Ei­ne Aus­stel­lung wächst und ge­deiht

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR - VON INGE SCHNETTLER

Wu­chern­de Mi­kro­or­ga­nis­men, schwim­men­de Was­ser­lin­sen, Pflan­zen­ab­rieb und von der Na­tur ge­zeich­ne­te Blät­ter: Die Aus­stel­lung „Flo­ra­le Trans­for­ma­ti­on“im Ru­dolf Boet­ze­len Si­lo lebt von der Ve­rän­de­rung. Das ist Ab­sicht.

Die­se Aus­stel­lung wird nicht blei­ben, wie sie ist. Ob­jek­te wer­den über sich hin­aus­wach­sen, wo­mög­lich wer­den Blü­ten sprie­ßen, Ge­mal­tes wird sei­ne Far­be ver­än­dern. Die­se Pro­zes­se sind vor­ge­ge­ben in der neu­en Prä­sen­ta­ti­on im Si­lo der Ru­dolf Boet­ze­len Hö­fe an der Kün­kel­stra­ße. „Flo­ra­le Trans­for­ma­ti­on“heißt sie, ku­ra­tiert hat sie ein Stu­dent der Kunst­ge­schich­te, Wil­ko Aus­ter­mann aus Düs­sel­dorf. Er wähl­te das The­ma Pflan­zen und fand sie­ben Künst­ler, die sich des­sen an­nah­men. „Es sind sehr un­ter­schied­li­che Ar­bei­ten ent­stan­den, die auf die­sem be­son­de­ren Raum re­agie­ren, sei­nen Reiz aus­kos­ten“, sagt Aus­ter­mann.

Mar­tin Schwenks Bei­trä­ge do­mi­nie­ren durch ih­re mas­si­ve Prä­senz den un­te­ren Raum des Si­los. Zu se­hen sind ein Baum und ei­ne Wur­zel. Bei­de sind al­ler­dings al­les an­de­re als na­tür­lich. Sie be­ste­hen aus Po­ly­ure­than­schaum und Po­ly­es­ter, Ma­te­ria­li­en, die auf dem Bau und im Hand­werk Ver­wen­dung fin­den. Aus Edel­stahl und Acryl­glas sind der Stamm und die Äs­te des Baums ge­stal­tet. Wo­mög­lich as­so­zi­iert er des­halb mensch­li­che oder tie­ri­sche in­ne­re Or­ga­ne, die mit­tels Infu­si­on am Le­ben er­hal­ten wer­den.

Im Ent­ste­hen be­grif­fen ist die Wand­ar­beit von Andreas Gr­ei­ner. Er hat ein gro­ßes Stück Baum­woll­nes­sel mit Mi­kro­or­ga­nis­men ver­se­hen, die seit­dem ein Ei­gen­le­ben ent­wi­ckeln. Das Gan­ze ist in Fo­lie ver­schweißt. Mal se­hen, was dar­aus wird. Da­vid Sem­pers stil­le Ar­beit ist eben­falls ei­ne, die sich erst ent­wi­ckelt. Mit Pflan­zen­ab­rieb hat er ei­ne waa­ge­rech­te Reiß­na­del­li­nie be­ar­bei­tet, der Saft von Efeu­blät­tern sorgt für farb­li­che Ve­rän­de­run­gen. Gleich um die Ecke zei­gen acht Fo­to­gra­fi­en des Künst­lers Mart­hin Ro­zo aus Ko­lum­bi­en, wie die Na­tur von der Na­tur ge­zeich­net wird. Die Blät­ter un­ter­schied­lichs­ter Bäu­me tra­gen bi­zar­re Zeich­nun­gen, die In­sek­ten auf ih­nen hin­ter­las­sen ha­ben.

Ein Kunst­werk in der un­te­ren Eta­ge des Si­los könn­te über­se­hen wer­den. Soll­te es aber nicht. Da­vid Hahl­brock hat Äs­te, die er bei sei­nen aus­ge­dehn­ten Spa­zier­gän­gen ge- fun­den hat, zu ei­nem me­ter­lan­gen Stock zu­sam­men­fügt. Die­ser schwebt ein paar Zen­ti­me­ter über dem Bo­den, geht durch die De­cke in den ers­ten Stock und ver­schwin­det dort auch wie­der in der De­cken­kon­struk­ti­on. Das leich­te Hin und Her des „Stock­sta­pels“, wie er die Ar­beit nennt, macht auf ihn auf­merk­sam.

Von Da­vid Hahl­brock stammt auch ei­ne der auf­se­hen­er­re­gends­ten Ar­bei­ten der Aus­stel­lung. Sechs Pas­si­ons­blu­men in schwar­zen Kü­beln hat er mit­tels Alu­mi­ni­um­stan­gen zu­sam­men­ge­führt. Im of­fe­nen Kreis da­zwi­schen lie­gen zwei Pflan­zen­leuch­ten, die das Wachs­tum be­schleu­ni­gen sol­len. „Wir hof­fen, dass die Ar­beit bis zum En­de der Aus­stel­lung kom­plett zu­ge­wach­sen ist“, sagt Wil­ko Aus­ter­mann.

Auf drei groß­for­ma­ti­gen Chi­na­pa­pier­bö­gen, die von der De­cke her­ab­hän­gen, hat Thi­mo Fran­ke flo­ra­le For­men aus grü­nem Al­gen­farb­stoff ge­malt. „Auch die­se Or­na­men­te sind in stän­di­ger Ve­rän­de­rung be­grif­fen, weil es sich um ein or­ga­ni­sches Ma­te­ri­al han­delt“, sagt der Ku­ra­tor. Sehr fein, sehr an­mu­tig ist die Ar­beit der chi­ne­si­schen Künst­le­rin Ke Li: In ei­nem fla­chen qua­dra­ti­schen Be­cken aus Po­ly­est­er­harz, das auf ei­nem Spie­gel plat­ziert und mit Was­ser ge­füllt ist, schwim­men Was­ser­lin­sen auf der Ober­flä­che. Sie wer­den wäh­rend der Aus­stel­lung wach­sen und ih­re Po­si­tio­nen stän­dig ver­än­dern. Span­nend.

„Flo­ra­le Trans­for­ma­ti­on“des Kunst­ver­eins MMIII wird mor­gen, 10. Ju­ni, um 19.30 Uhr im Ru­dolf Boet­ze­len Si­lo an der Kün­kel­stra­ße 125 mit ei­ner Ein­füh­rung von Wil­ko Aus­ter­mann er­öff­net. Die Aus­stel­lung ge­hört zu ei­nem drei­tei­li­gen Pro­jekt in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Kre­fel­der Kunst­ver­ein im Busch­hü­ter­haus am West­wall 124 und dem An­ti­ch­am­bre Ho­tel Fri­ends an der Wor­rin­ger­stra­ße 94-96 in Düs­sel­dorf.

Er­mög­licht wur­de das Pro­jekt durch die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung des städ­ti­schen Kul­tur­amts, des Kul­tur­amts Düs­sel­dorf und des Fach­mi­nis­te­ri­ums des Lan­des.

Der Ku­ra­tor Wil­ko Aus­ter­mann ne­ben den Pas­si­ons­blu­men von Da­vid Hahl­brock. Man kann den Pflan­zen beim Wach­sen zu­se­hen.

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