Le­bens­läng­lich im Fall Lu­ca

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON NA­DI­NE FI­SCHER

Laut Ge­richt hat der Stief­va­ter den Fünf­jäh­ri­gen in Viersen ge­tö­tet.

VIERSEN Was ge­nau in der Nacht zum 23. Ok­to­ber 2016 im Kin­der­zim­mer des fünf Jah­re al­ten Lu­ca in Viersen ge­sche­hen ist, hat der Pro­zess am Land­ge­richt Mön­chen­glad­bach nicht auf­de­cken kön­nen. Den­noch sieht es die Sieb­te gro­ße Straf­kam­mer als er­wie­sen an, dass des­sen Stief­va­ter Mar­tin S. den Jun­gen grau­sam miss­han­delt und ge­tö­tet hat. Ges­tern ver­kün­de­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter das Ur­teil: Mar­tin S. er­war­tet ei­ne le­bens­lan­ge Frei­heits­stra­fe we­gen Tot­schlags. Die Mut­ter des ge­tö­te­ten Kin­des soll für zwei Jah­re und acht Mo­na­te in Haft – we­gen Miss­hand­lung von Schutz­be­foh­le­nen durch Un­ter­las­sen. „Sie hat in der Er­zie­hung gründ­lich ver­sagt“, be­grün­de­te der Rich­ter.

In­di­zi­en, aber auch die Er­geb­nis­se ei­ner rechts­me­di­zi­ni­schen Un­ter­su­chung der Lei­che hat­ten die Kam­mer zu ih­rem Ur­teil am sechs­ten Pro­zess­tag ge­führt. Lu­cas Kör- per wies äu­ße­re und in­ne­re Ver­let­zun­gen auf, dar­un­ter ei­ne Hirn­blu­tung. „Am En­de war wohl die An­wen­dung von stump­fer Ge­walt ge­gen den Hals füh­rend“, sag­te der Rich­ter. Lu­ca sei al­so er­würgt wor­den. Als Tä­ter wa­ren nur Mar­tin S. und Aman­da Z. in Fra­ge ge­kom­men. Die Mut­ter ha­be kein Mo­tiv. In die­sem Fall sei ein wehr­lo­ses, schutz­lo­ses Kind „aus ei­nem ex­trem nich­ti- gen An­lass“ge­tö­tet wor­den, er­gänz­te er. Des­halb ha­be sich die Kam­mer auf Ab­satz 2, Pa­ra­graf 212 im Straf­ge­setz­buch be­ru­fen – die­ser be­sagt, dass in be­son­ders schwe­ren Fäl­len Tot­schlag mit le­bens­lan­ger Haft be­straft wer­den kann.

Sa­dis­ti­schen Lust­ge­winn, Ei­fer­sucht und Wut zähl­te der Rich­ter als mög­li­che Be­weg­grün­de des Tä­ters auf. Ein wei­te­res In­diz da­für, dass der Stief­va­ter die Tat be­gan­gen hat: „Mar­tin S. hat Lu­ca vor­her schon er­heb­lich ver­letzt und ihm Ge­walt an­ge­tan.“Das Ju­gend­amt war ein­ge­schal­tet. Mar­tin S. ha­be den Jun­gen im Ja­nu­ar 2016 „durch Schlä­ge und er­heb­li­ches Zu­pa­cken“ver­letzt, im April 2016 mit der Flam­me ei­nes Feu­er­zeugs am Rü­cken ver­brannt, sag­te der Rich­ter. Auch des­we­gen war der 27-Jäh­ri­ge an­ge­klagt, die Kam­mer ver­ur­teil­te ihn zu­sätz­lich zu neun Mo­na­ten Frei­heits­stra­fe für die ers­te und zwei Jah­ren Frei­heits­stra­fe für die zwei­te Tat. Sein Ver­tei­di­ger kün­dig­te Re­vi­si­on an.

FOTO: REICHARTZ

Die Mut­ter des ge­tö­te­ten Fünf­jäh­ri­gen vor Ge­richt.

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