JÜRGEN TRITTIN Wenn Rot-Rot-Grün ei­ne Mehr­heit hat, wird ver­han­delt

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - POLITIK -

Der ehe­ma­li­ge Grü­nen-Frak­ti­ons­chef spricht über die Chan­cen für ei­ne Links­ko­ali­ti­on im Bund und den Wahl­kampf sei­ner Par­tei.

Nach dem Lin­ken-Par­tei­tag sa­gen vie­le SPD- und Grü­nen-Po­li­ti­ker, die Lin­ken sei­en nicht re­gie­rungs­fä­hig. Wie se­hen Sie das? TRITTIN Bei vie­len in der Link­s­par­tei über­wiegt die Er­leich­te­rung, dass sie an­ge­sichts der Wahl­nie­der­la­gen in den letz­ten bei­den Land­tags­wah­len nicht re­gie­ren müs­sen. Dar­auf hof­fen sie auch im Bund. Wenn es aber ei­ne rech­ne­ri­sche Mehr­heit für Ro­tRot-Grün auf Bun­des­ebe­ne gä­be, dann wird sich die Lin­ke nicht dem Druck ent­zie­hen kön­nen, dar­über ernst­haft zu ver­han­deln. Aber mo­men­tan stellt sich die Fra­ge eher nicht.

Hal­ten Sie die Lin­ke nun für re­gie- rungs­fä­hig? TRITTIN Das kann man erst nach Ab­schluss von Ver­hand­lun­gen be­ur­tei­len – un­ter Echt­zeit­be­din­gun­gen. In Schles­wig-Hol­stein bahnt sich ein Ja­mai­ka-Bünd­nis aus CDU, Grü­nen und FDP an. Ein Si­gnal für den Bund? TRITTIN Das ist zu­erst ein­mal das Si­gnal, dass man nach dem Wil­len der Wäh­ler ernst­haft und se­ri­ös ver­han­deln muss. Die Grü­nen in Schles­wig­Hol­stein ha­ben von An­fang an gesagt: Wir wol­len ei­ne so­li­de Fi­nanz­po­li­tik, wir wol­len bei der Ener­gie­wen­de vor­an­kom­men, und wir schau­en, mit wem wir das rea­li­sie­ren kön­nen, wenn es mit der SPD nicht reicht. Wie er­klä­ren Sie sich die seit Mo­na­ten an­hal­ten­den schwa­chen Um­fra­ge­wer­te der Grü­nen? TRITTIN Mich re­gen Um­fra­gen nicht auf. Was ich se­he, ist, dass wir un­ter den glei­chen bun­des­po­li­ti­schen Be­din­gun­gen bei Wah­len in Schles­wig­Hol­stein bei zwölf Pro­zent ge­lan­det und in NRW von elf auf 6,5 Pro­zent run­ter­ge­fal­len sind. Das ist die Mar­ge, in der wir uns be­we­gen. Ziel ist, dass wir deut­lich zwei­stel­lig und drit­te Kraft wer­den, und die­ses Wahl­ziel kön­nen wir er­rei­chen. Ih­re Um­fra­ge­wer­te sind aber ein Lang­zeit­trend . . . TRITTIN Wir wer­den ein kla­res Pro­fil zei­gen in der Kli­ma- und In­dus­trie­po­li­tik. Wir set­zen auf ei­ne Ab­si­che­rung der Zu­kunfts­chan­cen der Men­schen durch die Ein­füh­rung ei­ner Ga­ran­tie­ren­te und ei­ner Bür­ger­ver­si­che­rung. Wir in­ves­tie­ren mehr in Fa­mi­li­en. Brau­chen Sie nicht mehr als die Wahl­kampf-Klas­si­ker? TRITTIN Ich bin op­ti­mis­tisch, was das In­ter­es­se für Grü­nen-The­men be­trifft. Es gibt die blon­de Ge­fahr im Wei­ßen Haus. Trump treibt sehr vie­le Leu­te um. Wie geht’s wei­ter mit Kli­ma­schutz? Droht im Na­hen Os­ten ein neu­er Krieg, weil der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent die Sau­dis mit mil­li­ar­den­schwe­ren Waf­fen­de­als auf­rüs­tet? Stär­ken wir Eu­ro­pa, oder stei­gen wir ein in ein neu­es Wett­rüs­ten? Dar­auf gibt es kla­re grü­ne Ant­wor­ten – und die CDU will das Ge­gen­teil. Uni­on und SPD se­hen als Ant­wort auf Trump ein ei­gen­stän­di­ge­res Eu­ro­pa . . . TRITTIN Ei­ne Po­li­tik, die Eu­ro­pa durch Aus­te­ri­tät spal­tet in ei­nen rei­chen Nor­den und ei­nen ar­men Sü­den, wird die­ses ge­mein­sa­me Eu­ro­pa nicht zu­sam­men­hal­ten. Wenn wir künf­tig dop­pelt so viel Geld für Rüs­tung aus­ge­ben wie bis­her, an­statt in die Über­win­dung der Ar­beits­lo­sig­keit zu in­ves­tie­ren, wird das nicht hel­fen. Im Ge­gen­teil.

EVA QUADBECK FÜHR­TE DAS GE­SPRÄCH.

FOTO: BAU­ER

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