Tas­ten­künst­ler Je­an Ron­deau im Meis­ter­kon­zert

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR - VON CHRIS­TI­AN OS­CAR GAZSI LAKI

Das Cha­ris­ma des Fran­zo­sen ist auf der fein­sin­ni­gen, lei­sen und in­tro­ver­tier­ten Sei­te zu su­chen.

Son­der­bar wirkt er schon, der jun­ge Tas­ten­künst­ler Je­an Ron­deau, als er mit in sich ge­kehr­ter Kör­per­hal­tung auf der Büh­ne der Kai­ser-Fried­richHal­le zu sei­nem Cem­ba­lo schleicht – ver­se­hen mit äu­ße­ren At­tri­bu­ten ei­nes Hips­ters – zu de­nen der Bart und ein ent­spre­chend läs­si­ger Klei­dungs­stil ge­hö­ren.

Ist durch­aus auch das Klas­sik­ge­schäft auf den op­ti­schen Reiz sei­ner Stars be­dacht, so macht den Zau­ber – ne­ben der Kunst­fer­tig­keit – vor al­lem das Cha­ris­ma der Künst­ler aus. Das Cha­ris­ma des Fran­zo­sen ist aber – im Ge­gen­satz zu vie­len sei­ner gleich­alt­ri­gen Kol­le­gen – eher auf der fein­sin­ni­gen, lei­sen, in­tro­ver­tier­ten Sei­te zu su­chen. Fast als wol­le der mit vie­len Prei­sen de­ko­rier­te Cem­ba­list, Pia­nist, und Uni­ver­sal­mu­si­ker, der sich auch auf die Kunst der Im­pro­vi­sa­ti­on ver­steht, sein In­ne­res hin­ter ei­nem strup­pi­gen Äu­ße­ren ver­ber­gen.

Be­reits im ers­ten Teil des Kon­zerts, das sich dem Cem­ba­lo wid­met, wird ei­nes deut­lich: Hier spielt ein Äs­t­het, ein sich in je­den Ton, je­de Phra­se hin­ein­ge­nie­ßen­der Fi­li­gran­künst­ler. Nebst der be­rühm­ten Cha­conne aus BWV 1004, für Tas­ten von Brahms ge­setzt, und aus Je­anPhil­ip­pe Ra­me­aus Sui­te a-Moll „Ga­vot­te avec six Dou­bles“, kon­zen­triert sich Ron­deau auf Do­me­ni­co Scar­lat­tis So­na­ten.

Ak­zen­te und mu­si­ka­li­sche For­mung ge­lin­gen Ron­deau durch feins­te Nuan­cen in der rhyth­mi­schen Aus­deu­tung. Kaum merk­li­che klei­ne Pau­sen lie­fern Be­to­nun­gen, die durch Tas­ten­druck und An­schlag beim Cem­ba­lo nicht va­ri­ier­bar sind. Da­bei ist er stets aus­ge­spro­chen ge­schmack­voll.

Doch auch im zwei­ten Teil des Kon­zerts bleibt er re­du­ziert. Hier ste­hen Im­pro­vi­sa­tio­nen auf dem Pro­gramm. Das Cem­ba­lo tauscht er ge­gen ei­nen Flü­gel, und zur ba­ro­cken Kunst ge­sellt er ei­ne Rei­se durch sei­ne As­so­zia­ti­ons-Welt. Aus der – ne­ben Mi­ni­mal Mu­sic – auch Jaz­zi­ges durch sei­ne Me­di­ta­tio­nen über The­men von Bach, Ra­meau und Scar­lat­ti floss. Wenn man Vir­tuo­si­tät er­war­tet, klin­gen sei­ne Im­pro­vi­sa­tio­nen brav. Als sä­ße ein jazz-af­fi­ner Mu­si­ker le­ger am Kla­vier und lie­ße sei­ne Ge­dan­ken un­ge­fil­tert in die Tas­ten wan­dern. An die­sem Ein­druck än­dert sei­ne Im­pro­vi­sa­ti­on über Jazz­le­gen­de Mon­ks „Round Mid­ni­ght“nichts. Durch­weg spürt man aber, dass hier ein Kön­ner am Werk ist.

Für fre­ne­ti­schen Ap­plaus oder der For­de­rung nach Zu­ga­ben, reich­te das lei­der nicht.

FOTO:EDOUARD BRESSY

Der jun­ge fran­zö­si­sche Mu­si­ker Je­an Ron­deau.

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