Neue Ide­en für die „Dil­the­y­stra­ße“

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR -

Der Fried­hof an der Nord­stra­ße in Rheydt ver­än­dert sich. Zwi­schen zwei mo­nu­men­ta­len Dil­they-Gr­ab­stät­ten ent­steht ein Ge­mein­schafts­grab für Ur­nen. Bild­hau­er Wer­ner Ja­cobs hat für die Flä­che ei­nen Ju­gend­stil-Gr­ab­stein re­stau­riert.

V ON IN­GE SCHNETTLER Noch liegt die Flä­che brach, aber der Gr­ab­stein ist schon da. Es ist ein schö­nes Stück – wie­der. Nach­dem das St­ein­mo­nu­ment 15 Jah­re lang auf dem Bau­hof ge­le­gen hat­te, setz­te der Bild­hau­er Wer­ner Ja­cobs es wie­der zu­sam­men. „Ich muss­te neun Tei­le an­ein­an­der­fü­gen“, sagt er. Dann hat er das Ju­gend­stil­grab­mal, das in der Zeit von 1905 bis 1910 ent­stan­den sein muss, ge­rei­nigt und da­für ge­sorgt, dass die Füll­hör­ner und das Chris­tus­mo­no­gramm im Gie­bel so­wie die üb­ri­gen fei­nen Or­na­men­te wie­der schön zu se­hen sind. Auf dem Are­al zwi­schen den bei­den gro­ßen Dil­they-Gr­ab­stät­ten be­kam es ei­nen si­che­ren Stand. Der evan­ge­li­sche Rhe­ydter Pfar­rer Olaf Nöl­ler kennt das gu­te Stück seit sei­ner Kind­heit: „Ich weiß, dass es vor ei­ner Mau­er ge­stan­den hat, er­in­ne­re mich al­ler­dings nicht ge­nau wo.“Der al­te Fried­hof an der Nord­stra­ße mit­ten in Rheydt ist von et­li­chen Mau­ern um­ge­ben und durch­zo­gen.

Die Flä­che, auf der im Mo­ment nur Gras sprießt, soll gärt­ne­risch ge­stal­tet wer­den. Olaf Nöl­ler hat sich ent­spre­chen­de Bei­spie­le auf Fried­hö­fen in Kassel und Wup­per­tal-Un­ter­bar­men an­ge­schaut. Auch dort wur­den gro­ße, ehe­mals von Fa­b­ri­kan­ten-Fa­mi­li­en ge­nutz­te Gr­ab­stät­ten zu Ge­mein­schafts-Ur­nen­grä­bern um­ge­wid­met. Auf der Flä­che in Rheydt sol­len bis zu 20 Ur­nen Platz fin­den. Die Na­men und Le­bens­da­ten der Ver­stor­be­nen wird Wer­ner Ja­cobs auf der schwar­zen ge­schlif­fe­nen Gra­nit­plat­te ein­gra­vie­ren. „Ich ha­be sie so ein­ge­fügt, dass ich sie her­aus­neh­men und in mei­ner Werk­statt be­ar­bei­ten kann“, sagt der St­ein­bild­hau­er, der so­eben bei der In­ter­na­tio­na­len Gar­ten Aus­stel­lung (IGA) in Ber­lin für sei­ne Gra­nit-Ste­le „Der Wäch­ter“aus­ge­zeich­net wur­de.

Die Be­gräb­nis­kul­tur hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­heb­lich ver­än­dert. Im­mer mehr Men­schen ent­schei­den sich für die Be­stat­tung in ei­ner Ur­ne. „Dem müs­sen wir Rech­nung tra­gen“, sagt Olaf Nöl­ler. Ne­ben den his­to­ri­schen ar­chi­tek­to- ni­schen Gr­ab­mä­lern mit üp­pi­gem Fi­gu­ren­schmuck der rei­chen Rhe­ydter Un­ter­neh­mer­fa­mi­li­en und den klas­si­schen Gr­ab­stät­ten gibt es zu­neh­mend auch mit mo­der­nen Ste­len ge­stal­te­te Grä­ber und Ur­nen­grä­ber in Ra­sen­stü­cken und Ro­sen­flä­chen. Und auch un­ter ei­nem gi­gan­ti­schen Ahorn wird dem­nächst auf ei­ner na­tür­lich an­ge­pflanz­ten Flä­che be­er­digt.

Olaf Nöl­ler geht da­von aus, dass das neue Ur­nenGe­mein­schafts­grab an der „Dil­the­y­stra­ße“gut an­ge­nom­men wer­den wird. „Die An­ge­hö­ri­gen wer­den in ei­nem gut ge­stal­te­ten Rah­men ei­ne fer­ti­ge Flä­che kau­fen, um de- ren Pfle­ge sie sich im An­schluss nicht küm­mern müs­sen.“Im Üb­ri­gen lie­ge die Gr­ab­stät­te mit­ten auf dem Fried­hof. „Das ist ei­ne 1aLa­ge“, sagt der Pfar­rer, der beim Gang über die Haupt- und Ne­ben­we­ge ins Schwär­men ge­rät. Und auch Wer­ner Ja­cobs preist die Schönheit sei­nes Frei­luft-Ar­beits­plat­zes. „Ich ge­nie­ße die fried­li­che At­mo­sphä­re“, sagt er. „Mit­ten in der Stadt gibt es hier die­sen Ort, an dem die Men­schen sich wohl­füh­len kön­nen.“Und ar­bei­ten – wie er und die vie­len Gärt­ner, die da­für sor­gen, dass der Fried­hof zu je­der Jah­res­zeit ei­ne Au­gen­wei­de ist.

„Ich weiß, dass das Ju­gend­stil-Gr­ab­mal vor ei

ner Mau­er stand“

Olaf Nöl­ler

ev. Pfar­rer Rheydt

RP-FOTOS: HANS-PE­TER REICHARTZ

Pfar­rer Olaf Nöl­ler (l.) und St­ein­bild­hau­er Wer­ner Ja­cobs ste­hen auf der Flä­che, die frü­her die Gr­ab­stel­le ei­ner Rhe­ydter Fa­b­ri­kan­ten­fa­mi­lie be­her­berg­te. Hier ent­steht vor dem re­stau­rier­ten Ju­gend­stil­stein ein schön be­pflanz­tes Ge­mein­schafts­grab für bis zu 20 Ur­nen.

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