Bo­row­ski stößt an sei­ne Gren­zen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - MEDIEN - VON CHRIS­TI­AN SIE­BEN

Im Kie­ler „Tat­ort“be­kom­men es die Er­mitt­ler mit ei­nem mut­maß­li­chen Amok­läu­fer zu tun.

KIEL Die Kie­ler Wo­che ge­hört zu den größ­ten Volks­fes­ten Eu­ro­pas. Aus­ge­rech­net in die­ser oh­ne­hin an­ge­spann­ten Si­cher­heits­la­ge be­kom­men es die Er­mitt­ler Bo­row­ski (Axel Mil­berg) und Brandt (Si­bel Ke­kil­li) mit ei­nem mut­maß­li­chen Amok­läu­fer zu tun. Aber der Rei­he nach: Für den Fa­mi­li­en­va­ter Ro­man Eg­gers (Mi­sel Ma­ti­ce­vic) läuft es seit Jah­ren schlecht. Sei­ne Frau hat sich von ihm ge­trennt, die Kin­der darf er nicht mehr se­hen. Nach ei­nem neu­er­lich miss­glück­ten Tref­fen mit sei­ner Ex-Frau bren­nen al­le Si­che­run­gen durch. We­nig spä­ter er­schlägt der Mann sei­ne dro­gen­süch­ti­ge Freun­din. Auf der ver­zwei­fel­ten Su­che nach Geld be­sucht er sei­nen al­ten Dea­ler. Das Tref­fen en­det in ei­ner Mes­ser­ste­che­rei. Spä­tes­tens nach dem Fund des zwei­ten Op­fers schril­len bei Kom­mis­sa­rin Brandt al­le Alarm­glo­cken. Auch die Er­kennt­nis, dass Eg­gers bei sei­nem Job Zu­gang zu Spreng­stoff hat, trägt nicht zur Be­ru­hi­gung der La­ge bei.

Der ge­lun­ge­ne Fall „Bo­row­ski und das Fest des Nor­dens“schil­dert se­hens­wert das Schick­sal ei­nes vom Le­ben be­sieg­ten Man­nes. Mi­sel Ma­ti­ce­vic spielt den Ver­lie­rer al­ler Hoff­nun­gen glän­zend. Trotz sei­ner bru­ta­len Ta­ten emp­fin­det der Zu­schau­er so et­was wie Mit­leid. Den Au­to­ren ge­lang es zu­dem, das Schick­sal des Fa­mi­li­en­va­ters mit dem von Bo­row­ski zu ver­bin­den. Denn auch um den Kom­mis­sar steht es neu­er­dings schlecht. Mit sei­ner Kol­le­gin strei­tet er sich nur noch. Sei­ne Aben­de ver­bringt er be­trun­ken in dritt­klas­si­gen Re­stau­rants. Sei­ne einst tro­cke­nen Sprü­che wir­ken in­zwi­schen arg be­müht. Die ei­ge­ne Si­tua­ti­on scheint dem Er­mitt­ler aber zu hel­fen, den Fall bes­ser ein­schät­zen zu kön­nen.

Am En­de gibt es dann lei­der ei­nen ent­täu­schen­den Ab­schied. Für Schau­spie­le­rin Si­bel Ke­kil­li war es näm­lich der letz­te Auf­tritt im Kie­ler „Tat­ort“. The­ma­ti­siert wird dies lei­der gar nicht. Der NDR hat­te den Film be­reits im Jahr 2015 ge­dreht. Dem Sen­der war es wich­tig, dass der Film auch tat­säch­lich wäh­rend der Kie­ler Wo­che aus­ge­strahlt wird. Aus ter­min­li­chen Grün­den war dies aber erst in die­sem Jahr mög­lich. Ein Ab­schied oh­ne Ab­schied – das dürf­te den ein oder an­de­ren Zu­schau­er ent­täu­schen.

„Tat­ort“, ARD, So., 20.15 Uhr

FO­TO: NDR

Nach ei­nem Brand in sei­ner Woh­nung schleppt sich Bo­row­ski (Axel Mil­berg, l.) auf die Stra­ße. Die Kol­le­gen tip­pen auf ei­nen Mo­lo­tow-Cock­tail, den je­mand in sei­ne Woh­nung ge­wor­fen hat.

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