Den ei­ge­nen Weg fin­den

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - REISE&WELT - VON AN­JA KAWOHL

Die hek­ti­sche Ar­beits­welt mit ih­ren stän­di­gen Ve­rän­de­run­gen über­for­dert im­mer öf­ter auch Füh­rungs­kräf­te. Bu­si­ness-Coa­ches un­ter­stüt­zen bei der Selbst­re­fle­xi­on und be­glei­ten die Ent­schei­der bei ih­rer be­ruf­li­chen Ent­wick­lung.

Der Weg ist das Ziel – gern zi­tiert wird die­se Le­bens­weis­heit von Kon­fu­zi­us, ist sie doch so be­ste­chend ein­fach und plau­si­bel gleich da­zu. Doch in der Pra­xis sieht das häu­fig an­ders aus. Was ist, wenn der Weg sich plötz­lich ga­belt und ei­nem selbst nicht klar ist, wel­che Rich­tung man jetzt ein­schla­gen soll. Biegt man vom ur­sprüng­li­chen Pfad ab oder bleibt man auf dem al­ten Kurs? Ein fal­scher Schritt kann in der Kar­rie­re-Pla­nung fa­ta­le Fol­gen

Sa­bi­ne John ha­ben. Und nicht je­de Füh­rungs­kraft ist in der La­ge, für sich al­lein zu ent­schei­den, wie der wei­te­re Be­rufs­weg aus­se­hen soll und mit wel­chen Kon­se­quen­zen dies ver­bun­den ist.

„Die Her­aus­for­de­rung be­steht dar­in, den Kar­rie­re­weg si­tua­tiv im­mer wie­der zu re­flek­tie­ren und in Über­ein­stim­mung mit den per­sön­li­chen Le­bens­vor­stel­lun­gen und Po­ten­zia­len die in­di­vi­du­ell rich­ti­ge Ent­schei­dung für den er­folg­rei­chen und ge­sun­den Be­rufs­weg zu fin­den“, sagt Sa­bi­ne John, In­ha­be­rin von „si­tua­tiv-ich“. Als zer­ti­fi­zier­ter Bu­si­ness-Coach, Kar­rie­re-Be­ra­te­rin so­wie zer­ti­fi­zier­te Bur­nout-Be­ra­te­rin un­ter­stützt die Düs­sel­dor­fe­rin, die über lang­jäh­ri­ge Er­fah­rung in der Per­so­nal- und Out­pla­ce­ment-Be­ra­tung von Füh­rungs­kräf­ten ver­fügt, ih­re Kli­en­ten bei ih­ren Ent­schei­dungs­fin­dun­gen.

Da­mit trifft die Be­ra­te­rin den Nerv der Zeit, denn vor al­lem Un­ter­neh­men be­auf­tra­gen im­mer häu­fi­ger Bu­si­ness- (bü) Barab­gel­tung Län­ge­re Zeit ar­beits­un­fä­hig er­krank­te Ar­beit­neh­mer kön­nen – schei­den sie krank­ge­schrie­ben aus dem Be­trieb aus – für nicht ge­nom­me­nen Er­ho­lungs­ur­laub ei­ne Barab­gel­tung von ih­rem Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen. Die­ser An­spruch er­lischt je­weils 15 Mo­na­te nach Ablauf des vor­letz­ten Ur­laubs­jah­res. Das gilt auch dann, wenn der Mit­ar­bei­ter un­mit­tel­bar mit Ablauf die­ses Zei­t­raums die Fir­ma ver­lässt. Mit die­ser Be­grün­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz ei­ner ar­beits­un­fä­hig aus ih­rer Fir­ma aus­ge­schie­de­nen Mit­ar­bei­te­rin die Barab­gel­tung für das vor­ver­gan­ge­ne Ur­laubs­jahr ab­ge­lehnt, weil sie ex­akt mit En­de des 15. Mo­nats des über­nächs­ten Jah­res aus­ge­schie­den war. Ein Ab­gel­tungs­an­spruch ent­steht laut Ge­richt nicht, wenn der Ar­beit­neh­mer mit dem En­de des Über­tra­gungs­zeit­rau­mes aus­schei­det und der nicht ge­nom­me­ne Ur­laub we­gen Frist­ab­laufs er­lo­schen ist. (LAG Rhein­land-Pfalz, 2 Sa 258/16) Da­ten Ei­ner Mit­ar­bei­te­rin ei­nes Bür­ger­am­tes darf frist­los ge­kün­digt wer­den, wenn sie un­be­fugt per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten ab­ruft. Das gel­te auch dann, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, wenn die In­for­ma­tio­nen nur Coa­ches. Ins­be­son­de­re in Zei­ten von Ve­rän­de­rungs­pro­zes­sen sind ih­re Fä­hig­kei­ten ex­trem ge­fragt. Un­ter­neh­men wol­len da­mit ge­zielt die Stär­ken ih­rer Mit­ar­bei­ter för­dern, um da­durch na­tür­lich ihr ei­ge­nes Per­so­nal so ef­fek­tiv wie mög­lich ein­zu­set­zen. In den USA sind Bu­si­ness-Coa­ches schon seit lan­ger Zeit eta­bliert, in Eu­ro­pa ist der Be­darf in den letz­ten Jah­ren deut­lich ge­wach­sen. Ab­zu­le­sen ist das nicht nur an der stei­gen­den Zahl von Coaching-Un­ter­neh­men, son­dern auch an der Viel­zahl der Coaching-Ver­bän­de in Deutsch­land.

Die Be­ra­te­rin hat er­kannt, wel­chen gro­ßen Be­darf ge­ra­de we­ni­ge Per­so­nen aus ih­rem pri­va­ten Um­feld be­tref­fen und das al­lein aus per­sön­li­cher Neu­gier­de ge­schieht. Die Frau hat­te hun­der­te Ma­le Mel­de­re­gis­ter­da­ten­sät­ze von ihr be­kann­ten Per­so­nen ab­ge­ru­fen – un­ter an­de­rem die der Toch­ter ih­res Freun­des. Weil die mit Mel­de­da­ten be­schäf­tig­ten Ar­beit­neh­mer ei­nem „be­son­de­ren Ge­heim­nis­schutz ver­pflich­tet“sind, ist das Ver­hal­ten „so schwer­wie­gend“, dass ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung ge­recht­fer­tigt ist. (LAG Ber­linBran­den­burg, 10 Sa 192/16) Ein­glie­de­rung Führt ein Ar­beit­ge­ber für ei­nen häu­fig er­krank­ten Mit­ar­bei­ter ein so­ge­nann­tes Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment durch, so ist die Um­set­zung der Maß­nah­men al­lein sei­ne An­ge­le­gen­heit. Er muss nicht ak­zep­tie­ren, dass in der Ei­ni­gungs­stel­le sei­nes Be­trie­bes be­schlos­sen wird, dass ein In­te­gra­ti­ons­team zu bil­den sei, wel­ches sich aus ei­nem Ver­tre­ter des Ar­beit­ge­bers und des Be­triebs­rats zu­sam­men­setzt, wel­ches dann die ge­plan­te Ein­glie­de­rung mit dem Ar­beit­neh­mer durch­füh­ren soll. Der Ar­beit­ge­ber hat dies­be­züg­lich „das Sa­gen“, ent­schied das Bun­des­ar­beits­ge­richt. Die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats sei von der Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers ab­hän­gig. (BAG, 1 ABR 14/14) Füh­rungs­kräf­te hier­zu­lan­de ha­ben. „Mei­ne Auf­ga­be se­he ich dar­in, die Füh­rungs­kraft zu ei­nem Blick­wech­sel auf das ei­ge­ne Ich an­zu­re­gen. Das Ent­de­cken be­zie­hungs­wei­se Wie­der­ent­de­cken der ei­ge­nen Po­ten­zia­le, ei­ge­ne Wün­sche und Zie­le ein­mal klar zu for­mu­lie­ren, aber auch Be­las­tungs­gren­zen wahr­zu­neh­men, er­öff­net oft neue We­ge: Er­folg­reich Füh­ren im Ein­klang mit der ei­ge­nen Per­sön­lich­keit.“

An­ders als in vie­len an­de­ren Be­ra­ter­be­ru­fen ar­bei­ten Bu­si­ness-Coa­ches al­so nicht ei­ne Lö­sung aus, son­dern un­ter­stüt­zen Füh­rungs­kräf­te da­bei, ih­rer Per­sön­lich­keit ent­spre­chen­de Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und die für sie rich­ti­gen Schrit­te auf ih­rem Kar­rie­re­weg zu ge­hen. Das setzt zum ei­nen ho­he fach­li­che Kom­pe­tenz des Coa­ches vor­aus, aber auch ei­ne ver­trau­ens­vol­le At­mo­sphä­re. „Je­der Kli­ent mit sei­ner ei­ge­nen Per­sön­lich­keit und Ge­schich­te ist für mich ei­ne neue Her­aus­for­de­rung, schließ­lich reicht die Band­brei­te der The­men von der be­ruf­li­chen Si­tua­ti­on, über Stress­be­wäl­ti­gung bis hin zum The­ma emo­tio­na­le Kom­pe­tenz von Füh­rungs­kräf­ten.“

Aus na­he­zu 20 Jah­ren Be­rufs­er­fah­rung im Be­reich Hu­man Re­sour­ces weiß John, dass das mo­der­ne, hek­ti­sche Be­rufs­le­ben be­son­ders auch Füh­rungs­kräf­ten ei­ni­ges ab­ver­langt. Um­struk­tu­rie­run­gen, Per­so­nal­ab­bau, ver­än­der­te Ar­beits­si­tua­tio­nen so­wie im­mer kom­ple­xe­re Auf­ga­ben in im­mer kür­ze­ren Zeit­schie­nen zu be­wäl­ti­gen, be­las­tet im­mer mehr. „Die in­di­vi­du­el­le Per­sön­lich­keit und die emo­tio­na­le Kom­pe­tenz der Füh­rungs­kraft wird da­bei lei­der oft au­ßer Acht ge­las­sen“, be­dau­ert die Ex­per­tin. „Gu­tes und da­mit er­folg­rei­ches Füh­ren be­deu­tet im­mer, die Fä­hig­keit zu ha­ben, durch emo­tio­na­le Kom­pe­tenz Mit­ar­bei­ter auf dem Weg zum Un­ter­neh­mens­ziel mit­zu­neh­men, wert­schät­zen­de Be­zie­hun­gen auf­bau­en zu kön­nen und durch ei­ne selbst­re­flek­tier­te, au­then­ti­sche Per­sön­lich­keit Ori­en­tie­rung und Ver­trau­en zu ver­mit­teln.“

Bu­si­ness-Coa­ches sind da­her auch in der La­ge, Be­las­tungs­gren­zen zu er­ken­nen und kön­nen zur Prä­ven­ti­on von Burn-out bei­tra­gen. Für die Be­ra­te­rin ist die Ei­gen­re­fle­xi­on von ent­schei­den­der Be­deu­tung. Sie ver­weist in die­sem Zu­sam­men­hang auf ei­ne chi­ne­si­sche Weis­heit: „Wer die Spur nicht wech­selt, hat nicht die Chan­ce zu über­ho­len.“

„Er­folg­reich Füh­ren im Ein­klang mit der ei­ge­nen Per­sön­lich­keit“

Bu­si­ness-Coach

Recht & Ar­beit

FO­TO: THINKSTOCK/JIRSAK

Der Be­rufs­weg von Füh­rungs­kräf­ten hält manch­mal Lü­cken be­reit. Ein Bu­si­ness-Coach kann da­bei hel­fen, die­se Stel­len zu über­win­den und die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen zu tref­fen.

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