Al­le Bus­hal­te­stel­len wer­den um­ge­baut

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON ANDRE­AS GRUHN

Mehr als 500 Bus­hal­te­stel­len im Stadt­ge­biet müs­sen ei­gent­lich bis 2022 bar­rie­re­frei sein. Doch das ist kaum mehr zu schaf­fen. Des­halb wird der Um­bau nach Prio­ri­tät ab­ge­ar­bei­tet, und die legt der Nah­ver­kehrs­plan fest.

Die Hil­dera­ther Stra­ße in Rhein­dah­len hat ei­ne ech­te Be­son­der­heit: Der dor­ti­ge Bus­bahn­hof ge­hört zu den we­ni­gen Bus­hal­te­stel­len im Stadt­ge­biet, die be­reits bar­rie­re­frei sind. Bus­bord­stei­ne, elek­tro­ni­sche Fahr­plan­an­sa­gen und mehr sor­gen seit dem Um­bau im ver­gan­ge­nen Jahr da­für, dass Fahr­gäs­te mit Be­hin­de­run­gen die Hal­te­stel­le pro­blem­los nut­zen kön­nen. Ge­nau­so sol­len ei­gent­lich al­le Hal­te­stel­len im ge­sam­ten Stadt­ge­biet bis Ja­nu­ar 2022 aus­ge­baut sein, so ver­langt es das Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz. Doch der voll­stän­di­ge bar­rie­re­freie Aus­bau in vier­ein­halb Jah­ren ist kaum mehr mög­lich, das wird in den letz­ten Be­ra­tun­gen des Nah­ver­kehrs­plans deut­lich. Der Plan soll An­fang Ju­li ver­ab­schie­det wer­den. „In Mön­chen­glad­bach gibt es über 500 Hal­te­stel­len mit über 1000 Hal­te­stel­len­po­si­tio­nen. Es müss­ten al­so 50 bis 100 Hal­te­stel­len pro Jahr aus­ge­baut wer­den“, sag­te Timo Bar­wisch vom Bü­ro Plan­mo­bil den Po­li­ti­kern der Be­zirks­ver­tre­tun­gen. Das Bü­ro er­stellt den Nah­ver­kehrs­plan und hat da­für auch al­le Bus­hal­te­stel­len un­ter die Lu­pe ge­nom­men.

Nach Ein­schät­zung der Stadt wa­ren zum Jah­res­wech­sel erst 21 der 500 Hal­te­stel­len bar­rie­re­frei nutz­bar. Wei­te­re 53 wa­ren zu­min­dest teil­wei­se bar­rie­re­frei, dort rei­chen ge­rin­ge An­pas­sun­gen. 23 wei­te­re Hal­te­stel­len sind in För­der­pro­gram­me in­te­griert und ge­neh­migt. Ins­ge­samt, so die Kal­ku­la­ti­on, kä­me man dann auf gut 100 bar­rie­re­freie Hal­te­stel­len – le­dig­lich ein knap­pes Fünf­tel.

Der Rest ist im vom Ge­setz vor­ge­ge­be­nen Zei­t­raum kaum mach­bar. Ei­ne Frist­ver­län­ge­rung ist aber nach Ein­schät­zung des Pla­nungs­bü­ros mög­lich, so­fern ei­ne ent­spre­chen­de Pla­nung vor­liegt. Und die ist im Nah­ver­kehrs­plan und Hal­te­stel­len­um­bau­pro­gramm auf­ge­führt: Dort wer­den die Bus­hal­te­stel­len in der Stadt in fünf Ka­te­go­ri­en un­ter­teilt – je nach An­zahl der ein- und aus­stei­gen­den Fahr­gäs­te und der Bus­li­ni­en. In die wich­tigs­te Ka­te­go­rie ent­fal­len der Eu­ro­paplatz (37.500 Ein- und Aus­stie­ge pro Tag), Ma­ri­en­platz (20.000), Ga­le­ria Kauf­hof (5500), Al­ter Markt und Bis­marck­platz (je­weils 5300) und Rhe­ydt Haupt­bahn­hof (4200) – wo­bei dort noch nicht die nur ein­spu­ri­ge Be­fah­rung der Hin­den­burg­stra­ße be­rück­sich­tigt

Timo Bar­wisch ist. Zum Ver­gleich: Die am we­nigs­ten ge­nutz­ten Hal­te­stel­len sind Bungt (elf Ein- und Aus­stie­ge am Tag) und Flug­ha­fen Ter­mi­nal (acht). Für den Eu­ro­paplatz ist we­gen des Neu­baus am Stand­ort von Haus West­land oh­ne­hin ei­ne völ­lig neue Pla­nung vor­ge­se­hen.

Ei­ne Hal­te­stel­le ist dann bar­rie­re­frei, wenn sie min­des­tens ei­nen stu­fen­frei­en Ein­stieg er­mög­licht be­zie­hungs­wei­se stu­fen­frei er­reich­bar ist (das Um­stei­gen muss ja auch mög­lich sein) und ei­ne weit­ge­hend durch­gän­gi­ge Ori­en­tier­bar­keit für Blin­de, Seh­be­hin­der­te und Ge­hör­lo­se er­mög­licht. So heißt es im Nah­ver­kehrs­plan. Da­für muss et­wa der Bord­stein auf 16 Zen­ti­me­ter an­ge­ho­ben wer­den, kon­tras­tie­ren­de, tak­ti­le und akus­ti­sche Ori­en­tie­rungs­hil­fen wie Tast­strei­fen und Ein­stiegs­mar­kie­run­gen müs­sen an­ge­bracht sein – ne­ben ei­ner gan­zen Rei­he wei­te­rer Be­din­gun­gen.

Dies ist na­tür­lich mit ho­hen Kos­ten ver­bun­den, al­ler­dings wer­den die auch stark ge­för­dert. Den Um­bau des Bus­bahn­hofs Hil­dera­ther Stra­ße för­der­te der VRR et­wa mit 85 Pro­zent (150.000 Eu­ro blie­ben bei der Stadt). Die Aus­stat­tung von neun Bus­hal­te­stel­len mit akus­ti­schen Fahr­gast­in­for­ma­tio­nen per Sprach­com­pu­ter in die­sem Jahr kos­te­te 500.000 Eu­ro, ei­nen Teil trug auch in die­sem Fall der VRR. Die­se Hal­te­stel­len sind mit ei­nem Knopf aus­ge­stat­tet, der mit ei­nem Auf­fin­de­ton auf sich auf­merk­sam macht – wie ei­ne Am­pel­an­la­ge.

Auch wenn die Frist zum Um­bau ver­län­gert wer­den könn­te, geht das Bü­ro Plan­mo­bil da­von aus, dass zu­sätz­li­ches Per­so­nal not­wen­dig ist, um die künf­tig hö­he­ren För­der­mit­tel ab­schöp­fen zu kön­nen: „Durch ei­nen schnel­le­ren Aus­bau wird spä­te­ren Kla­gen we­gen Män­geln der Bar­rie­re­frei­heit vor­ge­beugt.“

„Es müss­ten 50 bis 100 Hal­te­stel­len pro Jahr aus­ge­baut wer­den“

Bü­ro Planmp­bil

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.