Jä­ger­hof soll im Spät­herbst er­öff­nen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON RUTH WIEDNER-RUNO

Bol­ten-Chef Michael Holl­mann sa­niert die Tra­di­ti­ons­gast­stät­te in Rhein­dah­len. Er will da­bei den Alt­bau-Charme er­hal­ten.

RHEIN­DAH­LEN Von au­ßen macht der Jä­ger­hof nach wie vor ei­nen ver­träum­ten Ein­druck. Tü­ren sind ver­rie­gelt, Fens­ter­lä­den ge­schlos­sen. Vor gut vier Jah­ren gin­gen in der Tra­di­ti­ons­gast­stät­te am Bus­bahn­hof in Rhein­dah­len die Lich­ter aus. Aber nicht für im­mer. Das hat Bol­ten-Chef Michael Holl­mann jetzt ent­schie­den. Seit der Un­ter­zeich­nung des Kauf­ver­tra­ges vor et­wa sechs Wo­chen herrscht im Gast­hof re­ges Trei­ben. Der in die Jahre ge­kom­me­ne Vier­kant­hof wird der­zeit ent­kernt, Ber­ge von Bau­schutt, mor­schem Holz und al­ten Bo­den­be­lä­gen wur­den be­reits ent­sorgt. Mit der ei­gent­li­chen Sa­nie­rung will Holl­mann zeit­nah durch­star­ten, schließ­lich soll der Jä­ger­hof noch in die­sem Herbst Wie­der­er­öff­nung fei­ern.

Mit der Pla­nung ist der Mön­chen­glad­ba­cher Ar­chi­tekt Michael Fi­schel­manns be­traut. Er will zum Wo­chen­an­fang den Bau­an­trag im Rat­haus ein­rei­chen. Von der Bau­ge­neh­mi­gung hängt schließ­lich auch die Fer­tig­stel­lung und da­mit der Ter­min für die In­be­trieb­nah­me ab.

Noch sieht drin­nen nichts nach ei­ner bal­di­gen Er­öff­nung aus. Da­bei weiß Holl­mann schon ex­akt, wie er sich sei­nen neu­en Braue­rei-Aus­schank vor­stellt. „Man muss schon viel Fan­ta­sie ha­ben“, gibt er of­fen zu. Aber die nö­ti­ge Vor­stel­lungs­kraft bringt er mit. So sind sei­ne An­wei­sun­gen an Hand­wer­ker und Ge­schäfts­part­ner kurz, klar, kon­kret.

Die frü­he­re Gast­stu­be wird deut­lich grö­ßer. Sie wird kom­plett ent­kernt: Die al­te The­ke wur­de be­reits ab­ge­baut und ver­schrot­tet. Spä­ter sol­len noch die Wän­de zu den be­nach­bar­ten Klub­räu­men ein­ge­ris­sen wer­den, um die Flä­che zu in­te­grie­ren. Vier tra­gen­de Säu­len wer­den nach den Vor­stel­lun­gen von Michael Holl­mann zum Blick­fang. In das Qua­drat will er die neue The­ke ein­las­sen. Ei­ne dop­pel­flü­gi­ge Tür führt vom Gast­raum in ei­nen Alt­bau­trakt. „Hier wird das kom­plet­te Fach­werk er­neu­ert“, so Holl­mann. Da­mit von dort aus auch der Blick in den Bier­gar­ten mög­lich ist, will er die Fach­wer­k­rah­men mit Glas ver­schlie­ßen.

Die­se raf­fi­nier­te Form wird durch zwei über­dach­te Au­ßen­be­rei­che – die­ses Mal mit of­fe­nen Fach­wer­k­rah­men – er­gänzt. „So kön­nen wir für je­de Wit­te­rung Sitz­plät­ze schaf­fen“, be­schreibt Fi­schel­manns die aus­ge­fal­le­ne Op­tik. Tei­le der al­ten An­bau­ten und die Flä­che der Ke­gel­bahn wer­den dem neu­en Bier­gar­ten zu­ge­schla­gen. Ziel des Bol­ten-Chefs ist es, ei­nen Bier­gar­ten zu kre­ieren, der sich in gro­ßen Tei­len ganz­jäh­rig be­wirt­schaf­ten lässt.

Der neue Bier­gar­ten, der künf­tig et­wa 100 Gäs­ten Platz bie­ten wird, ist über zwei Ein­gän­ge er­reich­bar. Vom Bus­bahn­hof aus wird das al­te

Michael Holl­mann Scheu­nen­tor in der Struk­tur er­hal­ten und um Stell­plät­ze und Fahr­rad­stän­der er­gänzt. Der Zu­gang wird bar­rie­re­frei ge­stal­tet. Der Haupt­ein­gang zum Bier­gar­ten ist für die Haupt­front ge­plant. Das al­te Trep­pen­haus, ein recht­ecki­ger Zie­gel­stein-Vor­bau, wird da­zu ab­ge­ris­sen. „So kön­nen wir Platz für ein groß­zü­gi­ges schmie­de­ei­ser­nes Tor schaf­fen,“sagt Holl­mann. Das Tor gibt es üb­ri­gens schon. Es stammt aus Es­sen und wur­de über Jahr­zehn­te hin­weg als Ein­gang zu ei­nem Vil­lenGrund­stück ge­nutzt.

In der hin­te­ren Scheu­ne wird im Rah­men der Sa­nie­rung ei­ne Klein­kunst­büh­ne er­rich­tet. „Es wer­den kei­ne Kon­zert­schwäm­me über Rhein­dah­len her­ein­schwap­pen“, ver­si­chert Holl­mann. Er denkt viel mehr an Klein­kunst, Le­sun­gen oder auch an So­lis­ten, de­nen er ab und an ei­ne Büh­ne bie­ten möch­te. Wäh­rend die Gast­stu­be mit 82 Sitz­plät­zen kal­ku­liert ist, bie­ten drei Ge­wöl­be Platz für et­wa 50 bis 60 Per­so­nen. „Zu­ge­mau­er­te Kel­ler­ein­gän­ge ha­ben be­reits das In­ter­es­se der ört­li­chen Ge­schichts­freun­de ge­weckt. „Was sich hin­ter den Mau­er­stü­cken ver­birgt, wis­sen wir wirk­lich nicht“, sagt Holl­mann. Er macht es span­nend: „Es wird schon spe­ku­liert, ob es frü­her ein un­ter­ir­di­sches We­ge­netz in Rhein­dah­len ge­ge­ben hat.“

Doch zu­nächst war­tet der Bol­tenChef erst ein­mal auf die Bau­ge­neh­mi­gung aus dem Mön­chen­glad­ba­cher Rat­haus, um sei­nen Plan um­set­zen zu kön­nen. Dass er nicht nur schmack­haf­tes Bier in Kor­schen­broich brau­en kann, son­dern sich auch auf Gas­tro­no­mie ver­steht, hat der fin­di­ge Un­ter­neh­mer be­reits mehr­fach be­wie­sen: Holl­mann ge­hö­ren be­reits die Gast­stät­ten Hül­ser in He­len­abrunn, das St. Vith am Al­ten Markt, die Braue­rei Jö­ris an der Spei­cker Stra­ße und jetzt der Jä­ger­hof an der Beecker Stra­ße in Rhein­dah­len. Zu­dem hat Holl­mann im Orts­kern Kor­schen­broichs die his­to­ri­sche Gast­stät­te „Zum An­ker“ge­pach­tet. Das Ob­jekt ist ak­tu­ell ge­schlos­sen, es wird um ein Nach­bar­ge­bäu­de er­gänzt und au­ßer­dem um ei­nen Glas­pa­vil­lon er­wei­tert.

„Was sich hin­ter den Mau­er­stü­cken im Ge­wöl­be­kel­ler ver­birgt,

wis­sen wir nicht“

Neu­er Ei­gen­tü­mer des Jä­ger­ho­fes

FO­TO: I. RAUPOLD

Idyl­le pur: So soll sich auch künf­tig der Jä­ger­hof als Braue­rei-Aus­schank prä­sen­tie­ren. Ei­gen­tü­mer Michael Holl­mann (rechts) möch­te das al­te Fach­werk im In­nen­hof er­hal­ten. Er sucht mit Michael Fi­schel­manns nach Lö­sun­gen.

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