ANALYSE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

Im­mer wie­der ver­stößt die tür­ki­sche Re­gie­rung ge­gen ele­men­ta­re Prin­zi­pi­en des Ver­tei­di­gungs­bünd­nis­ses. Aus der Na­to wer­fen kann man An­ka­ra al­ler­dings nicht oh­ne Wei­te­res. Was könn­te man un­ter­neh­men?

Wie ge­hen die deut­schen Par­tei­en da­mit um? Es ge­be „kei­nen Aus­schluss­me­cha­nis­mus“, sagt Grü­nen-Au­ßen­ex­per­te Omid Nou­ripour. Des­halb sei die Fra­ge der Mit­glied­schaft ei­ne „frucht­lo­se De­bat­te“, die von der Aus­höh­lung des tür­ki­schen Rechts­staa­tes nur ab­len­ke. Die Lin­ke ver­weist da­ge­gen auf die De­mo­kra­tie-Ver­pflich­tun­gen al­ler Mit­glie­der. Und des­halb meint Au­ßen­ex­per­te Stefan Lie­bich: „Wenn das ,Bünd­nis der Wer­te’ ernst ge­meint wä­re, hät­te die Tür­kei in der Na­to nichts zu su­chen.“AfD-Spit­zen­kan­di­dat Alex­an­der Gau­land er­in­nert an die Mit­glied­schaft von Dik­ta­tu­ren wie dem grie­chi­schen Obris­ten-Re­gime und un­ter­streicht, dass al­lein au­ßen­po­li­ti­sche Ge­sichts­punk­te für oder ge­gen die Tür­kei ins Feld ge­führt wer­den soll­ten – „und die spre­chen für ei­ne Na­to-Mit­glied­schaft“, so Gau­land.

SPD-Au­ßen­po­li­ti­ker Niels An­nen sieht durch die „dik­ta­to­ri­schen Ent­wick­lun­gen“in der Tür­kei Ent­frem­dung und er­schüt­ter­tes Ver­trau­en. Den­noch blei­be ein Na­to-Mit­glied Tür­kei „ein­deu­tig in un­se­rem In­ter­es­se“. Oh­ne die Tür­kei wer­de es et­wa in Sy­ri­en kei­ne Sta­bi­li­sie­rung ge­ben, und ei­ne Hin­wen­dung An­ka­ras zu Mos­kau hät­te eben­falls Kon­se­quen­zen für die eu­ro­päi­sche Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur. Uni­ons-Au­ßen­po­li­ti­ker Jürgen Hardt dreht den Spieß um: Die Na­to sei für die Un­ab­hän­gig­keit und die Si­cher­heit der Tür­kei un­ver­zicht­bar. Über die­sen He­bel will er Druck auf die Tür­kei aus­üben. „Die Glaub­wür­dig­keit und Schlag­kraft des Bünd­nis­ses ist auf Dau­er ge­fähr­det, wenn ein­zel­ne Mit­glie­der, wie der­zeit die Tür­kei, sich von den Prin­zi­pi­en ent­fer­nen.“Des­halb müs­se dies im Na­toRat be­spro­chen wer­den.

Will sa­gen: Man­gels Wil­len und Mög­lich­kei­ten zum Aus­schluss soll der Druck auf die Tür­kei er­höht wer­den. Ob das An­ka­ra be­ein­druck? Ge­ne­ral Kujat sagt vor­aus: „Die Tür­kei wird nie­mals aus­tre­ten.“Des­halb sei es um­so wich­ti­ger, sie bes­ser in die Si­cher­heits­po­li­tik ein­zu­bin­den und ihr „bei­spiels­wei­se klar­zu­ma­chen, dass ih­re Aus­flü­ge, et­wa nach Ka­tar, ge­gen die ge­mein­sa­men In­ter­es­sen ver­sto­ßen“.

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