ANA­LY­SE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

In Deutsch­land hat ein klei­ner Wett­lauf zwi­schen Uni­on und SPD be­gon­nen. Wel­cher Par­tei kann der neue fran­zö­si­sche Prä­si­dent eher zu neu­em Glanz ver­hel­fen?

Schulz‘ Füh­rung – wird Ma­cron al­so ein hoff­nungs­vol­ler wie har­ter Part­ner. Noch aber wird der 39-jäh­ri­ge Po­li­ti­kAuf­stei­ger bei­der­seits für das Klein­Klein des deut­schen Wahl­kampfs aus­ge­schlach­tet. So twit­ter­te SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz: „Freue mich über das gu­te Er­geb­nis für @Em­ma­nu­elMa­cron. Um Eu­ro­pa zu re­for­mie­ren, brau­chen wir im Sep­tem­ber auch in Deutsch­land den Wech­sel!“Die Ant­wort von Fi­nanz­staats­se­kre­tär Jens Spahn (CDU) ließ nicht lan­ge auf sich war­ten. Er schrieb auf Twit­ter zu­rück: „Ma­cron plant üb­ri­gens ge­nau die Li­be­ra­li­sie­rung für fran­zö­si­schen Ar­beits­markt, die Sie in Deutsch­land zu­rück­dre­hen wol­len. Sie fin­den Re­for­men nur wo­an­ders gut?“

Wenn Ma­cron, wie es sich der­zeit ab­zeich­net, mit dem kom­men­den Wahl­sonn­tag tat­säch­lich die ab­so­lu­te Mehr­heit er­ringt und da­mit ei­ne er­heb­li­che Macht­fül­le auf sich ver­eint, wird dies den Um­gang zwi­schen Ber­lin und Pa­ris auch nicht ver­ein­fa­chen. Ma­cron kann dann tat­säch­lich po­li­tisch durch­grei­fen und all sei­ne Plä­ne um­set­zen. Im Um­kehr­schluss steht er un­ter ei­nem gi­gan­ti­schen Er­folgs­druck.

Of­fen ist, wel­che Rol­le Ma­cron im deut­schen Wahl­kampf spie­len wird. Ma­cron war Mit­glied der So­zia­lis­ten, was in Deutsch­land am ehes­ten der SPD ent­spricht. Weil er sei­ne Ar­beits­markt­re­for­men als Wirt­schafts­mi­nis­ter nicht durch­be­kam, trat er aus und grün­de­te sei­ne ei­ge­ne Be­we­gung. Vie­len sei­ner frü­he­ren Par­tei­freun­de gilt er als Neo­li­be­ra­ler. Setzt er nun zu­erst die an­ge­kün­dig­ten Ar­beits­markt­re­for­men in Gang, wird eher die Uni­on glaub­haft ma­chen kön­nen, dass sie mit die­sem neu­en Prä­si­den­ten und Mer­kel als Kanz­le­rin die EU vor­an­brin­gen kann.

Soll­te er aber of­fen­siv be­reits im deut­schen Wahl­kampf ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche In­ves­ti­tio­nen ein­for­dern, setzt er da­mit Mer­kel un­ter Druck. Für die Kanz­le­rin muss das im Wahl­kampf den­noch nicht ne­ga­tiv aus­ge­hen – je nach­dem, wie ge­schickt sie den ei­ge­nen Wäh­lern glaub­haft macht, dass nicht zu viel deut­sches Steu­er­geld in eu­ro­päi­sche In­ves­ti­tio­nen flie­ßen soll.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.