Wenn die „Au­to­be­klopp­ten“über „Trai­ler-Queens“fach­sim­peln

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON SI­GRID BLOMEN-RA­DER­MA­CHER

NORD­PARK Er­staun­lich, was man an ei­nem Sonn­tag­mit­tag auf der „CarCul­tu­re“am Nord­park al­les ler­nen kann! Was ei­ne „Trai­ler-Queen“ist zum Bei­spiel. Auf wie vie­le Wei­sen man ein Au­to tu­nen kann. An wel­chen un­ge­ahn­ten Stel­len man ein Au­to po­lie­ren kann! Und: dass tie­fer­ge­leg­te Au­tos durch­aus von sehr sym­pa­thi­schen Men­schen ge­fah­ren wer­den! Das ge­tun­te Au­to bie­tet na­tür­lich or­dent­lich Stoff für Vor­ur­tei­le. Aber die sind be­kann­ter­ma­ßen da­zu da, wi­der­ge­legt zu wer­den.

Der VW-Golf-Club Mön­chen­glad­bach ver­an­stal­te­te das jähr­li­che Au­to­mo­bil­tref­fen ge­mein­sam mit dem Tüv Rhein­land auf ei­nem Park­platz des Nord­parks. Hun­der­te von Wa­gen aus Glad­bach, Viersen, Düs­sel­dorf, Wup­per­tal, Köln, Münster, Luxemburg und vie­len an­de­ren Or­ten hat­ten sich zu die­sem „Fa­mi­li­en­tref­fen“der be­son­de­ren Art zu­sam­men­ge­fun­den, wie ein Teil­neh­mer es be­zeich­ne­te. Man kennt sich, trifft sich im­mer mal wie­der auf die­ser Au­to­shows, tauscht sich aus und fach­sim­pelt über Au­tos und Tu­ning. Und die All­tags­fah­re­rin, ihr aus­schließ­lich zweck­mä­ßi­ges Fahr­zeug vor Au­gen, die kommt aus dem Stau­nen nicht mehr raus.

Ma­ri­on Lösch ist ei­ne der we­ni­gen Frau­en, die man un­ter den „Au­to­be­klopp­ten“– so nen­nen sie sich nicht oh­ne Stolz – fin­det. Die 50Jäh­ri­ge aus Köln ist mit ih­rem Mann da­bei, Micha­el Holz­warth (53). Ih­ren „teuf­lisch gu­ten“Wa­gen fah­ren sie ein hal­bes Le­ben lang. Rot wie das Feu­er, schwarz wie die Höl­le ist er. Frem­de Fin­ger dür­fen ihn nicht be­rüh­ren – schon gar nicht auf dem Bei­fah­rer­sitz Platz neh­men. Ei­ne Lei­den­schaft ist das Au­to für sie, Hob­by kann man es kaum noch nen­nen. Ver­wach­sen mit dem Au­to sind sie eben­so wie Hel­mut Hil­gers (66), der mit sei­nem „Ti­ger“auch aus Köln an­ge­reist ist. Ein Ti­ger-Air­brush un­ter der Mo­tor­hau­be, ver­gol­de­tes Werk­zeug, Ti­ger-High­heels im Fuß­raum des Bei­fah­rers, Spiel­zeug­ti­ger – das Au­to ist ein Ge­samt­kunst­werk. „Halb­ge­tunt“, da sind sich die drei ei­nig, ist „raus­ge­schmis­se­nes Geld“– „ganz oder gar nicht.“Un­ter der Mo­tor­hau­be ist üb­ri­gens nur Glanz, kein Öl­fleck­chen, kein Stäub­chen.

Auf der Büh­ne wur­den Vor­trä­ge und Dis­kus­sio­nen zur Fahr­zeug- tech­nik und den Mög­lich­kei­ten der Fahr­zeug­in­di­vi­dua­li­sie­rung an­ge­bo­ten. Mar­cus Ches­sa, Vor­sit­zen­der des VW-Golf-Clubs, be­tont da­bei aber auch: „Wir wol­len auch klar­ma­chen, dass Ge­schwin­dig­keit ei­ne Waf­fe ist.“Ge­wis­ser­ma­ßen ein päd­ago­gi­scher, er­zie­he­ri­scher Aspekt – be­son­ders wich­tig in Zei­ten il­le­ga­ler Au­to­ren­nen durch In­nen­städ­te. Der Er­lös aus Teil­nah­me­ge­bühr und Ver­zehr wird dem Hilfs­werk Licht­bli­cke ge­spen­det.

Und ei­ne Trai­ler-Queen? Ist ein Wa­gen, des­sen Rei­fen die Stra­ße nicht mehr be­rüh­ren, weil er aus­schließ­lich auf dem Trai­ler trans­por­tiert wird – in die­sen Krei­sen ein ab­so­lu­tes Schimpf­wort.

Die Schrei­be­rin die­ser Zei­len hat au­ßer­dem ge­lernt, dass die Ord­ner bei der Ein­fahrt in­ner­halb ei­ner Mil­li­se­kun­de fest­stel­len, dass ihr Automobil nicht Teil der Show sein konn­te. Wor­an nur?

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