Ta­schen­lie­be

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON MA­REI VITTINGHOFF

Lan­ge wuss­te Ly­dia Ei­ken­busch nicht, was sie be­ruf­lich ma­chen soll­te. Jetzt ent­wirft und fer­tigt die Tä­sch­ne­rin in ih­rem ei­ge­nen Ge­schäft an der Wall­stra­ße Ta­schen und Gür­tel aus Le­der und re­stau­riert al­te Mo­del­le.

Um­ge­ben von Reiß­ver­schlüs­sen, Farb­tu­ben, Garn und je­der Men­ge far­bi­gem Le­der, das über ei­ne Stan­ge ge­hängt oder auf­ge­rollt im Re­gal auf sei­ne Ver­ar­bei­tung war­tet, steht Ly­dia Ei­ken­busch in der Werk­statt im hin­te­ren Teil ih­res La­dens und legt be­hut­sam die Schnit­tei­le für das In­nen­fut­ter ei­ner Ta­sche zu­recht, an der sie ge­ra­de ar­bei­tet. Die Ta­sche ist ein ganz be­son­de­res Pro­jekt: Ei­ne Kun­din hat­te ei­ne al­te Go­be­lin-Ta­sche in die Ei­ken­buschs Tä­sch­ne­rei ge­bracht, auf der – in­spi­riert von den Wand­tep­pi­chen der Pa­ri­ser Go­be­lin-Ma­nu­fak­tur – ein ge­stick­tes Blu­men­mo­tiv zu se­hen ist. Da die Ta­sche in ih­rer al­ten Form nicht mehr ge­nutzt, die Hand­werks­kunst aber im­mer noch hoch ge­schätzt wird, zau­bert Ly­dia Ei­ken­busch aus schwar­zem Le­der und der Blu­men-Sti­cke­rei nun ein ganz neu­es Stück für ih­re Kun­din.

Seit drei Jah­ren ist Ly­dia Ei­ken­busch mit ih­rer Tä­sch­ne­rei „Ei­kenArt“an der Wall­stra­ße an­säs­sig, wo sie Gür­tel, Rin­ge, Bän­der, Schlüs­sel­an­hän­ger und Ta­schen aus Le­der pro­du­ziert und re­pa­riert. Wer ih­ren klei­nen La­den be­tritt und die vie­len Werk­zeu­ge, Le­der­res­te und klei­nen Skiz­zen sieht, weiß so­fort: Hier wird noch rich­tig mit Lei­den­schaft ge­ar­bei­tet.

Zum Tä­sch­ner­hand­werk ist Ly­dia Ei­ken­busch aber eher durch Zu­fall ge­kom­men. „Ich wuss­te nie ge­nau, was ich be­ruf­lich ma­chen woll­te“, sagt sie. Nach ih­rem Abitur ver­brach­te sie erst drei Jah­re in Eng- land und dann ein Jahr in Ka­na­da. Als sie bei ih­rer Rück­kehr nach Deutsch­land im­mer noch nicht si­cher war, wo­hin es für sie be­ruf­lich ge­hen soll­te, er­zähl­te ihr ei­ne Freun­din von frei­en Aus­bil­dungs­plät­zen bei der Fir­ma Of­fer­mann, ei­ner re­nom­mier­ten Pro­duk­ti­ons­fir­ma für Le­der­wa­ren. In ih­rer drei­jäh­ri­gen Aus­bil­dung zur Fein­täsch­ne­rin lern­te Ly­dia Ei­ken­busch al­les über die Ar­beit mit Le­der: von der Ver­ar­bei­tung der ro­hen Tier­haut und der An­fer­ti­gung von Skiz­zen auf Pap­pe bis zur Her­stel­lung der fer­ti­gen Ta­sche. Das weck­te ih­re Fas­zi­na­ti­on: „Ger­ber ge­hö­ren zu den äl­tes­ten Be­rufs­grup­pen über­haupt. Im Tä­sch­ner-Hand­werk bin ich schließ­lich an­ge­kom­men.“

Ihr Fach­wis­sen wen­det sie seit­dem in ih­rer ei­ge­nen Werk­statt an. An zwei grö­ße­re Pro­jek­te, die ihr aus Städ­ten in ganz Deutsch­land zu­ge­schickt wur­den, er­in­nert sie sich da­bei be­son­ders: „Ein­mal ha­be ich für ei­ne Pro­fes­so­rin für Tier­me­di­zin ei­ne Hun­de-Ta­sche für den Trans­port im Flug­zeug ge­macht. Ein an­de­res Mal schick­te mir ei­ne al­te Da­me ei­ne Kro­ko-Ta­sche, die ich kom­plett re­stau­riert ha­be“, er­zählt Ei­ken­busch.

Wenn Ly­dia Ei­ken­busch selbst Le­der für ih­re Ta­schen ein­kauft, be­stellt sie haupt­säch­lich Rind­le­der bei aus­ge­wähl­ten Händ­lern aus Ita­li­en, Spa­ni­en und Süd­deutsch­land. Al­le kennt sie ent­we­der per­sön­lich oder te­le­fo­nisch und weiß, dass dort nur pflanz­lich ge­gerbt wird. Denn Nach­hal­tig­keit ist ein fes­ter Be­stand­teil ih­rer klei­nen Fir­men­phi­lo­so­phie: „Vie­le Kunst­stof­fe be­nö­ti­gen Öl zur Her­stel­lung und müs­sen auf dem Son­der­müll ent­sorgt wer­den. Gut ge­gerb­tes Le­der zer­setzt sich im Bo­den. Und ei­ne qua­li­ta­ti­ve Le­der­ta­sche hält sich auch ein­fach ver­dammt lan­ge“, sagt Ly­dia Ei­ken­busch be­geis­tert.

Ih­re Lie­be für Alt­be­währ­tes zeigt sich auch in der Aus­stat­tung ih­res La­dens. Dort fin­det man ne­ben ei­nem Apo­the­ker­schrank in dunk­ler Hol­z­op­tik, bunt zu­sam­men­ge­wür­fel­ten Schrän­ken und gol­de­nen Bil­der­rah­men, die Gür­tel­schlie­ßen lie­be­voll prä­sen­tie­ren, ei­ne blaue Näh- und ei­ne grü­ne Schärf­ma­schi­ne aus den 1960/70er Jah­ren. Zeit­lo­sig­keit prägt auch ih­re De­signs: „Ich mag eben Sa­chen ger­ne, die man län­ger mit­neh­men kann und die trotz­dem Pfiff ha­ben“, sagt sie.

Kon­zen­triert schnei­det Ly­dia Ei­ken­busch nun die Reiß­ver­schlüs­se für die In­nen­ta­sche des neu­en Go­be­lin-Uni­kats zu­recht. „Das In­nen­fut­ter der Stü­cke ist häu­fig das Raf­fi­nier­tes­te“, er­klärt sie. „Aber so ei­ne Ta­sche ist doch ein­fach klas­se. Da ist so viel Le­ben drin: Pa­pie­re, ganz per­sön­li­che Sa­chen, oder klei­ne Dinge, die man dort ver­steckt.“

www.Ei­kenArt.de

FO­TO: DET­LEF ILGNER

Ly­dia Ei­ken­busch in ih­rer Werk­statt an der Wall­stra­ße: Dort ge­stal­tet sie aus al­ten Ele­men­ten wie die­ser Blu­men-Sti­cke­rei auch völ­lig neue Ta­schen.

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