Die Lust am Le­sen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON MA­RI­ON LISKEN-PRUSS FO­TO: DET­LEF ILGNER

Die Bür­ger­stif­tung „Für Kor­schen­broich“schenkt mehr als 300 zu­künf­ti­gen Dritt­kläss­lern ihr ei­ge­nes Le­se­buch.

KOR­SCHEN­BROICH Sei­nen Kof­fer­raum hat Wil­ly Schel­len voll­ge­packt. Sie­ben Kar­tons mit ins­ge­samt 300 Bü­chern sta­peln sich da­rin. Sie al­le sind für die zu­künf­ti­gen Dritt­kläss­ler der sie­ben Kor­schen­broi­cher Grund­schu­len be­stimmt. Die Bücher für ih­re Schu­le nahm Ma­rie-Lui­se Grüe, Lei­te­rin der Ge­mein­schafts­grund­schu­le (GGS) Her­rens­hoff, am Frei­tag in Emp­fang. Ge­schenkt hat sie die Bür­ger­stif­tung „Für Kor­schen­broich“, de­ren Vor­stands­vor­sit­zen­der Wil­ly Schel­len ist. Die Kor­schen­broi­cher Bür­ger­stif­tung hat sich die För­de­rung der orts­an­säs­si­gen Schu­len auf ih­re Fah­nen ge­schrie­ben und führt seit 2010 das Buch­pro­jekt durch. Im Rah­men die­ses Pro­jekts schenkt sie Schü­lern ein ei­ge­nes Le­se­buch. Mit ins Boot ge­holt ha­ben sie da­für auch den Ro­ta­ry-Club Kaarst-Kor­schen­broich, der mit sei­nem Pro­jekt „4 L - Le­sen ler­nen - Le­ben ler­nen“eben­falls das Le­se­ver­ständ­nis von Schü­le­rin­nen und Schü­lern för­dert.

„Seit 2010 ha­ben wir mehr als 3000 Bücher an die Schü­ler ver­schenkt“, sagt Tho­mas Gold­mann, der dem Stif­tungs­vor­stand an­ge­hört. Ma­rie-Lui­se Grüe ist von dem Buch­pro­jekt über­zeugt: „Das Be­son­de­re dar­an ist, dass die Kin­der die Bücher be­hal­ten kön­nen und sie nicht zum En­de des Schul­jah­res wie­der zu­rück­ge­ben müs­sen“, sagt sie. „So kön­nen die Kin­der ih­ren Na­men in das Buch hin­ein­schrei­ben, da­rin ar­bei­ten, Zei­len un­ter­strei­chen oder mar­kie­ren und et­was no­tie­ren“, hebt sie die Be­deu­tung ei­nes ei­ge­nen Bu­ches im Ver­gleich zum Leih­buch her­vor. Bei den Kin­dern kommt das Buch­ge­schenk gut an. Auch Deutsch­leh­re­rin Ina Keß­ler freut sich dar­auf, ih­ren Un­ter­richt nach den Som­mer­fe­ri­en mit dem Buch star­ten zu kön­nen. Die Leh­rer be­kom­men je­weils pro­fes­sio­nell auf­be­rei­te­tes di­dak­ti­sches Ma­te­ri­al an die Hand, wo­mit sie den Un­ter­richt vor­be­rei­ten kön­nen. „Han­no malt sich ei­nen Dra­chen“lau­tet der Ti­tel des aus­ge­wähl­ten Bu­ches. Da­bei geht es um Han­no, der ge­hän­selt wird, weil er zu dick ist. Da taucht der klei­ne Dra­che auf, der nur ei­nen Kopf hat statt drei, und sie be­schlie­ßen, sich ge­gen­sei­tig zu hel­fen. Die Au­to­rin ist die 2013 ver­stor­be­ne Iri­na Kor­schu­now, die mit zahl­rei­chen Aus­zeich­nun­gen be­dacht wur­de.

Für Tho­mas Gold­mann be­deu­tet Bil­dung die „Gr­und­vor­aus­set­zung für De­mo­kra­tie, Sta­bi­li­tät und wirt­schaft­li­ches Wohl­er­ge­hen“, wes­halb er die Kin­der früh für das Le­sen be­geis­tern möch­te. Ge­ra­de für Flücht­lings­kin­der Ex­em­pla­re des Buch­pro­jekts häu­fig ihr ers­tes ei­ge­nes Buch. „So ent­wi­ckelt es auch ei­ne in­te­gra­ti­ve Kraft“, sagt er. Stif­tungs­rat Fritz Ot­ten, der sel­ber die GGS Her­rens­hoff be­sucht hat, hebt auch auf den Ge­mein­schafts­ge­dan­ken der Bür­ger­stif­tung ab: „Wir wol­len dem Ge­mein­wohl nach dem Grund­satz ‚von Bür­gern für Bür­ger‘ die­nen“, sagt er.

Vor zehn Jah­ren hat­ten sie­ben Grün­dungs­in­itia­to­ren die Bür­ger­stif­tung ins Le­ben ge­ru­fen. Heute sind et­wa 120 Stif­ter im Stif­tungs­ver­zeich­nis auf­ge­lis­tet. Fritz Ot­ten blickt wei­ter in die Zu­kunft: „Das Buch­pro­jekt soll zu ei­ner dau­er­haf­ten Ein­rich­tung wer­den“, sagt er. Das ha­be die Bür­ger­stif­tung dem Schul­amt in Aus­sicht ge­stellt.

Tho­mas Gold­mann, Ma­rie-Lui­se Grüe, Fritz Ot­ten, Ina Kess­ler, Wil­ly Schel­len und die Schü­le­rin­nen Jo­han­na und Car­la freu­en sich über reich­lich Le­se­fut­ter.

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