Thea­ter­stück über Cy­ber-Mob­bing in Schu­le

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON AN­GE­LA WILMS-ADRIANS

In der Haupt­schu­le gas­tier­te die „Co­mic on! Thea­ter­pro­duk­ti­on“mit dem Stück „r@us­ge­mobbt“. Es ging um Fra­gen der Me­di­en­kom­pe­tenz. Die Re­ak­tio­nen fie­len sehr un­ter­schied­lich aus.

KLEINENBROICH Smart­pho­nes müs­sen vor Ver­an­stal­tun­gen aus­ge­stellt wer­den. Das ist längst All­tag. Im Thea­ter­stück „r@us­ge­mobbt“ist ei­ne sol­che Bit­te Teil der Auf­füh­rung: Ei­ne Stim­me aus dem Off deu­tet schwer­wie­gen­de Fol­gen durch miss­bräuch­li­che Han­dy-Nut­zung an. Beim Be­such in der Haupt­schu­le the­ma­ti­sier­te die „Co­mic on! Thea- ter­pro­duk­ti­on“Cy­ber-Mob­bing. Die Auf­füh­rung wur­de durch die Bür­ger­stif­tung Korschenbroich und die Sparkasse ge­spon­sert.

Der Ein­stieg ins Stück ist ra­di­kal: Ein Sarg steht be­reit. Ei­ne wüs­te Schie­ße­rei be­ginnt. Dann Schnitt. Ei­ne Stim­me mahnt, doch end­lich mit den Bal­ler­spie­len auf­zu­hö­ren. Da­mit sind die jun­gen Zu­schau­er im All­tag ei­ner für sie be­kann­ten Welt an­ge­kom­men. Sie er­le­ben, wie die Prot­ago­nis­ten Jess, Va­nes­sa und Chris bei­na­he stän­dig on­li­ne sind. Er­zählt wird, wie Chris von Va­nes­sa zum „Op­fer“ge­macht wird. Von Jess er­fah­ren die Zu­schau­er, dass er nicht – wie von Va­nes­sa ver­mu­tet – der coo­le Typ ist, son­dern einst selbst von Mob­bing be­trof­fen war. Die Si­tua­ti­on es­ka­liert, als Va­nes­sa ein Vi­deo über Jess’ Ac­count ver­brei­tet, um Chris bloß­zu­stel­len. Am En­de fällt ein kra­chen­der Schuss – und bei­na­he je­der im Raum fuhr er­schro­cken zu­sam­men. Vor der Dis­kus­si­on mit den Darstel­lern An­ne Mül­ler, Mar­cel Lan­ger und Ju­lia Knorst wand­te sich Her­mann Buch- kre­mer, Grün­dungs­mit­glied der Bür­ger­stif­tung, an das jun­ge Pu­bli­kum. „Die Ge­schich­te ist auch für uns Äl­te­re wich­tig, denn El­tern und Groß­el­tern wis­sen nicht, was da al­les läuft“, sag­te der acht­fa­che Groß- va­ter. Er­staun­lich bei der Dis­kus­si­on war, dass nur die we­nigs­ten Schü­ler glaub­ten, die vom Mob­bing be­trof­fe­ne Chris hät­te Selbst­mord be­gan­gen.

Ein Schü­ler schlug als In­ter­pre­ta­ti­on der Schluss­sze­ne vor, Chris und Jess ha­ben sich ge­gen die ton­an­ge­ben­de Va­nes­sa ver­bün­det. Die Dis­kus­si­ons­be­tei­li­gung reich­te von vor­sich­ti­ger Zu­rück­hal­tung bis zu selbst­be­wuss­ten Bei­trä­gen. Zur Fra­ge, wie Mob­bing ent­steht, ka­men Ant­wor­ten, die be­sag­ten: Es geht um Neid, Aus­gren­zung und den Wunsch, sich wich­tig zu ma­chen. Zum The­ma Mit­läu­fer­tum mein­ten ei­ni­ge, dass hier die Angst mit­spielt, an­sons­ten selbst zum Mob­bing-Op­fer zu wer­den.

Er­kannt wur­de, dass Va­nes­sa kei­ne Freun­de hat, son­dern ge­fürch­tet ist. „Was müss­te ge­sche­hen bei Cy- ber-Mob­bing in der Haupt­schu­le?“, frag­ten die Darstel­ler. Es könn­te hel­fen, sich auf die Sei­te des Op­fers zu stel­len, mein­te ei­ne Schü­le­rin. Ei­ne an­de­re stell­te zur all­ge­mei­nen Zu­stim­mung fest: „Man soll­te nach­den­ken, was man sagt, weil man oft nicht weiß, wie sehr man ei­nen Men­schen tref­fen kann“. Ein Jun­ge hät­te Chris vor­ge­schla­gen, die Po­li­zei ein­zu­schal­ten. Va­nes­sa Lin­den­ho­ven war er­schüt­tert, dass sich die Chris im Stück nir­gend­wo Hil­fe sucht. „Ich hät­te et­was ge­sagt“, sag­te die 17-jäh­ri­ge, über­zeugt, dass Chris den Frei­tod wähl­te. Auch Jen­ni­fer Burg­hartz war auf­ge­fal­len, dass Jess und Chris nur im Sze­nen­stopp über ih­re Nö­te spre­chen und nicht mit­ein­an­der. Sie riet zum Han­dy-Pin, um we­nigs­tens den miss­bräuch­li­chen Zu­griff zu ver­hin­dern.

FOTO: SPARKASSE

Im­mer on­li­ne mit dem Han­dy zu sein, kann schwe­re Fol­gen ha­ben.

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