Klein­tei­li­ger Han­del für Ober­stadt, Was­ser als ver­bin­den­des Ele­ment

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - UNTERHALTUNG - VON JAN SCHNETTLER

Der Rahmenplan Ab­tei­berg be­ant­wor­tet die lan­ge un­ge­klär­te Fra­ge, wie die obe­re Hin­den­burg­stra­ße in Zu­kunft aus­se­hen soll. Und: Zahl­rei­che mit­ein­an­der ver­bun­de­ne Ge­wäs­ser könn­ten bald die Ci­ty prä­gen.

Bau­de­zer­nent Gre­gor Bo­nin wählt dras­ti­sche Wor­te. Die In­nen­stadt wer­de mit­tel­fris­tig „ster­ben“, wenn es nicht ge­lin­ge, sie at­trak­tiv um­zu­ge­stal­ten. Da­zu die­nen soll, wie be­reits be­rich­tet, der Rahmenplan Ab­tei­berg. In der Be­zirks­ver­tre­tung Nord stell­te Bo­nin das um­fang­rei­che Pl­an­werk nun im Brust­ton der Über­zeu­gung der Po­li­tik vor. Ins­be­son­de­re zwei­er­lei wur­de da­bei deut­lich: Die Ver­wal­tung hat nun end­lich ei­ne Ant­wort auf die seit Jah­ren of­fe­ne Fra­ge, wie es mit der Ober­stadt wei­ter­ge­hen soll, for­mu­liert. Und ne­ben dem Fo­kus auf der Qua­li­tät von Grün­zü­gen soll ins­be­son­de­re Was­ser ei­ne wich­ti­ge Rol­le im künf­ti­gen Stadt­bild spie­len.

Han­del Der Rahmenplan sieht vor, die Hin­den­burg­stra­ße im obe­ren Be­reich künf­tig schma­ler zu ge­stal­ten. Dies sei auch The­ma bei ei­nem Ar­chi­tek­ten­work­shop im ver­gan­ge­nen Herbst ge­we­sen. Man se­he ei­ne „Zwei­tei­lung der Hin­den­burg­stra­ße“vor: im obe­ren Be­reich durch­aus noch Han­del, aber „klein­tei­li­ger, in­ha­ber­ge­führt, ex­pe­ri­men­tel­ler“. Ket­ten und pu­bli­kums­in­ten­si­ve An­bie­ter wür­den sich zwi­schen Min­to und Haupt­bahn­hof kon­zen­triert. Der Er­folg von Al­ber­to, so Bo­nin, ha­be ge­zeigt, dass Han­del dort oben wei­ter er­folg­reich sein kön­ne: „Das hat be­reits wei­te­re Nach­fra­gen ge­ne­riert.“Über die EWMG, die meh­re­re Ge­bäu­de auf­ge­kauft hat, mit Blick auf den ge­plan­ten Durch­stich zum Mu­se­um, kön­ne man Mie­ten zu ei­nem ge­wis­sen Grad steu­ern. Da­mit for­mu­liert die Stadt ei­ne kla­re An­sa­ge an die Ein­zel­händ­ler im Um­feld von obe­rer Hin­den­burg-, Wall- und Kri­chel­stra­ße, die sich im­mer wie­der be­klagt hat­ten, dass man nicht wis­se, wie es dort künf­tig wei­ter­ge­hen soll. Aus Sicht der Pla­ner, so Bo­nin wei­ter, ha­be sich die im Pi­lot­zu­stand be­find­li­che Bus­lö­sung (Bus­ver­kehr auf der Hin­den­burg­stra­ße nur noch berg­auf) be­währt und sol­le dau­er­haft ein­ge­rich­tet wer­den.

Was­ser Das „blaue Band“, die stär­ke­re Be­to­nung von Was­ser im Stadt­bild zwi­schen dem noch zu schaf­fen­den See in der Ci­ty Ost (den Bo­nin neu­er­dings als „Ost­see“be­zeich­net) und dem Ge­ro­wei­her, soll Iden­ti­tät stif­ten. „Es wird nicht über­all ge­lin­gen, den Glad­bach wie­der aus­zu­gra­ben, aber wir wol­len das The­ma Was­ser und Ge­wäs­ser, in un­ter­schied­li­chen Au­s­prä­gun­gen, stär­ker spie­len“, sag­te Bo­nin. So sieht der Rahmenplan Ab­tei­berg et­wa vor, auf der Lü­pert­zen­der Stra­ße of­fe­ne und halb­of­fe­ne Was­ser­läu­fe, un­ter­bro­chen durch Klein­brü­cken­bau­wer­ke für den Fuß- und Rad­ver­kehr, zu eta­blie­ren. Die Zu- gäng­lich­keit zum Was­ser soll ganz be­wusst an ei­ni­gen Stel­len durch Sitz­mög­lich­kei­ten und Stu­fen ge­währ­leis­tet wer­den, so dass Frei­räu­me zum Ver­wei­len ent­ste­hen. Ei­ne wei­te­re Idee ist, wie be­reits be­rich­tet, ei­ne Art Was­ser­trep­pe auf der dann ver­eng­ten Hin­den­burg­stra­ße zwi­schen ehe­ma­li­ger Stadt­mau­er und Min­to. Zen­trals­tes Ge­wäs­ser in den Pla­nun­gen ist aber der Ge­ro­wei­her, der, wie­der auf sei­ne ur­sprüng­li­chen Di­men­sio­nen aus­ge­wei­tet, den heu­ti­gen Park­platz mit ein­schlös­se. Da­zu hat der Bau­aus­schuss im ver­gan­ge­nen Jahr bei ei­ner Ex­kur­si­on nach s’Her­to­gen­bosch be­reits Er­kun­di­gun­gen ein­ge­holt. Bo­nin warb da­für, am Ufer die­ses Sees tem­po­rä­ren „Strand­nut­zun­gen“wie frü­her auf der Bleich­wie­se Mög­lich­kei­ten zu er­öff­nen. Aus­druck des neu­en städ­ti­schen Selbst­be­wusst­seins: Soll­te un­ter ei­nem sol­chen See tat­säch­lich, wie in s’Her­to­gen­bosch, ei­ne Tief­ga­ra­ge ge­baut wer­den, „soll­ten wir dies als Kon­zern Stadt selbst rea­li­sie­ren und sie spä­ter auch be­wirt­schaf­ten“. Die EWMG sei da­zu ab­so­lut in der La­ge.

Ver­bind­lich­keit Die Stadt­pla­ner wol­len den Rahmenplan Ab­tei­berg als städ­te­bau­li­che Leit­li­nie für die nächs­ten Jah­re ver­stan­den wis­sen. Dies hei­ße aber nicht, dass da­mit au­to­ma­tisch und so­fort der Start­schuss für et­wai­ge Ab­ris­se ver­bun­den sei – wie man es et­wa für das Ar­beits­lo­sen­zen­trum oder die An­tonHei­nen-Schu­le aus dem Plan her­aus­le­sen könn­te, wenn man nur woll­te. „Wir woll­ten nur ab­so­lut oh­ne Denk­ver­bo­te vor­ge­hen und zei­gen, was mach­bar ist.“

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