In Rhe­ydt wer­den Wün­sche wahr – auch Hu­gos Haus?

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON AN­GE­LA RIETDORF

RHE­YDT Über man­geln­des In­ter­es­se kön­nen sich die Or­ga­ni­sa­to­ren nicht be­kla­gen. Der Raum in der Fa­mi­li­en­bil­dungs­stät­te, in dem die Stadt­teil­kon­fe­renz tagt, ist voll und wird im­mer vol­ler. Stän­dig müs­sen neue Stüh­le, zum Schluss so­gar Ho­cker an­ge­schleppt wer­den. Bür­ger und In­ter­es­sen­grup­pen wol­len sich für ihr Rhe­ydt en­ga­gie­ren, so viel ist klar. Sie wol­len hö­ren und se­hen, was ge­sche­hen ist, noch ge­sche­hen wird und vi­el­leicht ge­sche­hen kann. Und sie wol­len mit­ma­chen.

Tat­säch­lich ist schon viel in Be­we­gung ge­ra­ten in Rhe­ydt, wo das zwei­te Herz der Stadt schlägt und ge­ra­de ei­ner Stär­kungs­kur un­ter­zo­gen wird. Quar­tiers­ma­na­ge­rin Bir­te Jür­gens stellt die Er­geb­nis­se der Wunsch­baum­ak­ti­on vor, ei­ner Aktion, die auf über­ra­schend viel Re­so­nanz stieß. Rund 600 Wün­sche ha­ben Bür­ger auf Auf­kle­ber ge­schrie­ben und am Baum be­fes­tigt. Die Rhe­ydter wün­schen sich: die Mo­der­ni­sie­rung des Bahn­hofs, die Be­le­bung der Haupt­stra­ße durch in­ha­ber­ge­führ­te Lä­den, mehr Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen in der In­nen­stadt, mehr Spiel­ge­rä­te auf dem Har­mo­nie­platz, mehr Po­li­zei­prä­senz, mehr Grün, mehr Sau­ber­keit, we­ni­ger Leer­stän­de. Die Wün­sche wer­den ge­sam­melt, sor­tiert, be­ar­bei­tet und wei­ter­ge­lei­tet, aber sie sol­len nicht ir­gend­wo ver­stau­ben. Was schnell um­zu­set­zen ist, wird auch di­rekt und un­bü­ro­kra­tisch an­ge­gan­gen. Da müs­sen die Rhe­ydter noch nicht mal bis Weih­nach­ten war­ten. Die Re­ak­ti­vie­rung des Glo­cken­spiels am Ma­ri­en­platz zum Bei­spiel. Da­zu hat sich ei­ne Initia­ti­ve ge­grün­det, die vom Quar­tiers­ma­nage­ment un­ter­stützt wird. „Das Glo­cken­spiel ist noch in­takt, aber die Steue­rung ist de­fekt“, sagt Jür­gens. Ei­ne Re­pa­ra­tur könn­te schnell er­fol­gen. Im Au­gen­blick wer­den Au­dio-Auf­nah­men des Glo­cken­spiels von 1958 ge­sucht. Vi­el­leicht er­klingt es bald wie­der.

Zur Be­le­bung der Haupt­stra­ße trägt zum Bei­spiel der Roll­markt bei, die Ska­ter­hal­le, die in die Räu­me der ehe­ma­li­gen Kik-Fi­lia­le am obe­ren En­de der Haupt­stra­ße ge­zo­gen ist. Da­vid Su­ha­ri, Vor­sit­zen­der des Ver­eins Roll­bret­tuni­on, der das gan­ze Pro­jekt in Re­kord­zeit ins Rol­len ge­bracht hat, zieht ei­ne aus­ge­spro­chen po­si­ti­ve Zwi­schen­bi­lanz. „Wir ha­ben seit zehn Ta­gen ge­öff­net. An­fangs ka­men zwi­schen 60 und 70 Kids, jetzt sind es schon 100 am Tag“, sagt er. „Un­se­re Be­su­cher kom­men in­zwi­schen auch aus Köln und Düs­sel­dorf.“Das An­ge­bot des Roll­markts ist erst ein­mal auf sechs Mo­na­te be­fris­tet. Ei­ne Ver­län­ge­rung sei wohl mög­lich, so Su­ha­ri, al­ler­dings nur so lan­ge, bis klar ist, was mit dem gan­zen Kom­plex ge­sche­hen soll.

Das Bei­spiel zeigt, wie schnell gu­te Ide­en um­ge­setzt wer­den kön­nen. „En­ga­ge­ment ver­setzt Ber­ge“, stellt Kers­tin Rau-Bert­hold von der Fa­mi­li­en­bil­dungs­stät­te fest, die Mo­de­ra­to­rin des Abends. Auch an­de­re krea­ti­ve For­men der Zwi­schen­nut­zung er­wei­sen sich als er­folg­reich. Die Schau­zeit, in der jun­ge Künst­ler, De­si­gner oder Start-ups sich in leer­ste­hen­den La­den­lo­ka­len prä­sen­tie­ren kön­nen, geht im Sep­tem­ber in die nächs­te Run­de. Und das TamTam im Thea­ter­park, die Aktion für Kin­der und Fa­mi­li­en im Mai, wur­de von den Stadt­pla­nern ge­nutzt, um die Kin­der nach ih­ren Vor­stel­lun­gen von at­trak­ti­ven Spiel­plät­zen zu be­fra­gen. Die Um­ge­stal­tung des Thea­ter­parks sei das Pro­jekt, das jetzt schnell Fahrt auf­neh­men sol­le, so die an­we­sen­de Stadt­pla­ne­rin.

Ein neu­es Pro­jekt mit Po­ten­zi­al stellt Quar­tiers­ma­na­ger Mar­kus Of­fer­mann vor: Hu­gos Haus. Im Haus Nr. 16 an der Haupt­stra­ße in Rhe­ydt er­blick­te der Er­fin­der und Kon­struk­teur Hu­go Jun­kers vor mehr als 150 Jah­ren das Licht der Welt. „Hier soll ein Ort der His­to­rie, aber auch der Krea­ti­vi­tät ent­ste­hen“, er­klärt Of­fer­mann. „Die­se Idee könn­te zu ei­nem rich­tig gro­ßen Pro­jekt wer­den.“

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