Kahl­fraß in Gär­ten und auf Fried­hö­fen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - REISE&ERHOLUNG - VON CHRIS­TI­AN LINGEN

Der Buchsbaumzünsler sorgt am Schloss Wick­rath und im Bun­ten Gar­ten für gro­ße Schä­den. Ei­ne Be­kämp­fung ist bis­lang un­mög­lich.

Der An­blick ist de­pri­mie­rend. Der Wick­ra­ther Schloss­park, der nor­ma­ler­wei­se durch sei­ne Bo­ta­nik be­sticht, ist zum Schlacht­feld des Buchs­baum­züns­lers ge­wor­den. Der Schäd­ling hat fast al­le Buchs­bäu­me der An­la­ge be­fal­len und sie mas­siv ge­schä­digt. Ein ähn­li­ches Bild bie­tet sich im Bun­ten Gar­ten, auf al­len Fried­hö­fen in der Stadt und auch in Pri­vat­gär­ten. Die bis zu fünf Zen­ti­me­ter lan­gen Rau­pen des ost­asia­ti­schen Fal­ters ha­ben Mön­chen­glad­bach im Griff. Ihn zu be­kämp­fen, ist schier un­mög­lich. Die ein­zi­gen wirk­sa­men Mit­tel sind von der EU ver­bo­ten wor­den, da sie die Um­welt schä­di­gen. Lang­fris­tig könn­te der Buchsbaumzünsler da­für sor­gen, dass die Pflan­ze aus dem Stadt­bild ver­schwin­det.

„Zwi­schen März und Ok­to­ber kön­nen bis zu drei Rau­pen­ge­ne­ra- tio­nen schlüp­fen“, sagt Mags-Spre­che­rin An­ne Pe­ters-Dre­sen. Die Mit­ar­bei­ter der Grün­un­ter­hal­tung sei­en seit Mo­na­ten im Ein­satz ge­gen den Schäd- ling, der sich im­mer wei­ter und im­mer schnel­ler aus­brei­tet. Be­trof­fen sei das gan­ze Stadt­ge­biet. Schon zwei­mal, näm­lich im April und im Mai, sei­en Mit­ar­bei­ter der mags aus­ge­rückt und hät­ten spe­zi­el­le Spritz­mit­tel, die für öf­fent­li­ches Grün zu­ge­las­sen sind, aus­ge­bracht. Ge­bracht hat es nichts. „Der Schäd­ling hält sich hart­nä­ckig und konn­te noch nicht ver­trie­ben wer­den“, sagt Pe­ter­sD­re­sen. Das mer­ken auch Pri­vat­leu­te, die mit Mit­teln aus dem Gar­ten­cen­ter ge­gen den Buchsbaumzünsler vor­ge­hen möch­ten. Hil­fe aus der Na­tur ist nicht zu er­war­ten. Da Buchs­bäu­me gif­tig sind, hat der Buchsbaumzünsler kei­ne Fress­fein­de wie zum Bei­spiel Vö­gel. Auf vie­len Fried­hö­fen sind die Ab­fall­kör­be der­zeit voll mit kahl ge­fres­se­nen Buchs­bäu­men.

Da­bei ist die Ent­sor­gung be­fal­le­ner Buchs­bäu­me gar nicht so ein­fach. Denn auf die­sem We­ge kann sich der Schäd­ling noch wei­ter ver­brei­ten. „Die be­fal­le­nen Buchs­bäu­me soll­ten in Pa­pier­sä­cke ver­packt und über die Bio­ton­ne ent­sorgt wer­den“, rät An­ne Pe­ters-Dre­sen. Auf den Fried­hö­fen stän­den eben­falls ver­schließ­ba­re Con­tai­ner. Ihr De­ckel sol­le ge­schlos­sen blei­ben, da­mit der Züns­ler nicht ent­kom­men kann. Wer sei­nen Buchs­baum ent­fernt und ihn bei den Wert­stoff­hö­fen im Lui­sen­tal oder am Heid- ges­berg ab­ge­ben möch­te, soll­te den Buchs vor­her mit ko­chen­dem Was­ser über­gie­ßen und ihn dann in Pa­pier­sä­cke ver­pa­cken. Drin­gend ab

zu­ra­ten ist da­von, be­fal­le­nen Buchs im hei­mi­schen Gar­ten zu kom­pos­tie­ren. Das kann im schlimms­ten Fall die Wei­ter­ver­brei­tung för­dern, da der Züns­ler erst bei über 50 Grad ab­stirbt.

So­wohl in Pri­vat­gär­ten als auch im öf­fent­li­chen Grün stellt sich die Fra­ge nach Al­ter­na­ti­ven zur im­mer­grü­nen Pflan­ze, die von Fried­hö­fen nicht weg­zu­den­ken ist. Die am häu­figs­ten ge­nann­te Op­ti­on ist der so­ge­nann­te Ilex cre­na­ta, ei­ne Pflan­ze, die dem Buchs­baum täu­schend ähn­lich sieht. Das Pro­blem: Da die Zucht der Pflan­zen­art in Deutsch­land bis­lang noch nicht weit ver­brei­tet ist, sind Ex­em­pla­re von Ilex cre­na­ta nicht bil­lig. „Ers­te Be­rich­te mel­den, dass in Chi­na ein­zel­ne Ex­em­pla­re eben­falls be­reits vom Züns­ler be­fal­len sind“, sagt An­ne Pe­ters Dre­sen. An­de­re Al­ter­na­ti­ven könn­ten da­her Ei­be oder Kir­schlor­beer sein.

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