Fall von Ani­ka Op­per­mann über­nimmt ihr Un­ter­neh­men die Kos­ten für die Wei­ter­bil­dung. Das ist je­doch nicht im­mer der Fall. Die Wei­ter­bil­dung ist nicht güns­tig: Mit­glie­der des Bun­des­ver­ban­des BDB zah­len rund 3900 Eu­ro, Nicht­mit­glie­der 400 Eu­ro mehr. Oben drauf kom­men die Kos­ten für Über­nach­tun­gen und An­rei­se.

Ob­wohl sie täg­lich mit dem Tod zu tun hat, macht Ani­ka Op­per­mann ih­re Ar­beit mit Freu­de. „Der Tod ge­hört nun ein­mal zum Le­ben da­zu“, sagt sie. Wich­tig ist ihr vor al­lem eins: „Dass zum Tod auch die Wür­de ge­hört.“

An­ge­hen­de Tha­na­to­prak­ti­ke­rin

FO­TO: GABBERT

Die an­ge­hen­de Tha­na­to­prak­ti­ke­rin Ani­ka Op­per­mann hat den An­spruch, dass je­der To­te ei­nen Ab­schied in Wür­de er­hält.

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